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»Wir wollen ja alle das Beste für Traunstein«

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Traunstein: 30 Jahre lang war Hans Zillner CSU-Stadtrat – 24 Jahre zweiter Bürgermeister
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Leitet morgen seine letzte Stadtratssitzung: zweiter Bürgermeister Hans Zillner. (Foto: Stadt Traunstein)

Traunstein – »Ich habe mit allen recht gute Erfahrungen gemacht«, sagt zweiter Bürgermeister Hans Zillner über die drei Oberbürgermeister der Stadt Traunstein, mit denen er in den vergangenen 24 Jahren zusammengearbeitet hat. Wie auch die beiden altgedienten CSU-Stadträte Ernst Harrecker und Christa Fuchs hatte er bei den vergangenen Kommunalwahlen im März nicht mehr kandidiert. Er wird am morgigen Donnerstag seine letzte Stadtratssitzung als zweiter Bürgermeister leiten.


In Traunstein aufgewachsen, lernte Zillner zunächst Industriekaufmann beim Autohaus Schaffler in Traunstein »bis zur Bundeswehr«, wie er im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt erzählt. Danach arbeitete er sechs Jahre bei einer Süßwarenfirma, ehe er von 1974 bis 1981 Angestellter der Stadt Traunstein war und es bis zum Verwaltungsfachwirt brachte.

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»Sehr gut gefallen, was die CSU gemacht hat«

Bereits in dieser Zeit hatte er erste Kontakte zur Kommunalpolitik. »Ich war damals in der Abteilung des Oberbürgermeisters Rudolf Wamsler. Das war ja damals alles noch ganz anders organisiert.« Unter anderem wurde zu dieser Zeit der Christkindlmarkt und das Ferienprogramm eingeführt. »Mir hat das alles sehr gut gefallen, was die CSU damals im Stadtrat so gemacht hat, die bürgerfreundlichen Entscheidungen. Ich fand auch gut, dass man da doch einiges bewegen konnte. Und so kam ich zur CSU.«

1982 wechselte Zillner beruflich zur Kreishandwerkerschaft Traunstein-Berchtesgadener Land, wo er bis zum Eintritt in den Ruhestand 2007 25 Jahre lang Geschäftsführer war. Er war Geschäftsführer von 18 Handwerksinnungen in den Landkreisen Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting und Vorsitzender der Lehrlingsstreitigkeitenausschüsse dieser Innungen. Auch war er Vorsitzender des Handwerkskammer-Prüfungsausschusses (Ausbildungsberuf Bürokaufleute).

Bei so viel Berufserfahrung blieb es nicht aus, dass seine Kompetenz auch als ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht München und am Arbeitsgericht Rosenheim und Traunstein gefragt war. Meist ging es um Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Aber auch, wenn er die Arbeitgeberseite und ihre Rechte vertrat, konnte er manches Mal doch auch die Arbeitnehmer verstehen. »Da gab es manchmal wirklich traurige Geschichten, die einen nicht kalt lassen. Denn auch ein Richter ist natürlich ein Mensch, auch wenn er streng nach dem Gesetz urteilen muss.«

1990 wurde Zillner zum ersten Mal für die CSU in den Stadtrat gewählt. 30 Jahre Mitglied des Stadtrats Traunstein, davon 24 Jahre ab 1996 zweiter Bürgermeister. Sechs Jahre war er Referent der Stadtwerke, 24 Jahre Verkehrsreferent und Mitglied verschiedener Fachausschüsse (Kultur, Sport, Planungen, Finanzen).

