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Von »Atomkraft, nein danke« bis »Fridays for future«

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Traunstein: 40 Jahre Forum Ökologie – Von »Atomkraft, nein danke« bis »Fridays for future«
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Photovoltaik gilt heute als relevante Größe im Strom-Mix der Zukunft – bereits im Jahr 1982 bot das Traunsteiner Forum Ökologie seinen ersten Sonnenkollektorbaukurs an. Der Verein wird heuer 40 Jahre alt. (Foto: Deutsche Werte Holding AG/obs)

Traunstein – Mit einem Vortrag fing es an, einen Vortrag – von Dr. Claudia Kemfert über »Wirtschaftliche Chancen einer klugen Energiewende« – gibt es auch heute um 13.30 Uhr im Chiemgau-Gymnasium zum 40-jährigen Bestehen des Forums Ökologie. »Wir Indianer und Ökologie« lautete der Titel des ersten Vortrags, den 1979 Willi Stettner und ein paar Mitstreiter organisiert hatten.


Betroffen vom Waldsterben und den zu befürchtenden Auswirkungen der Atomenergie nahmen sie sich vor, möglichst viele Menschen auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen. Ziel waren Veränderungen sowohl im Verhalten des Einzelnen als auch auf politischer Ebene. So entstand zunächst das »Freie Forum Ökologie«, das Bildungsveranstaltungen organisierte – in Zusammenarbeit mit dem Katholischen Kreisbildungswerk und der Volkshochschule.

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»Atomenergie für viel zu gefährlich gehalten«

»Meine erste Veranstaltung war 1980 ein Vortrags- und Diskussionsabend zum Thema Atomenergie«, erinnert sich Sylvester Dufter, heute Vorstand des Forums Ökologie. »Die Atomenergie war damals noch kaum kritisiert. Aber die rund 50 Zuhörer machten den vier Politikern auf dem Podium bereits deutlich, dass sie die Atomenergie für viel zu gefährlich und viel zu schädlich für Mensch und Umwelt hielten.«

Die ersten Vorstände Claus Moeller, Uwe Meyer und Willi Stettner brachten viel vorwärts. Anfang der 80er Jahre trafen sich regelmäßig etwa zehn Leute in privaten Räumen und organisierten schon ein Frühjahrs- und ein Herbstprogramm – geschrieben mit der Schreibmaschine und am Kopierer vervielfältigt. 1982 hielt Dufter seinen ersten Vortrag über Bauen mit Holz. Während seines Architektur-Studiums habe er die erste Ölkrise erlebt, sich für das Thema Bauen und Energie interessiert. »Ich war damals schon der Überzeugung, dass wir Atomenergie nicht brauchen«, sagt der heute 70-Jährige.

Das Forum Ökologie veranstaltete ebenfalls 1982 den ersten Sonnenkollektorbaukurs. Dufter selbst erlebte die Wechselwirkung zwischen seinen Erfahrungen als Architekt und ständig neuen Impulsen aus dem Forum Ökologie als große Bereicherung.

1984 nahmen Aktive des Forums Ökologie am Katholikentag in München teil. Beeindruckt von der Menge an Müll aus Verpackungen und Einweggeschirr stellte der Arbeitskreis »Umweltschutz im Haushalt« in der Folge Alu-Tonnen im Landkreis Traunstein auf entsorgte das Alu bei einer Recyclingfirma in Traunstein – »viele Jahre, bevor das Thema Wertstofftrennung in der Politik aktuell wurde«, so Dufter.

1990 wurde die Umweltberatungsstelle des Forums Ökologie eingerichtet. Zwei Teilzeit-Fachkräfte wurden angestellt und vom Landkreis Traunstein bezahlt. Büro- und Sachkosten stemmt bis heute der Verein.

