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Erster Besitzer dieses Lancia Aurelia 2500 GT, Baujahr 1958 war Bergsteigerlegende Luis Trenker. Der Motor leistet 118 PS und beschleunigt das aus 113 Blechteilen zusammengesetzte Auto auf 185 km/h. 1200 Stück davon wurden gebaut und vor allem im Rallyesport eingesetzt. (Foto: Oberkandler)

Vom abgelehnten Lehrling zum gefragten Experten für Oldtimer

Traunstein – 40 Jahre war Hubert Strohhammer dafür verantwortlich, dass die Fahrzeuge der Polizei von Berchtesgaden bis Wasserburg, von Ruhpolding bis Trostberg gut in Schuss waren. Und er war auch dafür verantwortlich, dass die Dienstwaffen der Beamten störungsfrei funktionierten. Im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt berichtet er über seine ganz persönliche, besondere Geschichte. 


Zunächst war sein Leben geprägt durch das Interesse an Fahrzeugen und der Luftfahrt, dann von der Leidenschaft für Motorradrennen und später für Oldtimer. Heute stehen in seiner Garage etliche wertvolle Fahrzeuge, von denen jedes eine eigene Geschichte hat: Ob der Lancia von Bergsteigerlegende Luis Trenker oder der Fiat Topolino von Schauspieldiva Marianne Hoppe. Strohhammer hat sie ebenso liebevoll restauriert wie zahlreiche andere Fahrzeuge.

Erst wollte ihn keiner als Lehrling haben

Als uneheliches Kind einer Magd bei Waging geboren, kam er mit vier Wochen zu Zieheltern in Weibhausen. Als er nach acht Jahren die Volksschule abschloss, schickte ihn seine Mutter tags darauf nach Traunstein, damit er sich eine Lehrstelle suche, denn er wollte Mechaniker werden. An der Wegscheid fing er an, klapperte alle Werkstätten ab, aber keiner wollte ihn als Lehrling haben.

Erst am Nachmittag, nach einem Dutzend Absagen, hatte er bei Eduard Stemmer an der Chiemseestraße Erfolg. Vermutlich aus Mitleid versprach der dem schmächtigen Buben eine Lehrstelle. Am nächsten Tag unterschrieb die Ziehmutter den Lehrvertrag, wieder einen Tag später ging der 14-Jährige nach Traunstein, wo er an der Wegscheid zufällig einen anderen Buben traf, der auch beim Stemmer anfangen sollte. Es war Heini Stopfer, der spätere langjährige Leiter der Musikkapelle Holzhausen-Vachendorf. Als Stemmer die Opel-Vertretung entzogen wurde und die Firma Opel-Kreuzer gegründet wurde, wechselten die beiden dorthin. Strohhammer wurde zum Wehrdienst eingezogen und wollte zur Luftwaffe. Er landete in der Lüneburger Heide, später in Stade, wurde Flugzeugmechaniker, wollte aber wieder heim.

So ließ er sich nach Kaufbeuren versetzen und schließlich nach Landsberg. Dort absolvierte er eine Spezialausbildung für Düsenflugzeuge. Sein Traum, Bordmechaniker zu werden, erfüllte sich aber nie, weil er nicht Englisch konnte. So kehrte er zurück in seinen alten Beruf als Automechaniker bei der Firma Kreuzer und später bei Fiat Gessenharter. 1960 fing er bei der Polizei an und arbeitete sich schnell hinauf zum Chef einer siebenköpfigen Werkstattmannschaft.

Diese wartete und reparierte alle Fahrzeuge der umliegenden Polizeidienststellen von Berchtesgaden bis nach Wasserburg, von Ruhpolding und Grassau bis Laufen und Trostberg. 1965 wurde er Angestellter und später auch verantwortlich für die Wartung der Waffen und die Ausgabe der Munition. »Hatte ein Verkehrspolizist sein Pfeiferl verloren, dann musste er zu mir kommen, wenn er ein neues wollte«, erzählt er schmunzelnd. Zuletzt gehörten zum Fuhrpark, den er an der Eugen-Rosner Straße mit drei Mechanikermeistern und weiteren Mitarbeitern betreute, rund 120 Fahrzeuge. Als Strohhammer im Jahr 2000 in Ruhestand ging, verabschiedete man ihn mit einem Fest, als wäre er der Polizeipräsident.

