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Wenn der Tod seinen Schrecken verliert

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Der Ambulante Hospizdienst des Caritas-Zentrums Traunstein feiert heuer sein 25-jähriges Bestehen. Der Leitgedanke lautet: »Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben.« (Foto: Thomas Dashuber, St. Michaelsbund)

Traunstein – Der Ambulante Hospizdienst des Caritas-Zentrums Traunstein feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen. 1994 wurde der ehrenamtliche Dienst aufgebaut und setzt seitdem den Leitgedanken von Cicely Saunders, der Begründerin der modernen Hospizbewegung, um. »Nicht dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben geben.« Anlässlich des Jubiläums finden übers Jahr verteilt mehrere Veranstaltungen statt. Los geht es mit der Ausstellung »Wechselzonen« in der Alten Wache im Rathaus Traunstein von kommenden Mittwoch bis Samstag, 13. April.


Rund 60 ehrenamtliche Hospizbegleiter treten im ganzen Landkreis Traunstein ein für eine achtsame, würdevolle Begleitung schwerstkranker Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt. Drei hauptamtliche Mitarbeiterinnen koordinieren ihre Einsätze und stehen den Ehrenamtlichen jederzeit unterstützend zur Seite. Wie die Begleitungen aussehen, ist von Fall zu Fall ganz unterschiedlich. Individuell wird auf jeden Patienten und seine Angehörigen eingegangen, sie bestimmen, wann, wie oft und in welcher Form die Besuche stattfinden sollen.

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»Sie schenken mir ihr Vertrauen«

Dabei geben die Hospizbegleiter nicht nur etwas, wie Eberhard im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt erklärt, der seit neun Jahren dabei ist und in dieser Zeit Weggefährte für 43 Männer und Frauen am Lebensende war: »Ich fühle mich auch selber unglaublich beschenkt, weil diese Menschen mir, einem zunächst Wildfremden,   ihr Vertrauen geben.« In den Gesprächen mit ihnen erfahre er manchmal sehr Vertrauliches   und  Persönliches, was natürlich aufgrund seiner Verschwiegenheitsverpflichtung bei ihm bleibt. Und der erfahrene Begleiter betont: »Ich muss das nicht bewerten, sondern brauche nur da sein, zuhören und den Weg des Sterbenden begleiten.«

Für ihn hat durch diese Tätigkeit auch der Tod seinen Schrecken verloren und er hat sich angewöhnt, offen über das Sterben zu reden, was ihm früher nicht so leicht gefallen ist.

»Das war eine sehr bewegende Zeit«

Ähnlich sieht es Sigrun, die nach dem Tod einer nahen Verwandten zum Dienst bei der Caritas gekommen ist. Sie zog damals zu ihrer schwerkranken Mutter und blieb die letzten vier Monate ihres Lebens an ihrer Seite. »Das war eine sehr bewegende Zeit für mich und ich bin unendlich dankbar, dass ich sie mit ihr verbringen durfte«, erinnert sich die Hospizbegleiterin an diese Monate.

Danach habe sie spontan den Entschluss gefasst, den Grundkurs für Hospizbegleiter und anschließend den Aufbaukurs zu besuchen, und ist inzwischen schon seit vier Jahren dabei. Mit ihrer Mutter habe sie damals einiges bereinigen können, das zwischen ihnen stand, und sie hätten bei aller Trauer trotzdem viel miteinander gelacht.

Humor ist auch für Eberhard wichtig bei seiner Tätigkeit. Der pensionierte Lehrer und frühere Diakon legt großen Wert auf die verbale Kommunikation mit den Kranken, denen er in den schwierigen Zeiten zur Seite steht. »Die Gespräche sind offen, ehrlich und authentisch, das ist das Schöne daran.« Und wenn über den nahen Tod und das Sterben gesprochen werden soll, so sei das für ihn ebenfalls in Ordnung.

»Gespräche haben mir sehr gut getan«

In erster Linie sieht sich der erfahrene Hospizbegleiter aber als Unterstützer für die pflegenden Angehörigen, die oft 24 Stunden gefordert und damit am Limit sind. Wenn er da ist, haben sie ein wenig Freiraum, können mal in Ruhe etwas erledigen oder sich selbst etwas Gutes tun. Diese Erfahrung hat auch eine pflegende Angehörige gemacht, deren Vater und Mutter vom Hospizdienst in den letzten Monaten begleitet wurden. Zunächst habe sie sich, als man ihr vorschlug, den ambulanten Hospizdienst in Anspruch zu nehmen, gar nicht vorstellen können, wie der ihr helfen könnte. Schon bald aber empfand sie die regelmäßigen Besuche bei ihren Eltern und damit ihre Entlastung als »sehr wohltuend und entspannend«. Der Hospizbegleiter habe ihr immer gesagt, »lassen Sie sich bei ihren Besorgungen ruhig Zeit«, und er sei auch danach noch für sie da gewesen. »Diese Gespräche mit ihm haben mir sehr gut getan, auch wenn wir oft nur über ganz Belangloses geredet haben.«

Die Hospizbegleiter werden bei ihrer Tätigkeit von den Hauptamtlichen im Caritas Zentrum unterstützt durch regelmäßige Supervision, Praxisreflexion und intensive Gespräche, sodass sie sich zu keiner Zeit allein gelassen fühlen. »Man darf auch jederzeit 'Nein' sagen oder sich eine Pause von den Begleitungen gönnen, ohne dafür eine Erklärung abgeben zu müssen«, erläutert Sigrun und betont gleichzeitig: »Man bekommt unheimlich viel zurück von den zu Begleitenden und ihren Angehörigen.«

»Nicht nur für die allerletzten Tage da«

Die Dauer der Einsätze kann je nach Schwere und Stadium der Erkrankung kürzer oder länger sein. Oft werde der ambulante Hospizdienst relativ spät gerufen. Wenn die Begleitung in einem früheren Stadium beginnt, könnte jedoch eine bessere Verbindung und Vertrautheit zwischen Begleiter und Erkranktem aufgebaut werden. »Wir sind nicht nur für die allerletzten Tage da, sondern kommen gerne schon eher«, betont in diesem Zusammenhang Lisa Weßels von der Einsatzleitung des Ambulanten Hospizdiensts.

In diesem Jahr finden anlässlich   des Jubiläums mehrere Veranstaltungen statt. Die Fotoausstellung »Wechselzonen« von Ursula Kösterke findet vom 3. bis 13. April in der Alten Wache im Rathaus   Traunstein statt.

Einen Kinofilm mit dem Titel »Being there – da sein« mit anschließender Diskussionsrunde gibt es am 10. Mai im Stadtkino Trostberg. Bei einem Vortrag spricht Pfarrer i. R. Waldemar Pisarski am 27. September im Caritas-Zentrum Traunstein über »Trauern und Trösten« und ein Benefizkonzert mit den Brassmatikern bildet am 19. Oktober den Schlusspunkt der Veranstaltungen. mix