Eschenbecks Einsatz mit Gold nicht aufzuwiegen

Ganz wichtige Initiativen gingen aus von Maria Echenbeck, die von 1992 bis 2004 Vorsitzende war, und sich – wie auch Brigitte Huber – sehr mit dem Thema gesunde Ernährung und ökologisch erzeugte Lebensmittel befasste. Eschenbecks unermüdlicher Einsatz sei mit Gold nicht aufzuwiegen, so Dufter und sein Stellvertreter Wolfgang Sojer.

»Sie hat oft 40, 50 Stunden pro Woche für das Forum Ökologie gearbeitet, hat neben dem Vortrags- und Seminarprogramm Infostände übernommen, Ausstellungen veranstaltet, Verbindungen zu überregionalen Bildungseinrichtungen geschaffen und vieles mehr«, erinnert Sojer. Im Jahr 2000 erhielt sie dafür die Bayerische Umweltmedaille für besondere Verdienste um Umweltschutz und Landesentwicklung, 2006 erhielt das Forum Ökologie die Dachmarke »Umweltbildung Bayern« verliehen.

Bundesweites Aufsehen erregte die Initiative »Sonnenstrom vom Watzmann bis zum Wendelstein«, die Peter Rubeck zehn Jahre lang leitete. Dank seines Einsatzes spielte der Landkreis jahrelang mit an der Spitze der »Solar-Bundesliga«. »Ein Glück war natürlich auch, dass genau zu dieser Zeit die Förderung von Solar-Strom einsetzte«, so Dufter. Auch Dr. Rainer Schenk, der mehrere Jahre in der Vorstandschaft war, leistete viel im Bereich Sonnenenergienutzung. Unter anderem war er treibende Kraft beim Bau von zwei Bürgersolarkraftwerken.

»Junge Leute machen mir extrem viel Freude«

»Die jungen Leute machen mir extrem viel Freude, drum sind wir da ja auch mitgegangen und bei der Podiumsdiskussion nach dem Vortrag heute wird Tobias Kohler den Politikern sicher auch viele kritische Fragen stellen«, sagt Dufter, befragt nach der Organisation »Fridays for Future«. Viele frühere Umweltaktivisten seien inzwischen älter geworden. »Wir haben uns 20, 30 Jahre lang die Zähne ausgebissen am Thema E-Mobilität.« Da sei der neue Schwung richtig und wichtig, um endlich etwas zu bewegen.

»Beim Thema Abfallvermeidung und Wiederverwertung hat sich im privaten Bereich schon viel getan«, sagt Sojer dazu. »Aber gerade das Thema Plastik und Gesundheitsgefahren wird die nächsten Jahre ein großes Thema werden«, meint Dufter dazu. Dass das Forum Ökologie in den letzten Jahren nie ernsthaften Gegenwind erlebt habe, führt Dufter vor allem darauf zurück, dass man sich nie mit der Kritik begnügt habe, sondern immer um gut machbare Alternativen bemüht war.

Umweltbücherei und Beratung

Heute besteht die Vorstandschaft des Forums Ökologie aus Sylvester Dufter, Wolfgang Sojer, Gabriele Sachsenmaier, Beate Sachs, Martin Ober, Stefan Sachs und Andreas Huber. Kassier ist Hans Truk. Sie alle bemühen sich darum, möglichst alle Fragen zu Umwelt-Themen zu beantworten, entweder bei der kostenlosen halbstündigen Beratung im Büro an der Scheibenstraße 22 oder unter Hinzuziehung von Fachleuten. Auch die Umweltbücherei ist im Büro des Forums Ökologie untergebracht. Geöffnet ist dieses Montag und Dienstag jeweils von 9 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr.

Hätten sie einen Wunsch frei, so würden Dufter und Sojer gern die eigenen Kräfte bündeln mit denen der Bewegung »Fridays for future«. »Die sind jung und voller Energie, wir haben Fachwissen und Erfahrung. Die müssen ja nicht das Rad neu erfinden. Aber neuen Schwung könnte es gebrauchen«, sagt Sojer. coho