Ein leidenschaftlicher Motorradrennfahrer

In seiner Freizeit war er leidenschaftlicher Motorsportler. Er fuhr Seitenwagenrennen – ein gefährlicher Sport, bei dem es immer wieder zu schweren Unfällen kam. Als seine Frau, mit der er inzwischen 64 Jahre verheiratet ist, ihn an seine Verantwortung für sie und die zwei kleinen Kinder erinnerte, verzichtete er auf Motorradrennen, baute sich dafür aber ein Go-Kart. Dieser Sport befriedigte ihn aber nicht. So verstärkte er sein Interesse am Herrichten von Oldtimern. Dank seines Könnens brachte er auch scheinbar hoffnungslose Fälle wieder zum Laufen.

Zwei Monate, nachdem er seine Lehrstelle angetreten hatte, kaufte er sein erstes Fahrzeug. Den ersten Monatslohn von 25 Mark hatte man ihm aus dem Arbeitsmantel im Spind gestohlen, von den 25 Mark im Monat darauf investierte er 20 in eine 300er Zündapp bei einem Schrotthändler in Waging. Er brachte sie zum Laufen und begann bald, Rennen zu fahren.

Strohhammer wollte unbedingt am Oldtimertreffen zur 800-Jahr-Feier Münchens 1958 teilnehmen, brauchte dafür aber einen Oldtimer. Ein Spezl erzählte ihm, dass er einen MG PA, Baujahr 1935, bei einem Schrotthändler in Singen entsorgt hatte – ein hoffnungsloser Fall, sogar die Ölpumpe fehlte. Das Schrottauto bekam Strohhammer kostenlos, eine Ölpumpe trieb er in England auf und machte den Oldtimer tatsächlich wieder flott.

Bei der ersten Europa-Rallye 1965 fuhr er mit seinem MG mit, knüpfte weitere Kontakte, unter anderem mit Oldtimersammler Paul Waldner aus Zürich.

1967 kaufte er seinen ersten Bugatti, den er restaurierte und mit dem er ein Jahr später erstmals fahren konnte. Inzwischen sind einige weitere Bugattis zu seiner Sammlung dazugekommen, dazu Lancias, Fiats und andere Oldtimer sowie etliche historische Motorräder. Zu jedem Fahrzeug weiß er eine Geschichte.

Der Fiat Topolino war der erste wirkliche Volkswagen. Mussolini wollte damit die Motorisierung in Italien vorantreiben – noch ehe Hitler in Deutschland mit dem VW das Gleiche vorhatte. Der Topolino brauchte aber nur halb so viel Sprit wie der VW.

Die seltenen Sportwagen führten Strohhammer in hohe und höchste Kreise. Er plauderte mit Ferruccio Lamborghini (1916 - 1993), der ihn mit Clay Regazzoni bekannt machte, den Schweizer Formel-1-Fahrer, der 1974 Vizeweltmeister wurde. Strohhammer lernte viele weitere Prominente kennen und kann stundenlang über die Begegnungen mit ihnen erzählen.

Im September 1989 sollte in Auer bei Bozen ein Kulturzentrum eingeweiht werden, in dessen Keller das Auslieferungslager Bugattis untergebracht war. Schirmherr war Seine Kaiserliche Hoheit Otto von Habsburg, der Kaiser geworden wäre, hätte die Habsburger-Monarchie nicht abdanken müssen. Doch wie bringt man so jemanden standesgemäß vom Luxushotel Laurin in Bozen nach Auer? Natürlich mit einem Bugatti. Den schönsten fahrbereiten weit und breit hatte Hubert Strohhammer. Er ließ sich nicht lange bitten, brach mit seiner Frau nach Südtirol auf und kam auch gerade noch pünktlich an. Jetzt noch schnell umziehen und dann den prominenten Ehrengast chauffieren. Es pressierte schon ein wengerl, und Strohhammer übersah es, beim Wechseln der Hose auch den Geldbeutel einzustecken. Das merkte er an der Mautstelle der Autobahn.

Dort musste er auch erfahren, dass kaiserliche Hoheiten kein Geld dabeizuhaben pflegen, man also auch die Maut nicht bezahlen konnte. Strohhammer stieg aus mit dem festen Vorsatz, jemanden anzupumpen. Und tatsächlich: Etliche Autos hinter ihm stand ein Oldtimer. Darin saß der Vorsitzende des Motorveteranenclubs Rosenheim, Hans Vetterling. Die beiden kannten sich und natürlich lieh Vetterling ihm den gewünschten Betrag. Kaiserliche Hoheit und Strohhammer konnten auf der Weiterfahrt über diesen Fauxpas herzlich lachen.

- K.O. -

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