Wenn es in Traunstein grünt und blüht

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Traunstein – Den Bäumen im Traunsteiner Stadtgebiet geht es gut. Das gilt auch für die Platanen am Stadtplatz. Besorgte Bürger hatten sich erkundigt, ob die Bäume krank seien, da bisher noch keine Blätter sichtbar sind.


Stadtgärtner Reinhard Niederbuchner gibt auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts Entwarnung: »Aufgrund des nassen und kalten Wetters sind die Platanen heuer zwei bis drei Wochen später dran als sonst.« Die wärmeliebenden Bäume, die ursprünglich in Südeuropa heimisch sind, gehören generell zu den spät austreibenden Bäumen im Traunsteiner Stadtbild. Heuer ist es eben noch ein bisschen später.

»Bei den Platanen handelt sich um Kopfbäume, die jedes Jahr im Februar stark zurückgeschnitten werden«, sagt Niederbuchner. Daher hätten sie generell eine sehr zugestutzte Optik. Dies sei jedoch nötig, weil Platanen schnell wachsende Bäume sind, die sonst binnen weniger Jahre das Erscheinungsbild des Stadtplatzes dominieren würden. »Sie würden leicht den Maibaum und vielleicht sogar den Jacklturm verdecken«, erklärt der Stadtgärtner. Pro Jahr wachsen die Triebe 80 Zentimeter bis einen Meter, würde ihnen nicht durch Zuschnitt Einhalt geboten. Wer jedoch genau hinschaue, der könne erkennen, dass die Platanen sehrwohl inzwischen Triebansätze ausbilden – »nur eben zwei bis drei Wochen später als üblich«.

Zudem gehören die Platanen am Stadtplatz laut Niederbuchner zu den verwöhntesten Bäumen im Stadtgebiet. »Sie sind von Blumen eingefasst, die regelmäßig gegossen und gedüngt werden, es fehlt ihnen also an nichts.«

Und dennoch wird sich das Erscheinungsbild der Bäume auch in Traunstein im Laufe der kommenden Jahre verändern, mutmaßt Niederbuchner. Dafür verantwortlich ist der Klimawandel, der auch vor heimischen Bäumen nicht halt macht. Künftige Baumgenerationen müssen stressresistenter sein als bisher gepflanzte Arten. »Wir haben mehr Wetterextreme, Hitze und Kälte binnen kürzester Zeit, das müssen die Bäume aushalten«, weiß der Fachmann.

Viele heimische Bäume machen das auf Dauer aber nicht mit. Etwa die Linde, die bei anhaltender Trockenheit schnell die Blätter verfärbt und abwirft. »Im Alpenvorland sind wir aber noch relativ gut mit Regens versorgt, in Franken kämpft man mit ganz anderen Problemen«, sagt Niederbuchner.

Sorgenfrei ist der Stadtgärtner aber nicht. Das Problemkind unter den städtischen Bäumen bleibt die Esche. Der Laubbaum wird seit Jahren von einem Pilz befallen, der ihn morsch und damit instabil macht. Das Eschentriebsterben ist europaweit ein Problem. »Diese Baumart wird vermutlich bald aus dem Stadtbild verschwunden sein«, sagt Niederbuchner.

Daher setzt die Stadt bei der Verjüngung des Baumbestands auf Zukunftsbäume, die nicht immer heimisch sind – dafür aber hitze- und kältetolerant. Auch mit Streusalz müssen die Bäume zurechtkommen. »Es werden inzwischen Bäume gepflanzt, deren Namen bisher bei uns nicht aufgetaucht sind, etwa der Eisenholzbaum, der aus Vorderasien stammt.« Jungbäume sind in Traunstein auf dem Karl-Theodor-Platz sowie in der Katharinenstraße zu sehen. Das Besondere an diesem Baum ist, dass er bereits über das Jahr hinweg leicht rötlich gefärbte Blätter ausbildet und im Herbst wunderbar in Rot leuchtet. Auch Amberbaum und Ginko werden künftig verstärkt gepflanzt. Diese Baumarten sind noch weitgehend schädlingsfrei.

Doch dies wird nicht so bleiben. Die Stadtgärtner müssen stets ein Auge auf Schädlinge haben, die bei uns aktuell noch nicht nachgewiesen sind, aber bereits in Bayern vorkommen, wie der Eichenprozessionsspinner. Dieser auch für Menschen gefährliche Schädling ist bereits bei Rosenheim aufgetaucht, oder der asiatische Laubbockkäfer, den man im Miesbacher Raum nachgewiesen hat.

Zukünftig werden aufgrund der sich verändernden klimatischen Bedingungen wohl Pilzkrankheiten eine wichtige Rolle spielen, vermutet der Fachmann. Das warm-feuchte Sommerklima und milde Winter würde dies begünstigen. Zu beobachten ist so ein Pilz bereits in Südfrankreich, der die dortigen Platanen befällt. »Noch spielt dieser Pilz bei uns aber keine Rolle.« Daher kann man schon in wenigen Wochen die Platanen am Max- und am Stadtplatz ganz sorgenfrei in voller Pracht bewundern.

vew

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