weather-image
22°

»Weißes Gold« als unverzichtbare DNA der Stadt

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Mit (von links) Otto Huber, Dietrich von Dobeneck und Richard Kraft trugen sich vom Förderverein »Alt-Traunstein« die drei »Macher« des Salinenparks und der Salinenausstellung in das Ehrenbuch der Stadt Traunstein ein.

Traunstein – Vor 400 Jahren wurden die Soleleitung Reichenhall-Traunstein fertiggestellt und die Saline in Traunstein in Betrieb genommen. Dieses Doppeljubiläum feierte die Stadt Traunstein nun auch mit einem Festabend im Großen Rathaussaal.


In seiner Festrede machte der Bad Reichenhaller Stadtheimatpfleger Dr. Johannes Lang deutlich, das Salz werde unwillkürlich mit dem Namen Traunstein in Verbindung gebracht, obwohl für die wirtschaftliche Situation der Stadt und des Landkreises das Salz über drei Generationen – die Saline wurde 1912 geschlossen – keine Rolle mehr spiele. »Und doch wirkt das »Weiße Gold« bis heute als unverzichtbarer Bestandteil der DNA dieser Stadt«, sagte Dr. Lang. Traunstein sei ein besonders gutes Beispiel dafür, dass die Fortentwicklung der Stadt und das Bekenntnis zur eigenen Geschichte nie ihre notwendige Verbindung verloren haben.

Anzeige

Bestimmte Entscheidungen sollten sich letztlich als wegweisend auswirken. Er nannte 1275 die Verlegung der Mautstätte von Lauter nach Traunstein, wodurch das »Weiße Gold« als Handelsgut durch die Stadt musste. Durch das bald darauf erfolgte Niederlagsrecht entwickelte sich ein Markt und mit ihm eine urbane Struktur, die schließlich von den Wittelsbachern gefördert wurde.

Im 15. Jahrhundert kaufte der bayerische Landesfürst im Sinne einer feindlichen Übernahme die Reichenhaller Siedeanlagen und sorgte damit für eine staatliche Monopolisierung der Salzproduktion. Als die Bayernherzöge im 16. Jahrhundert auch den Salzhandel unter ihre Kontrolle brachten, musste sich Traunstein neu überdenken.

Ein weiterer Schritt war die Entscheidung, den Energieträger Holz zum Produktionsstoff Sole zu bringen und Traunstein zur Salinenstadt zu machen. Nicht die 33 Kilometer Entfernung von Reichenhall nach Traunstein seien das Besondere der Soleleitung gewesen, sondern die enormen Höhenunterschiede von insgesamt 250 Metern. Der Hofbaumeister Hans Reiffenstuel erhielt zusammen mit seinem Sohn Simon Ende 1616 den Auftrag zum Bau der Soleleitung.

Mit der Fertigstellung 1619 entwickelte sich Traunstein zur Salinenstadt. Während der damit verbundene Bevölkerungszuwachs Traunstein einen enormen Bedeutungsgewinn verschaffte, musste die alte Salzstadt Reichenhall durch die Stilllegung mehrerer Produktionsstätten herbe Einbußen hinnehmen.

Dr. Lang bezeichnete die Soleleitung als die wohl wichtigste Zäsur in der Entwicklung technisch überlegener Leitungssysteme. Dank eigens konstruierter Druckleitungen seien weder der Entfernung noch der Überwindung von Höhenstufen Grenzen gesetzt gewesen. »Mit dieser Soleleitung begann die Geschichte des modernen Pipelinebaus.« Die Salzstadt Traunstein werde immer einen Platz in der Geschichte dieses globalen Themas einnehmen.

Nachdem Oberbürgermeister Christian Kegel ebenfalls einen geschichtlichen Abriss über die Salzstadt Traunstein gegeben hatte, stellte er fest, dass Traunsteins Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auch 100 Jahre nach dem Ende der »salzigen Ära« eng mit dem Salz verbunden seien. »Ohne Salz wäre Traunstein nicht das, was es heute ist: eine Stadt mit reicher, lebendiger Geschichte, ein einzigartiger Ort mit kulturhistorischen Schätzen«.

Dass die Stadt dieses bemerkenswerte Jubiläum mit zahlreichen Veranstaltungen feiern könne, verdanke sie einer großen Zahl an Menschen, die diese Veranstaltungen gemeinsam und in großen Teilen ehrenamtlich auf die Beine gestellt hätten. Als Beispiele nannte Kegel die Arbeitsgruppe Salz, den Förderverein »Alt-Traunstein«, den Historischen Verein für den Chiemgau zu Traunstein und Angehörige der Stadtverwaltung.

Die Soleleitung sei das Fundament für die weitere Entwicklung der ganzen Region gewesen, stellte Landrat Siegfried Walch fest. Deshalb betreffe dieses Jubiläum die gesamte Region. Sie sei der Impuls für den Aufschwung und der Startschuss für die Entwicklung der Stadt und des Landkreises gewesen. Die Ansiedlung von Industrie und der Wohlstand hänge mit der Salzstadt Traunstein eng zusammen.

Das Jubiläum sei ein gemeinsamer Anknüpfungspunkt für die weitere Zusammenarbeit. Als wesentliches Merkmal machte er aus, dass in Traunstein Vergangenes für die Zukunft bewahrt und versucht werde, modern zu sein, ohne Werte und Tradition zu vergessen. Aus der Salzgeschichte lernten wir, dass Zusammenhalt, Identität und Fortschritt stark mache. »Ich wünsche der Stadt, dass sie diesen Mut mitnimmt und diesen Geist für künftige Projekte bewahrt. Manchmal könnten wir etwas vom 'Schneid' von damals gebrauchen«, so der Landrat.

Was wäre Traunstein ohne Reichenhall, fragte der Berchtesgadener Landrat Georg Grabner. Bis Ende des 12. Jahrhunderts habe Reichenhall die Salzproduktion und den Salzhandel in Südostbayern beherrscht. Die neue Salzsolequelle habe Traunstein fast 300 Jahre mit Sole aus Reichenhall versorgt. »Traunstein hing quasi 300 Jahre am Tropf von Reichenhall«, witzelte Grabner, der sich freute, dass Traunstein feiere und an die wirtschaftliche Entwicklung erinnere.

Als der Förderverein »Alt-Traunstein« vor etwa sieben Jahren eine Spende von einer Million erhalten habe, sei die Idee entstanden, zum 400. Jubiläum der Soleleitung einen Salinenpark zu errichten, um die Salinenhäuser wieder freizustellen, blickte der Vorsitzende des Fördervereins, Richard Kraft, zurück. Dabei seien Dietrich von Dobeneck der »Visionär«, Otto Huber der Zuständige für die Außendarstellung und er selbst der »Baumensch« gewesen. Huber habe auch die Ausstellung über das Salinenwesen gestaltet.

Mit dem Wasserradbauer aus Au bei Bad Aibling habe der Förderverein viel Glück gehabt, denn das große Wasserrad der Reiffenstuelschen Solehebemaschine im Salinenpark sei sehr gelungen. Die Firma InfraServ in Gendorf habe der Stadt nicht nur die Wassersäulenmaschine von Georg von Reichenbach, sondern auch Zubehör für die Ausstellung geschenkt. Für die Pumpe habe der Förderverein einen zwölf Kubikmeter großen Wasserbehälter schaffen müssen, weil die Pumpe 12,3 Liter in der Sekunde benötige. An diesem Samstag sollte sie in Betrieb genommen werden. Bjr