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Vorstand des Seniorenbeirats zurückgetreten

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Traunstein: Vorstand des Seniorenbeirats zurückgetreten
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Sind als Vorsitzende des Seniorenbeirats zurückgetreten: Horst Trüdinger und Ingrid Buschold. (Foto: Reiter)

Traunstein – Die Vorstandschaft des Traunsteiner Seniorenbeirats ist zurückgetreten. Als Gründe führt Vorsitzender Horst Trüdinger die »zunehmenden Verunglimpfungen, anmaßenden Äußerungen und die massiven Beleidigungen« eines Mitglieds an. Für Schriftführerin Ingrid Buschold und ihn sei letztlich aber ausschlaggebend gewesen, dass sie in dieser Angelegenheit zu wenig Rückendeckung von Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer erhalten hätten, wie sie im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt betonen. Das hätten sie ihm auch in mehreren Briefen mitgeteilt.


Wiederholt habe er, Trüdinger, versucht, Kontakt mit dem Oberbürgermeister aufzunehmen. Vor allem vor der konstituierenden Sitzung im Rathaus. Er sei verunsichert gewesen, wie er mit der Situation und den Beleidigungen ihm und dem Seniorenbeirat gegenüber umgehen sollte. »Doch ein Gespräch im Vorfeld war nicht möglich«, sagt Horst Trüdinger.

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Und auch nach der Sitzung habe er keine Gelegenheit bekommen, mit dem Oberbürgermeister zu sprechen – »denn er war schon weg. Ich fühlte mich im Regen stehen gelassen«, sagt der 74-Jährige. Bei ihm sei der Eindruck entstanden, dass das Interesse des Oberbürgermeisters am Seniorenbeirat »überschaubar ist«.

Trüdinger war von dem Mitglied vorgeworfen worden, jegliche Führungseigenschaften vermissen zu lassen, außer man halte »einen Stil aller (à la, Anm. d. Redaktion) 3. Reich für effektiv«. Und weiter: »Personen, die unangenehme Fragen stellen, werden einfach wie in der DDR kalt gestellt.« Den kompletten Seniorenbeirat beschrieb er als Kaffeekränzchen. Er sei nicht Statist, um sich alle zwei Monate Sonntagsreden anhören zu müssen. Das Mitglied warf dem Vorsitzenden Horst Trüdinger, dem zweiten Vorsitzenden Ernst Schropp und der Schriftführerin Ingrid Buschold des Weiteren vor, alle anderen Seniorenbeiratsmitglieder zu Statisten zu machen.

Nun sind sie geschlossen zurückgetreten – »was mich sehr traurig stimmt«, wie Ingrid Buschold sagt. Auch sie hat dem Oberbürgermeister geschrieben. »Wir haben ein Ehrenamt angenommen und ich möchte dieses Amt so ausfüllen, dass es mir und der Stadt zu Ehre gereicht«, heißt es dort. »Dies kann und will ich nur tun, wenn ich es mit meinem empathischen Selbstverständnis ausfüllen kann. Und vor allem weiß und mir sicher sein kann, dass mich mein Stadtoberhaupt auch menschlich und auf empathische Weise und nicht nur verwaltungstechnisch unterstützt.«

Unterstützung in der Angelegenheit hätte sich auch Stadträtin und Seniorenreferentin Isabelle Thaler (CSU) gewünscht, die im ständigen Austausch mit der Vorstandschaft war. Durch die ehrverletzenden Äußerungen des Mitglieds sei der Seniorenbeirat als Traunsteiner Institution »verächtlich gemacht und herabgewürdigt« worden. »Jedes einzelne Mitglied wurde dadurch beleidigt und verletzt«, wie Isabelle Thaler betont.

Hier hätte ein deutliches Signal von Oberbürgermeister Hümmer gesendet werden müssen, damit dies nicht passiere. Denn es könne nicht sein, dass Täter- und Opferrolle verdreht würden. In einem Brief forderte sie den Oberbürgermeister deshalb auf, das Mitglied zum Rücktritt zu bewegen – was mittlerweile auch geschehen ist.

Des Weiteren sei es wichtig, dass die Satzung des Seniorenbeirats geändert werde, betont Isabelle Thaler. Es müsse in Zukunft möglich sein, ein Mitglied auszuschließen, »das durch Verleumdungen, Beleidigungen und ungebührlichem Verhalten gegenüber Beiratsmitgliedern« dem Ansehen des Gremiums und damit auch der Stadt schade.

Doch wie geht es nun weiter? »Es müssen möglichst schnell Neuwahlen her, damit das Gremium nicht führungslos ist«, wie Horst Trüdinger betont. Er wäre für eine außerordentliche Mitgliederversammlung mit Neuwahlen der Vorstandschaft »so bald wie möglich«. – Am heutigen Dienstag wollen sich nun alle Beteiligten mit Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer im Rathaus zusammensetzen. Dieser wollte sich im Vorfeld des Treffens nicht öffentlich äußern. KR

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