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Dr. Markus Ewald (rechts) und Jürgen Schopf sind an den Weihnachtstagen im Impfzentrum Traunstein im Einsatz: der Arzt am zweiten Weihnachtsfeiertag, der Pfleger am heutigen Heiligen Abend. (Foto: Pültz)

Zu Weihnachten im Dienst an der Gemeinschaft

Traunstein – »Ich bin ein großer Weihnachtsfan«, sagt Dr. Markus Ewald. Nur zu gerne würde der 49-jährige Arzt aus Traunstein die schönsten Tage im Jahr bei seiner Familie verbringen, nur zu gerne wäre er an Heiligabend und an den beiden Feiertagen von früh bis spät mit seinen Liebsten zusammen. Freitag und Samstag? Passt. Aber am Sonntag muss er weg. Obwohl er Weihnachten, das Fest und das Drumherum am 24., 25. und 26. Dezember sehr liebt, gibt’s für ihn aber auch noch etwas anderes: den Dienst an der Gemeinschaft. So geht der 49-Jährige am zweiten Weihnachtsfeiertag von 13 bis 18 Uhr ins Impfzentrum an der Jahnstraße zum Arbeiten – und zwar voll und ganz aus freien Stücken. »Wir arbeiten an den Weihnachtstagen alle auf freiwilliger Basis«, sagt er für sich und seine Kollegen.


Wenn er nicht Weihnachten feiert und wenn er nicht im Impfzentren arbeitet, dann fährt Ewald von Traunstein Richtung Norden. Denn der Chirurg arbeitet nach wie vor im Krankenhaus Trostberg, seit rund einem Jahr legt er das Skalpell aber immer wieder aus den Händen. Freiwillig hat er sich seinerzeit für die Mitarbeit in der Impfkampagne des Landkreises gemeldet. Und so schlagen nun schon seit Anfang des Jahres sozusagen zwei Herzen in seiner Brust: das eine für die Patienten im Krankenhaus Trostberg, das andere für all die Bürger, die Schutz vor Covid suchen.

»Das Arbeiten macht unheimlich viel Spaß«

Dr. Markus Ewald ist der Stellvertreter von Dr. Herbert Bruckmayer, dem ärztlichen Leiter für die Impfzentren, den Impfbus und die mobilen Impfteams im Landkreis. Die beiden ergänzen sich im Dienst, mal ist der eine dran und trägt die Verantwortung, mal der andere. Und wenn Ewald an der Reihe ist, dann spürt er keine Last auf sich zukommen, sondern vielmehr eine Freude. »Das Arbeiten macht unheimlich viel Spaß«, sagt der 49-Jährige. Binnen eines Jahres – bereits so lang besteht das Impfzentrum in Traunstein – habe sich eine »nette Gemeinschaft« gebildet. Ewald sagt: »Die Leute arbeiten unheimlich gerne miteinander.«

Als die Corona-Pandemie im November wieder aufflackerte und die vierte Welle über das Land hereinbrach, standen die Bürger vor den Impfzentren auf einmal Schlange. Der Landkreis reagierte auf den gestiegenen Bedarf und stockte das Personal auf. Und so arbeitet heute eine vielköpfige Mannschaft im Impfzentrum Traunstein: Pro Tag sind drei Ärzte, drei Medizinische Fachangestellte (MFA) und drei Verwaltungskräfte im Einsatz – und ein Mann eines Sicherheitsdienstes, der die Besucher in Empfang nimmt und ihnen den Weg weist. Weil über Weihnachten voraussichtlich nicht so viele Bürger wie sonst immer kommen, ist das Team an diesen Tagen etwas kleiner – mit insbesondere dann »nur« zwei Ärzten und zwei MFA, wie Ewald sagt. Geöffnet ist das Impfzentrum an der Jahnstraße am Heiligen Abend von 8 bis 13 Uhr und am zweiten Weihnachtsfeiertag von 13 bis 18 Uhr, am ersten Weihnachtsfeiertag ist kein Betrieb.

