Von »Schpotzkugln« und Hochzeitsmusik

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Rosemarie Mußner (Mitte) moderierte den Abend mit Lesungen von Dr. Martin Trautwein, Sonja Kühler, Josef Wittmann und Robert Gapp (von links). (Foto: Austermayer)

Traunstein – Erstmals hat der Verein der Chiemgau-Autorinnen und -Autoren im neuen Kulturforum Traunstein ein Literaturtreffen »Lesen nach Los« veranstaltet. Mit kurzen Lesungen stellten drei Vereinsmitglieder ihre Arbeiten der Öffentlichkeit vor: Robert Gapp, Sonja Kühler und Dr. Martin Trautwein. Sie zeigten die großen Möglichkeiten literarischen Schaffens durch ihre unterschiedlichen Texte auf.


Martin Trautwein, der auch stellvertretender Ve-reinsvorsitzender ist, eröffnete den Abend mit einem Auszug aus seinem historischen Roman, der im Mittelalter in Polen spielt. Knappe Andeutungen enthüllen darin eine dramatische Familiengeschichte. Sonja Kühler ließ die Zuhörer teilhaben an Freuden und Pannen aus ihrem Leben als Musikerin, zum Beispiel bei einer Hochzeit. Ihr jüngst erschienenes Buch trägt den Titel »… und was machen Sie sonst so beruflich? Schräge Gedanken aus dem Leben einer Musikerin.«

Robert Gapp – er ist Schatzmeister des Vereins –, der sich dem Reichtum der Mundart verschieben hat, trug eine Geschichte vom Onkel Wast und seinen »Schpotzkugln« vor. Ein interessantes bairisches Wort: Woher stammt es? Andere deutsche Wörter dafür sind Schusser, Murmeln, Klicker, Marbeln, Kuller, Schneller, Klucker… Gapp schreibt gedankenreich, humorvoll und sauber in Reim und Rhythmus. Rosemarie Mußner, die Schriftführerin des Vereins, moderierte die Veranstaltung.

Wie bei den monatlichen Literaturtreffen üblich, bot der Abend wieder einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus in Form eines Autorenrätsels. Dieses Mal lotste der Tittmoninger Schriftsteller Josef Wittmann, Mitglied im Verein der Chiemgau-Autoren, das Publikum auf die Fährte des produktiven Münchner und Chiemgauer Romanciers und Dramatikers August Kühn, eines vielseitigen, oft umstrittenen Schriftstellers, der seit den 1970er Jahren unter mehreren Pseudonymen Romane und Theaterstücke sowie sozialkritische und militärhistorische Arbeiten schrieb. Er war mit Wittmann noch persönlich bekannt. 1996 verstarb Kühn in Hinterwössen.

Der weitere Abend gehörte dann der Diskussion über Pläne für das Vereinsleben, dessen zentrale Ziele Literaturvermittlung und -praxis sind. Dazu kamen viele Anregungen von den Ve-reinsmitgliedern für Fortbildungen und Schreibprojekte. Zwei Seminare sind noch bis Jahresende vorgesehen.

Großen Stellenwert hat auch künftig die lebendige Mundart. Dazu wird es eine spezielle Textwerkstatt geben: Josef Wittmann und andere Vereinsmitglieder halten viele Anregungen für das eigene Schreiben mit den Raffinessen des bairischen Dialekts bereit.

Am 30. Oktober um 19 Uhr findet in der Klosterkirche Traunstein eine öffentliche Lesung der Chiemgauer Schriftsteller statt. 16 Texte aus der neuen Anthologie des Vereins sind dann zu hören: »Lesen für den Frieden« – ein sprachliches Mosaik mit vielen Facetten zum Thema. Auch für das kommende Jahr plant der Ve-rein wieder ein gemeinsames Schreibprojekt und unterschiedliche Veranstaltungen. Weitere Informationen stehen auf der Homepage des Vereins.

ug

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