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Vorbildliche Begleitung Schwerstkranker gewürdigt

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Das Netzwerk Hospiz wurde für seine Arbeit mit dem Preis der Deutschen Hospiz- und Palliativ-Stiftung ausgezeichnet. Alois Glück (links), Vorsitzender des Netzwerks, nahm aus den Händen von Benno Bolze, Geschäftsführer des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands, die Auszeichnung entgegen. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Auszeichnung für den Verein für Hospizarbeit und Palliativbetreuung Südostbayern: Die entscheidend von Alois Glück mit begründete Arbeit erhielt den von der Deutschen Hospiz- und Palliativ- Stiftung ausgelobten Stiftungspreis.


Viele geladene Gäste aus Kommunalpolitik, Gesundheitskassen und Verbänden sowie die Mitarbeiter im Haupt- und Ehrenamt waren dazu gekommen.

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Glück wies darauf hin, dass das Thema »in Würde sterben« erst vor rund 30 Jahren aus England nach Deutschland gekommen sei. Die ehrenamtliche, bürgerschaftliche Bewegung habe von der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik im vergangenen Jahrzehnt zunehmend Unterstützung erfahren – nicht zuletzt auch deshalb, weil das Thema mehr und mehr in den Fokus der Menschen gerückt sei.

2006 begannen die ersten Brückenschwestern

Bahnbrechend seien dabei Grundsatzentscheidungen des Bundestags im Jahr 2015 gewesen. Glück machte deutlich, wie wichtig die richtige Versorgung Schwerstkranker und Sterbender ist und welche Hilfe das Netzwerk Hospiz hier leiste. 2006 nahm es in Traunstein mit der Arbeit der ersten Brückenschwestern seinen Dienst auf. Inzwischen koordiniere das Netzwerk den Dienst in der stationären und ambulanten Arbeit und biete für unheilbar Erkrankte Versorgung und Begleitung an. Der Landtagspräsident a. D., seit Beginn Vorsitzender, wies darauf hin, dass man 2016 über 600 Menschen zu Hause oder in Heimen begleitet habe.

Stellvertretender Landrat Josef Konhäuser sagte in Vertretung von Landrat Siegfried Walch: »Ihre Arbeit ist nicht mehr wegzudenken. Sie haben sich des Tabuthemas angenommen.« Er würdigte Verantwortliche und Mitarbeiter und verlieh seiner Freude Ausdruck, dass die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land hier zusammenwirken.

Einige Mitwirkende der ersten Stunde beschrieben Erfahrungen aus der Anfangszeit. So erklärte Brückenschwester Christa Zepper, dass sie teilweise nach der Arbeit im Krankenhaus direkt ihre ehrenamtliche Tätigkeit weiterführten: »Wir waren immer da, es war einfach so. Die Patienten waren unglaublich dankbar. Aber wir haben uns auch reingehängt.«

Krankenschwestern für Gelingen entscheidend

Der frühere Vorstand der Kliniken AG, Stefan Nowack, machte deutlich, dass die Krankenschwestern, die hauptamtlich im Krankenhaus und danach im Netzwerk Hospiz gearbeitet hätten, entscheidend für das Gelingen waren. Aus der aktuellen Arbeit berichtete Christina Erl-Danhof und lobte die Hospizbegleiter: »Ihr Handwerkszeug ist ihre Mitmenschlichkeit.«

Benno Bolze, Geschäftsführer des Deutschen Hospiz- und Palliativverbands, betonte, dass es in Deutschland inzwischen 1500 Dienste gebe, die sich um Schwerstkranke kümmerten. Diese Dienste habe man angeschrieben, sich für den Preis zu bewerben. Letztlich habe man sich für das Traunsteiner Projekt »Ambulante Palliativversorgung aus einer Hand – die Dienste des Netzwerk Hospiz Südostbayern« entschieden.

Das Durchhalten über einen langen Zeitraum, die Arbeit mit hoher Qualität und das gemeinsame Arbeiten im Netzwerk hätten den Ausschlag gegeben, den mit 1500 Euro dotierten Preis nach Traunstein zu vergeben. »Sie sind hier in Traunstein vorbildlich«, lobte er. Der Netzwerk-Vorsitzende Alois Glück sei ein »Glücksfall für die Hospizarbeit.« Dieser gab den Dank an die »gesamte Mannschaft« weiter. Man stehe weiter vor einer »riesigen Aufgabe«. Er sehe weiter die Notwendigkeit zur Sicherung des Erhalts der Würde des Menschen.

Selbstverständliche Pflichtaufgabe

Berchtesgadens Landrat Georg Grabner sagte: »Unglaublich beeindruckend, was daraus geworden ist.« Die Hospizarbeit sei für ihn eine selbstverständliche Pflichtaufgabe für Kommunen und Staat. »Die Gründung des Netzwerks ist ein Quantensprung in der Versorgungskette.« Die im Paragrafen Eins im Grundgesetz festgeschriebene Unantastbarkeit der Menschenwürde werde hier Realität. »Der Preis ist ein Zeichen der Wertschätzung, der Anerkennung, der Ermutigung und des neuen Aufbruchs.«

Hermann Huber aus Ainring sorgte an der Harmonika für Musik. Nach dem Festakt nutzten die Gäste die Möglichkeit zum ausgiebigen persönlichen Austausch. Das Netzwerk Hospiz ist 24 Stunden unter der Telefonnummer 0861/90 96 12 100 erreichbar. awi