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Von der Stadtbäckerei zum international bekannten Unternehmen

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Leimer Traunstein
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Ein Blick in die Backstube der damaligen Feinbäckerei und Konditorei Leimer. Das Foto entstand Anfang der 1920er-Jahre. (Fotos: Firma Leimer)
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1974 zog das Unternehmen auf das neue Firmengelände an der Kotzinger Straße. Inzwischen stehen dort fünf Produktionshallen.
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Karlheinz Leimer leitet die Firma seit dem Tod seines Vaters im Jahr 2016.

Traunstein – Auf eine 100-jährige Geschichte blickt die Firma Leimer heuer zurück. Angefangen vom kleinen Unternehmen mit einer Handvoll Mitarbeitern hat sich Leimer heute zu einem international agierenden Unternehmen mit 150 Mitarbeitern entwickelt. Rund 300 Tonnen Semmelbrösel werden täglich in Traunstein produziert. »Die Grundrezeptur ist über 100 Jahre gleichgeblieben«, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Karlheinz Leimer. Gemeinsam mit dem Traunsteiner Tagblatt wirft er einen Blick auf die Unternehmensgeschichte.


1919 übernahmen die Brüder Josef und Carl Leimer die Feinbäckerei und Konditorei Jäger am Stadtplatz. Diese befand sich im Gebäude der heutigen Bäckerei Schneider. »Die Söhne der Familie Jäger waren im Krieg gefallen und es gab keinen Nachfolger«, erzählt Karlheinz Leimer. Schnell lief das Geschäft gut an, »mein Großvater war ein guter Bäcker«. Doch der Standort am Stadtplatz wurde zu klein und die Bäckerei wurde Anfang der 1920er-Jahre mit einem zusätzlichen Gebäude an der Ludwigstraße erweitert (heutiges Kulturzentrum). Auch dort entwickelte sich die Firma schnell weiter: Das Brot und andere Backwaren wurden in die gesamte Region ausgeliefert, das Sortiment wurde mit der Zeit immer größer.

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Rohstoffe waren nach dem Krieg begrenzt

1942 starb der Großvater von Karlheinz Leimer. Sein Vater, 1923 geboren, war im Krieg, das Familienunternehmen in einer schwierigen Situation. »Ein weiteres Problem war, dass die Rohstoffe begrenzt waren.« Mit Hilfe der Familie, vor allem der Schwester des Vaters, ging es weiter. Erst als Karl Leimer 1945 aus dem Krieg zurückkam, nahm die Entwicklung richtig Fahrt auf – denn dieser hatte eine Idee: Er konzentrierte sich auf Semmelbrösel – und diese wurden ausschließlich aus frisch gebackenem Brot hergestellt. »Wenn es jemand gibt, der aus einer Idee kraftvolle Realität machen konnte, dann war das mein Vater«, erinnert sich Karlheinz Leimer.

Karl Leimer war es auch, der den Fokus auf die Entwicklung der Marke Leimer richtete. »Er hat schnell auf Radiowerbung gesetzt und dafür bekannte Sprecher eingesetzt.« So wurde die Marke Leimer schnell bekannt, die Nachfrage nach den Produkten wurde größer. 1963 führte das Panierfix, das Leimer Panat, ein – eines der ersten Fertiggericht-Produkte auf dem Markt überhaupt. 1974 zog das Unternehmen an den heutigen Betriebsstandort an der Kotzinger Straße. »Das war ein sehr großer und mutiger Schritt«, so der Geschäftsführer. Stetig wurde die Produktpalette erweitert, es kamen Backerbsen, Mark-Klößchen, Grießnockerl oder geröstete Weißbrotwürfel, sogenannte Croûtons, auf den Markt.

Mehr Produkte bedeutet auch gleichzeitig, dass das Unternehmen mehr Platz braucht. Seit 1992 kam etwa alle zehn Jahre eine neue Halle auf dem Firmengelände hinzu, zuletzt 2016 die Halle 5. »Heute reicht der Platz, aber langfristig nicht«, erklärt Karlheinz Leimer. Am stärksten drücke derzeit die Logistik. Die Firma bräuchte ein großes, zentrales Lager. »Momentan ist der Lagerplatz auf mehrere Hallen verteilt.«

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1974 zog das Unternehmen auf das neue Firmengelände an der Kotzinger Straße. Inzwischen stehen dort fünf Produktionshallen.

Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt

2016 starb Karl Leimer, Sohn Karlheinz, der seit 1994 im Unternehmen beschäftigt ist, übernahm die Leitung. Während sein Vater größtenteils alles allein managte, verteilte er die Aufgaben auf mehrere Schultern. So gehören heute auch Norbert Neumüller (Vertriebsleiter), Konrad Barth (Leiter Rechnungswesen) und Thomas Braun (Betriebsleiter) zur Geschäftsleitung.

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Karlheinz Leimer leitet die Firma seit dem Tod seines Vaters im Jahr 2016.

Karlheinz Leimer hat auch erkannt, welche Rolle die Digitalisierung spielt. »Infos werden immer schneller verfügbar und es ist wichtig, dass wir auch hausintern schneller kommunizieren können«, so der Geschäftsführer. Wichtig ist ihm auch, dass seine Mitarbeiter ein Maximum an Möglichkeiten haben. So höre man sich deren Ideen stets an. »Es kommt auf jeden an.«

Heute beschäftigt das Unternehmen etwa 150 Angestellte. Gemeinsam mit diesen sowie zahlreichen Ehrengästen wurde jüngst das Firmenjubiläum gefeiert. Unter anderem hielt Staatsministerin Michaela Kaniber eine kurze Ansprache. Mit Firmenchef Karlheinz Leimer, Landrat Siegfried Walch und Oberbürgermeister Christian Kegel gab es eine Talk-Runde. Höhepunkt des Abends war dann aber der Auftritt von Kabarettist Wolfgang Krebs, der unter anderem in die Rollen von Edmund Stoiber, Horst Seehofer und Markus Söder schlüpfte.

40 Länder weltweit werden beliefert

Stolz ist Karlheinz Leimer darauf, dass sich in den vergangenen 100 Jahren nichts am Grundrezept der Semmelbrösel geändert hat. Die Produkte aus Traunstein kommen nicht nur in Deutschland gut an, sondern werden in 40 Länder weltweit geliefert. »Der Exportanteil liegt bei circa 30 Prozent«, erklärt der Geschäftsführer. Schwerpunkt ist das europäische Ausland, aber auch Japan und die Golfregion gehören zu den Abnehmern. Auf die Bedürfnisse der jeweiligen Kunden werden auch die Produkte speziell zugeschnitten. So gibt es zwar nur ein Grundrezept für die Semmelbrösel, aber anschließend bis zu 500 unterschiedliche Varianten, zum Beispiel für die Bio-Semmelbrösel, Dinkelbrösel, Paniermehl oder Panko-Paniermehl, das Cornflakes-Paniermehl oder Fisch-Panat. »Das ist eine kleine Wissenschaft«, erklärt Karlheinz Leimer und macht damit gleichzeitig deutlich: Semmelbrösel ist eben nicht gleich Semmelbrösel... jal

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