Wer sich auf den Dienstplan für heute und übermorgen hat schreiben lassen, dem entgeht nun ein Teil des Weihnachtsfestes. »Die Ärzte und die MFA kommen alle aus dem medizinischen Bereich und sind es daher gewohnt, an ‚heiligen Tagen‘ zu arbeiten«, sagt Dr. Ewald. Und OP-Pfleger Jürgen Schopf berichtet sogar, dass er heuer zum ersten Mal seit 20 Jahren mit seiner Frau an Heiligabend zusammensein könne. Der 68-Jährige aus Traunstein hat vor kurzem im Klinikum Traunstein aufgehört, dann aber beschlossen, weiter zu helfen und sich dem Team im Impfzentrum anzuschließen. Und so hat er nun die Schicht heute Vormittag übernommen – womit er dann nachmittags und abends zuhause sein kann.

Der 68-Jährige ist auch einer von all jenen, die sich im Impfzentrum für die Gemeinschaft einsetzen. Um die Pandemie zu bewältigen, hält er es für unerlässlich, wie er sagt, »nicht nur zu reden, sondern auch zu handeln«. Und gesagt, getan steht er nun immer wieder seinen Mann, wenn’s darum geht, Bürger gegen Covid zu immunisieren.

»Wir freuen uns überjeden, der kommt«

»Wir freuen uns über jeden, der zum Impfen kommt«, sagt Dr. Ewald. Doch er macht kein Hehl daraus, dass die Quote immer noch viel zu gering sei, um die Pandemie bewältigen zu können. Die Zahlen: 63 Prozent der Bürger im Landkreis Traunstein sind einmal, 59 Prozent zweimal und 32 Prozent dreimal geimpft. Der Arzt meint, dass mindestens 85 bis 90 Prozent nötig seien.

Immer wieder denkt er daran, dass mit der Virusmutation Omikron nun eine neue Corona-Welle vor der Tür steht. Auf Grund der niedrigen Impfquote sieht er »große Probleme« heraufziehen, wie sie etwa bereits in England eingetreten sind. Weil sich Omikron so schnell ausbreitet, ist dort das öffentliche Leben laut Ewald deutlich beeinträchtigt. Und er nennt ein Beispiel: Busse fahren nicht mehr, weil die Fahrer an Covid erkrankt sind und sich nicht mehr ans Steuer setzen können. »Studien aus England belegen, dass Omikron sehr ansteckend ist«, so der 49-Jährige. Über den Verlauf der Erkrankungen wisse man hingegen erst wenig. So viel sei aber schon bekannt: Wer sich insbesondere boostern lasse, sei dann gut gegen die Mutation gewappnet. »Die Auffrischungsimpfung bietet einen sehr guten Schutz.«

Der Arzt empfiehlt, sich jetzt mit den Impfstoffen von Biontech oder Moderna impfen zu lassen. Stets seien genügend Mengen vorhanden. Pro Woche werden ihm zufolge rund 3500 Impfdosen in den Landkreis geliefert – und damit ausreichend viele, um alle, die sich immunisieren lassen wollen, bedienen zu können. Von der Idee, auf Novavax, den neuen Proteinimpfstoff, der auch als Totimpfstoff bezeichnet wird – Totimpfstoffe werden mit abgetöteten Krankheitserreger ausgestattet, die sich nicht mehr vermehren können –, zu warten, hält er hingegen nicht viel. »Wir wissen nicht, wann wir ihn bekommen«, sagt der stellvertretende Leiter der Impfkampagne im Landkreis Traunstein. Außerdem gebe es bislang keine Erkenntnisse, ob er gegen Omikron wirkt.

Wegen der Hygienevorschriften war das Aufstellen eines Christbaums im Impfzentrum in Traunstein nicht möglich. Einen Hauch von Weihnachtsstimmung verbreiten lediglich Kerzen, die in den Räumen stehen. Doch wer weiß, vielleicht tut sich noch etwas. Zumindest hat man schon hören können, dass das Christkindl vorbeischauen und den Mitarbeitern im Impfzentrum Geschenke bringen will…

Gernot Pültz

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