»In der Regel sachlich und ohne Fraktionszwang«

»Entscheidungen werden in der Regel sachlich und ohne Fraktionszwang getroffen«, sagt Zillner im Rückblick über die vier Oberbürgermeister, mit denen er in den letzten 24 Jahren zusammengearbeitet hat – Fritz Stahl, Manfred Kösterke und Christian Kegel. »Da bestand meistens Einigkeit in vielen Meinungen und wichtigen sachlichen Entscheidungen. Ich habe da mit allen recht gute Erfahrungen gemacht. Wenn es da oft Streit und Meinungsverschiedenheiten gäbe, wäre das nervlich keine 24 Jahre auszuhalten und der Sache meistens auch nicht dienlich. Wir wollen ja alle das beste für unser Traunstein und seine Bürgerschaft – und das liegt normalerweise gar nicht so weit auseinander.«

Besonders an die lange Zeit mit Fritz Stahl als Oberbürgermeister erinnert sich Zillner, denn gegen ihn trat er zweimal als Kandidat der CSU bei Kommunalwahlen an: »Ich bin ja mit ihm in jeder Hinsicht bestens ausgekommen. Und es war ja klar, dass er wiedergewählt wird. Aber einer musste ja kandidieren, also hab ich das eben 2002 und 2008 gemacht.« Dass er nicht Oberbürgermeister wurde, empfand er aber nicht als Verlust, denn »ich war ja auch sehr gerne Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Und auch als zweiter Bürgermeister kann man ja durchaus mitgestalten.«

So seien es Jahr für Jahr auch viele Wochen gewesen, in denen Zillner den Oberbürgermeister zu vertreten hatte. Darüber hinaus gab es ungezählte Versammlungen, Weihnachts- und sonstige Feiern, Vereinsversammlungen mit Neuwahlen oder Siegerehrungen, die der zweite Bürgermeister als offizieller Vertreter der Stadt im Auftrag des Oberbürgermeisters wahrzunehmen hatte.

Zwölf Jahre lang war Zillner auch Mitglied im Kreistag (1996 bis 2008), dabei Mitglied im Kreisausschuss und im Krankenhaus-Bauausschuss. »Das war in dieser Zeit das vielleicht Wichtigste, dass wir das damals städtische Krankenhaus an den Landkreis übergeben haben. Das war schon viel Arbeit für die Stadt. Und unter der Führung des Landkreises ist das Krankenhaus ja wirklich tatkräftig ausgebaut worden.«

»Es gab viele schöne und positive Erlebnisse in meiner langjährigen Vizebürgermeister- und Stadtratstätigkeit«, blickt Zillner zurück. Dabei erinnert er sich auch an große Projekte, die er mitgestaltet hat, »zum Beispiel den Neubau und die Sanierung des Rathauses, die Neugestaltung des Stadtplatzes oder die Übernahme des Kasernengeländes.

Am morgigen Donnerstag leitet Zillner seine letzte Stadtratssitzung in Vertretung von Oberbürgermeister Christian Kegel. Dabei geht es unter anderem auch um ein neues großes Wohngebäude für Mitarbeiter des Klinikums Traunstein. Aber auch, wenn eine Abschiedsfeier Corona-bedingt derzeit nicht möglich ist, so werden doch neun ausscheidende Stadträte ihre Abschiedsurkunden erhalten. »Die Feier holen wir nach, sobald das wieder möglich ist«, sagt Zillner, da sei er sich mit dem neuen Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) einig.

Dem MSC neues Leben einhauchen

Für die Zeit nach der politischen Karriere ist dem fast 75-Jährigen nicht bange: »Ich hab dann mehr Zeit für die Familie.« Zudem ist er Mitglied in verschiedenen Vereinen, wie dem Georgiverein Traunstein, dem Förderverein Alt Traunstein, dem GTEV »Trauntal« Traunstein, der Gebirgsschützenkompanie Traunstein und der Blaskapelle Traunwalchen.

Vorsitzender ist er zudem nach wie vor in dem im Dezember 1966 von ihm selbst gegründeten Motorsportclub (MSC) Traunstein – seit inzwischen mehr als 50 Jahren. »Wir haben da früher am Truppenübungsplatz in Kammer deutsche und europäische Meisterschaften im Auto-Cross organisiert. Aber heute ist der Motorsport ja insgesamt nicht mehr so gern gesehen. Da würde ich dem Verein gern ein bissl neues Leben einhauchen«. coho

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