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Sinnbild für den nach Meinung zahlreicher Bürger, aber auch mancher Stadträte, gescheiterten Versuch, mehr Platz und damit Sicherheit für Radler zu erhalten, ist die Haslacher Straße. Doch ist der Versuch nur ein Detail aus dem großen Radverkehrskonzept der Firma i.n.s, dem der Stadtrat in seiner gestrigen Sitzung mit großer Mehrheit zugestimmt hat. Das Konzept soll dabei quasi als Arbeitsgrundlage für Verwaltung und Stadtrat dienen, auf deren Basis in Zusammenarbeit mit den Bürgern die konkreten Maßnahmen geplant und umgesetzt werden. (Foto: Archiv Pültz)
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So sieht der erste grobe Netzplan Radverkehr für Traunstein des i.n.s aus. Dabei sind Hauptrouten grün, Basisroute rot dargestellt.

Weg frei für mehr Sicherheit für Radler

Traunstein – Mit großer Mehrheit von 28 zu 2 Stimmen beschloss der Stadtrat in seiner gestrigen Sitzung das vom Institut für innovative Städte (i.n.s) erarbeitete Radverkehrskonzept als »Fahrplan für eine fahrradfreundliche Stadt«. Die Hauptrouten sollen – vorbehaltlich der Fördermittel – in der vorgesehenen Zeit zu den vorgesehenen Kosten umgesetzt werden. Sofortmaßnahmen soll die Verwaltung umgehend prüfen und umsetzen.


Vorschläge des »Konzepts zur Barrierrefreiheit der öffentlichen Räume und Einrichtungen« sollen berücksichtigt werden, Rad- und Wanderwege an der Traun sollen nicht asphaltiert werden, der Stadtrat soll halbjährlich über den Fortschritt informiert werden.

Wie Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) in der Sitzung sagte, gehe es erstens »darum, dass wir Fahrradfahren in Traunstein sicherer machen«. Zweitens solle daraus kein neues Gegeneinander entstehen. »Die Prämisse lautet nicht entweder oder, sondern sowohl als auch.« Bei 14.000 Einpendlern täglich müsse auch Autoverkehr in der Stadt weiterhin möglich sein. Die Testphase an der Haslacher Straße sei richtig gewesen, aber nun müsse man die richtigen Schlüsse ziehen. Die Einbahnstraße habe sich nicht bewährt, die Rückmeldungen der Bürger seien zu 85 Prozent negativ gewesen, nur zu 15 Prozent positiv. Wenn der Testbetrieb kommende Woche ende, beginne sofort der Rückbau.

»Das Konzept ist aber für zehn bis fünfzehn Jahre gestrickt, das ist ein Marathon, kein Sprint«, so das Stadtoberhaupt. Es gehe darum, den Verkehr zu sortieren, Radler eher über Nebenstrecken zu leiten. Man könne nicht auf jeder Straße jeder Verkehrsart Vorrang eben, »wir müssen priorisieren, nicht missionieren«. Zentrales Thema aber sei die Wahlfreiheit des Verkehrsmittels. »Keiner muss, jeder darf radeln. Das wollen wir nicht von oben herab verordnen.«

Nachvielen Monaten haben wir heute einen wichtigen Zwischenschritt – »sie entscheiden, ob das von uns erarbeitete Radwegekonzept Arbeitsgrundlage wird für die Verwaltung«, so i.n.s.-Chef Thiemo Graf in einer Videobotschaft. Der Anspruch sei gewesen, die Menschen zum Umstieg vom Auto aufs Fahrrad zu motivieren. Dazu müssten sie aber sicher unterwegs sein.

Die Beteiligung an der Online-Umfrage unter den Bürgern sei »sehr, sehr hoch« gewesen. 1000 Rückmeldungen habe man erhalten, die besonderen Handlungsbedarf an manchen Stellen aufgezeigt hätten.

Dabei geschehe die Entwicklung eines Radverkehrsnetzes nach den gleichen Prinzipien wie der von Autoverkehrsnetzen mit zentralen Hauptverkehrsachsen, Quellgebieten, wie Wohngebieten, Verkehrsströmen etwa zu Schulen und Arbeitsstätten oder dem Bahnhof.

»Wir haben wenig Möglichkeiten auf Hauptstraßen wie Rosenheimer, Wasserburger oder Chiemseestraße und gewiss wird am Ende nicht alles perfekt sein«, so Graf. »Aber wir sind mit sehr viel Augenmaß vorgegangen.« Über 130 Empfehlungen enthalte der sehr ausführliche Maßnahmenkatalog. Sein Kollege Matthias Knaupp sei dabei jede einzelne Straße abgefahren und habe sie digital erfasst und kartiert.

Dabei arbeite i.n.s. sehr stark mit Fahrradstraßen, Nebenstrecken also, auf denen zum Beispiel nur der Radverkehr und Anlieger mit Autos zugelassen seien. »Die sind über Markierungen sehr gut zu kennzeichnen.« Der Maßnahmenkatalog enthalte daher Empfehlungen, was schnell umsetzbar sei und hoch priorisiert angegangen werden solle.

Dabei sei die Haslacher Straße als erste Maßnahmen schon in die Planung gegeben worden. Die Testphase habe gezeigt, dass die Überlegungen so nicht umsetzbar seien. Darum suche man nun nach neuen Lösungen. »Ich wünsche ihnen, dass sie bei der Umsetzung des Radverkehrskonzepts gut vorankommen und viel umsetzen können. Oft gibt es nicht den einen Weg, der richtig ist. Aber ich verspreche ihnen, dass wir das Ganze gern auch künftig weiter aus der Ferne begleiten werden.«

coho

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