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»Wir verabschieden 196 Jahre Erfahrung«

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Traunstein: Neun Stadtratsmitglieder verabschiedet – Uwe Steinmetz (UW) war 42 Jahre dabei
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Uwe Steinmetz war 42 Jahre lang Stadtrat. (Fotos: Reiter)

Traunstein – Ein Abschied in ganz anderer Form als einer zu normalen Zeiten war der für die ausscheidenden Traunsteiner Stadträte: Kein Händeschütteln, keine Umarmung, genügend Abstand beim Fotografieren und nur eine kurze Ansprache ohne große Würdigung der einzelnen langjährigen Mitglieder. Doch das soll nachgeholt werden, wenn die Umstände es wieder zulassen.


Am längsten dabei war Uwe Steinmetz (UW). Er bringt es auf stolze 42 Jahre im Traunsteiner Stadtrat. Ähnlich lange im Stadtrat saß dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD). Sie scheidet nach 40 Jahren aus (zum Bericht). Auch über den zweiten Bürgermeister Hans Zillner (CSU), der nach 30 Jahren das Gremium verlässt, schrieb das Traunsteiner Tagblatt ein Porträt. Insgesamt gehören neun Stadtratsmitglieder dem künftigen Gremium nicht mehr an.

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Neben Christa Fuchs (CSU), die 30 Jahre im Stadtrat saß, wird auch Ernst Harrecker (CSU) fehlen, der es auf 20 Jahre Stadtratserfahrung bringt.

Ausscheiden werden auch Sepp Hinterschnaiter (SPD) nach 15 Jahren, Dr. Thomas Graf (Traunsteiner Liste) nach zwölf Jahren, Albert Rieder (UW) nach sechs Jahren und Wolfgang Wörner (Grüne) nach gut einem Jahr. Wörner war im April 2019 für Stephan Hadulla nachgerückt, der aus persönlichen Gründen den Stadtrat verlassen hatte.

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Christa Fuchs saß 30 Jahre in dem Traunsteiner Gremium.

Zweiter Bürgermeister Hans Zillner, der die Stadtratssitzung in der Klosterkirche leitetet, betonte, dass gerne verkannt werde, »dass es sich bei der Tätigkeit der Ratsmitglieder um eine freiwillige, ehrenamtliche und unbezahlte Tätigkeit handelt, die oft überaus großen Einsatz fordert«. Insgesamt neun bekannte Gesichter würden künftig fehlen. »Sie haben sich entweder nicht mehr aufstellen lassen, haben also nicht mehr kandidiert, oder knapp den Einzug in den neuen Stadtrat verfehlt«, sagte Zillner und betonte: »Wir verabschieden 196 Jahre Stadtratserfahrung. Dies entspricht etwa 8200 Sitzungen.«

Vor allem zeitlich gesehen sei das ein sehr intensives Ehrenamt, wie Zillner betonte. Er ging auf die Stadtrats- und Ausschuss-Sitzungen ein, die natürlich auch vorbereitet werden müssten. Außerdem besuche ein Stadtrat Vereinsveranstaltungen, Ausstellungseröffnungen und vieles mehr.

»Die Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht, dass man sich für Gespräche mit ihnen Zeit nimmt und sich ihrer Anliegen annimmt«, betonte der scheidende zweite Bürgermeister. »Ich gebe zu, dass man dabei im Einzelfall auch manchmal ein 'dickes Fell' und ein hohes Maß an Frustrationstoleranz benötigt.« Denn man könne es nie allen Recht machen, das liege in der Natur der Sache.

Auf der anderen Seite sei es einfach schön, zu sehen, was alles möglich sei. »Das, was im Stadtrat beschlossen und von der Verwaltung umgesetzt wird, ist unmittelbar sichtbar und spürbar«, sagte Zillner. »Wir agieren nicht abgehoben in einem Regierungsviertel, wir wissen, wie es in unserer Stadt aussieht, für die wir verantwortlich sind und wir sehen auch, was aus unseren Entscheidungen folgt.« Er hoffe, dass die ausscheidenden Stadträte »zufrieden auf die vergangenen Jahre zurückblicken können«. Neun Mitglieder – unter ihnen auch der zweite Bürgermeister Hans Zillner – bekamen im Anschluss Urkunden überreicht.

Der neue Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer betonte im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt (zum Bericht), dass ein Abschied »in würdigem Rahmen« in jedem Fall nachgeholt werde, sobald dies nach der Corona-Krise möglich sei. Dann werde auch der scheidende Oberbürgermeister Christian Kegel verabschiedet. KR

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