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Wie ein Spitzenwein mit den Jahren gereift

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Schulleiter Christian Gigla (links) ehrte die Absolventen Adrian Pastötter, Iris Bonfert, Sissi Habenicht, Maximilian Horner, Quirin Obermayer und Carolin Pauli (von rechts) für einen Notendurchschnitt bis 1,5. (Foto: Buthke)

Traunstein – Bei der Abschlussfeier in der Aula der Staatlichen Berufsschule I erhielten 116 Schüler der Reiffenstuel-Realschule Traunstein in Anwesenheit ihrer Eltern und Lehrkräfte ihre Abschlusszeugnisse.


Mit Maximilian Horner, Carolin Pauli, Quirin Obermayer, Adrian Pastötter, Iris Bonfert und Sissi Habenicht schafften sechs Schüler die Mittlere Reife mit einem Notendurchschnitt bis 1,5. »Ihr seid ein guter und ein besonderer Jahrgang. Besonders, weil Ihr der erste Abschlussjahrgang für mich in meiner Funktion als Schulleiter seid«, freute sich Rektor Christian Gigla, der seit Mitte des Schuljahrs die Reiffenstuel-Realschule leitet.

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Den Werdegang der Schüler verglich er mit einem Spitzenwein von 2002/03, als die meisten Abschlussschüler das Licht der Welt erblickten. Aus dem Weinführer zitierte er dazu die Trinkempfehlung »2015 bis 2100 und länger«. Dies könne nur bedeuten, dass ein guter Jahrgang erst zu einem Spitzenjahrgang werde, wenn man ihn reifen lasse, sagte Gigla. Ein Wein sei nach der Gärung zwar fertig, aber noch nicht richtig genießbar. Zur endgültigen Reifung bedürfe es ganz besonderer Lagerbedingungen. Auch die Absolventen hätten einen gewissen Reifungsprozess durchlaufen müssen. »Nach einer Zwischenlagerung von vier Jahren in der Grundschule begann am 12. September 2013, sozusagen als Jungwein, Eure Veredelungsphase hier in der Reiffenstuel-Realschule.« Einige hätten davor noch eine mehr oder weniger kurzzeitige Auslagerung in Gymnasien gehabt, meinte er schmunzelnd.

Danach hätten die Lehrer den Reifungsprozess 1140 Tage begleitet. Mit Schul- und Stehgreifaufgaben und vielen mündlichen Noten sei der Reifegrad der Schüler fortwährend überprüft worden. »Dabei wurde leider bei so manchem festgestellt, dass der Reifungsprozess noch ein Schuljahr länger dauern wird«, so der Rektor.

Jeder hat eine eigene Persönlichkeit entwickelt

Mit viel Verständnis, Geduld und hoher Kompetenz hätten ihnen die Lehrer das nötige Fachwissen für einen erfolgreichen Abschluss vermittelt. Die Schüler sollten aber auch zu nachhaltigen Persönlichkeiten heranreifen und lernen, Verantwortung zu übernehmen, Sozialkompetenz zu erwerben, sich zu hinterfragen und zu aufgeklärten Bürgern zu entwickeln. »Ihr habt nicht nur Fachwissen erworben, um den begehrten mittleren Schulabschluss zu erlangen, sondern jeder Einzelne von Euch ist zu einer eigenen, individuellen Persönlichkeit gereift«, unterstrich Gigla.

Der mittlere Bildungsabschluss öffne ihnen alle Türen für die Zukunft, so Gigla weiter. Ob sie ins Berufsleben überträten, auf die Fachoberschule wechselten oder nach einer Berufsausbildung die Berufsoberschule besuchten und später studierten, könnten sie für sich selbst entscheiden, denn sie hätten jetzt die mittlere Reife. »Das heißt aber auch, Euer Reifungsprozess ist noch nicht abgeschlossen. Ich hoffe, dass die ganzheitliche Bildung, die Ihr in der Reiffenstuel-Realschule erfahren habt, Euch bei wichtigen Entscheidungen hilfreich sein kann. Bleibt neugierig und seid kritisch, dann wird der Reifungsprozess für Euch niemals enden und Euch mehr und mehr veredeln«, so der Schulleiter.

Die Glückwünsche des Elternbeirats »für diese tolle Leistung und die Super-Noten« überbrachte Vorsitzender Bernhard Unterreitmeier. Der Abschluss sei der erste große Meilenstein und die Grundlage für das weitere Leben. Die Realschulen in Bayern seien ein Erfolgsmodell, denn sie könnten im nationalen und internationalen Vergleich die besten Ergebnisse vorweisen. Die Reiffenstuel-Realschule stehe für Qualität und Kontinuität. Ihre Schüler seien in den regionalen Unternehmen und Betrieben begehrte Fachkräfte von morgen. Lehrer wie auch Schüler könnten stolz auf die Reiffenstuel-Realschule sein. In sechs Jahren hätten die Lehrer ihre Schüler freundschaftlich und wertschätzend begleitet.

Die Sprecherin der Schülermitverantwortung (SMV), Melina Praschberger, sagte: »Schön, dass wir es geschafft haben.« Sie stellte die Frage, ob sie in der Zukunft alles Gelernte brauchen werden. Bei den Klassen- und Orientierungsfahrten hätten sie viele Freundschaften geknüpft. Die Lehrer seien bei näherer Betrachtung »ziemlich cool«. Das Schulgebäude bröckele zwar schon etwas, aber mit Schminke und Renovierung sei es ansehnlicher geworden. Das kommende Berufsleben beschrieb sie folgendermaßen: »Man bekommt Geld, damit man das tut, was verlangt wird.« Bjr