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»Wir geben im Moment 120 Prozent« – Corona-Krise fordert Supermärkte

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Traunstein: Coronavirus-Krise fordert Supermärkte – »Wir geben im Moment 120 Prozent«
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Die Regale im Edeka-Markt an der Chiemseestraße in Traunstein sind voll. Dafür sorgt unter anderem auch Jeanette Stadler. (Fotos: Pültz)

Traunstein – Anton Namberger bezeichnet sich selbst als ein »Lebensmittelhändler mit Leib und Seele«. Wenn er mit dem Brustton der Überzeugung spricht, dann muss man ihm einfach glauben. Denn er redet nicht nur, er handelt auch. Von früh bis spät steht er in seinem Edeka-Markt an der Chiemseestraße in Traunstein.


Der Geschäftsführer und seine Mitarbeiter kümmern sich auch und gerade jetzt in den Zeiten der Corona-Pandemie sechs Tage in der Woche ohne Unterbrechung darum, dass die Regale voll sind. Und nun steht die Aufforderung von Seiten der Regierung im Raum, nicht nur von Montag bis Samstag, sondern auch noch am Sonntag zu arbeiten – was laut Namberger, wie er im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt sagt, geradezu eine »Frechheit« sei. Denn er und die Seinen arbeiten derzeit schon am Limit – oder, genau gesagt, schon in einem Bereich, der über der Grenze liegt: »Wir geben im Moment 120 Prozent.«

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Wie die vielen anderen Supermärkte im Landkreis ist auch der Edeka-Markt Pfeilstetter & Namberger in Traunstein an der Chiemseestraße ein Brennpunkt für die Ängste der Bürger, die in Zeiten der Pandemie vielfach nicht mehr ruhig schlafen können. Nicht wenige sind so sehr in Sorge, dass sie auf Vorrat einkaufen – und zwar auf die nächsten Wochen.

Namberger bestätigt, dass auch in seinem Markt immer wieder Hamsterkäufe zu beobachten seien. Vor allem Konserven, Nudeln, Hefe, Mehl und Zucker gehen seinen Angaben zufolge weg wie warme Semmeln, ebenso alle Arten von Desinfektionsmitteln – und natürlich das Produkt, das landauf, landab in diesen Coronatagen am begehrtesten zu sein scheint: Klopapier. »Es ist schon vorgekommen, dass sich Kunden um Klopapier gestritten haben«, sagt Namberger. Er kann so etwas nicht nachvollziehen und schüttelt den Kopf. »Eine Packung reicht für eine Familie eine Woche.« Regelmäßig bekomme er Klopapier geliefert – da müsse niemand Angst haben, einmal nichts mehr für die Toilette zu bekommen.

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Der Edeka-Markt von Anton Namberger ist von Montag bis Samstag geöffnet – am Sonntag aber nicht.

Nicht nur was die besonders nachgefragten Waren wie Klopapier und Desinfektionsmittel betrifft, auch in Sachen Grundnahrungsmittel und allem anderen, was das Angebot ausmacht, erhält der Edeka-Markt an der Chiemseestraße immer wieder Nachschub, so dass die Regale – von wenigen Ausnahmen abgesehen – voll bleiben. Noch besser würde alles laufen, wenn der eine oder andere Kunde davon Abstand nehmen würde, ein Produkt in rauen Mengen zu kaufen, wenn er sich stattdessen solidarisch verhalten würde und den anderen auch noch etwas übrig lassen würde. Und so richtet Namberger dann auch den eindringlichen Appell an die Verbraucher, Waren nur in haushaltsüblichen Mengen zu kaufen.

Laut Namberger besteht für die Verbraucher »kein Grund, in Panik zu verfallen«. Die Versorgung mit Lebensmitteln sei gesichert, von einer Krise in diesem Bereich könne keine Rede sein, höchstens, wenn man bedenkt, dass vielleicht nicht mehr 100, sondern nur 80 Prozent des gewohnten Angebots gegeben sind, eine kleine Krise, ein »Krischen«, vielleicht.

»Dass wir leider nicht jedes Angebot da haben, ist keine Absicht, sondern dem Kaufverhalten geschuldet«, so Namberger. Und er versichert den Kunden, dass die Mitarbeiter des Markts alles geben, um die Lebensmittelversorgung auch weiterhin zu gewährleisten.

Auch noch am Sonntag zu öffnen, kommt für den Marktleiter ganz und gar nicht in Frage. Das Angebot, die Öffnungszeiten zu verlängern, lehnt er voll und ganz ab. Die Mitarbeiter seien schon am Rande ihrer Leistungsfähigkeit angekommen.

Namberger nennt ein Beispiel, das die Aufrechterhaltung des Betriebs keineswegs leichter macht: Eine Frau, die normalerweise an der Kasse sitzt, habe sich aus Furcht, sich möglicherweise zu infizieren und dann ihre Verwandten anzustecken, von der Arbeit abgemeldet. Er habe dafür absolutes Verständnis, müsse dieses Loch in der Personaldecke aber schließen. Und vor so einem Hintergrund sei an eine Ausweitung des Geschäftsbetriebs nicht einmal zu denken.

Wohl alle Märkte bleiben am Sonntag geschlossen

Wie der Edeka-Markt an der Chiemseestraße bleiben auch andere Supermärkte am Sonntag geschlossen. »Mir ist nicht bekannt, dass ein Lebensmittelhändler von dem Angebot Gebrauch macht, am Sonntag zu öffnen«, sagte Jürgen Pieperhoff, der Geschäftsleiter des Gewerbeverbands Traunstein und Umgebung, auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. Das Personal arbeite jetzt schon an der Kapazitätsobergrenze.

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