VHS und Heimathaus bieten von September bis November eine Reihe von Veranstaltungen an

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Ein gemeinsames Veranstaltungsprogramm in Traunstein zum Jubiläum »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« haben die Volkshochschule und das Heimathaus auf die Beine gestellt. Das Heft in der Hand halten (von links) Dr. Jürgen Eminger, der Leiter des Heimathauses, die VHS-Mitarbeiterin Angela Engel und der VHS-Vorsitzende Altoberbürgermeister Fritz Stahl. (Foto: Pültz)

Traunstein – Mit einer Ausstellung, einer Exkursion und einer Reihe von Vorträgen informieren die Volkshochschule und das Heimathaus in den nächsten drei Monaten über das Zusammenleben von Juden und Christen. Den Anlass für die Veranstaltungen von September bis November in Traunstein gibt das Jubiläum »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«.


Zu diesem Zweck kooperieren die VHS und das Heimathaus. »Das Jubiläumsjahr stellt eine besondere Gelegenheit dar, die viele Jahrhunderte alte Beziehung zwischen Christen und Juden neu ins Bewusstsein zu heben«, betonte Dr. Jürgen Eminger, der Leiter des Heimathauses, gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt.

Die Anfänge jüdischen Lebens in Deutschland sind am Rhein bezeugt. In einer Urkunde des Jahres 321 findet eine Gemeinde in Köln eine erste Erwähnung. Dieser Beleg bildet die Grundlage für die Feierlichkeiten in diesem Jahr. Mit ihrer nun 1700-jährigen Geschichte ist Köln die älteste jüdische Gemeinde nördlich der Alpen.

Zehn Veranstaltungen in drei Monaten

Schon seit vielen Jahren veranstaltet die VHS Traunstein das Studium Generale. In der Veranstaltungsreihe mit wechselnden, allgemeinbildenden Schwerpunkten dreht sich heuer alles um das Jubiläum »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland«. Nachdem in der ersten Hälfte des Jahres – bedingt durch die Auflagen zur Eindämmung der Corona-Pandemie – lediglich drei Veranstaltungen stattfinden konnten, stehen in der zweiten nun zehn auf dem Programm.

Los geht's mit einer Ausstellungseröffnung am 3. Sep-tember im Heimatmuseum. Eminger holt eine Leihausstellung ins Haus, die die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland anbietet. Der Titel lautet »Schalom. Drei Fotografen sehen Deutschland«. Die Idee, die hinter der Präsentation der Ausstellung jetzt in Traunstein stehe, sei gewesen, wie Eminger erläuterte, aufzuzeigen, wie denn die Juden jetzt Jahrzehnte nach dem Holocaust leben. Auf den Aufnahmen sei Banales wie ein Rabbi, der Fußball spielt, ebenso zu sehen wie Beunruhigendes wie Kinder, die in Berlin am Potsdamer Platz ein Hakenkreuz in eine Mauer ritzen.

»Ein Foto sagt mehr als tausend Worte, möchte man meinen, betrachtet man die Momentaufnahmen der drei Fotografen Holger Bierman, Rafael Herlich und Benyamin Reich«, sagt Eminger. Seinen Angaben zufolge werden insgesamt 51 Fotografien im Heimathaus ausgestellt – und zwar vom 3. September bis 10. Oktober.

Auf dem Programm der nächsten drei Monate stehen acht Vorträge. Einer der Höhepunkte ist der Vortrag, den Rabbi Or Zohar am 21. September online hält. Sein Thema lautet »Impressions from the Galilee«.

Kunst und Philosophie stehen dann im Mittelpunkt, wenn Dr. Stefan Schmitt, ein unter den Besuchern der VHS besonders beliebter Referent, an zwei Abenden das Wort ergreift. Über »Ludwig Meidner – 'Apokalyptische Landschaften' und ein Emigrationsschicksal als jüdischer Künstler« spricht er am 28. September und über »Theodor W. Adorno – der weltberühmte Philosoph und Gesellschaftskritiker« am 5. Oktober.

Dr. Annelyse Forst – sie ist neu unter den Dozenten im Studium Generale – gibt am 19. Oktober eine »Einführung in die Welt des Judentums« und befasst sich am 26. Oktober mit den »Frauen im Judentum«. Und am 9. November gibt sie dann Einblicke in die »Aschkenasische Küche«.

Neben der Ausstellung und den Vorträgen steht auch eine Exkursion auf dem Programm. Am 23. Oktober geht's nach Rosenheim auf die Suche nach den Spuren des jüdischen Lebens. Anmeldungen für die Veranstaltungen zum Jubiläum »1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« nimmt die Volkshochschule unter anderem unter Telefon 0861/90 97 16 60 entgegen.

Förderung stehtin Aussicht

Die treibende Kraft für die Kooperation zwischen der Volkshochschule und dem Heimathaus war der VHS-Vorsitzende, Altoberbügermeister Fritz Stahl. Als Ziel gab er aus, aus der Veranstaltungsreihe mit plus minus null herauszukommen. Seinen Angaben zufolge stehen sich Ausgaben wie die Honorare der Referenten und Einnahmen über die Eintrittsgebühren gegenüber. Vor allem aber erfahre die Veranstaltungsreihe eine Förderung. Die VHS Traunstein sei eine von wenigen Volkshochschulen im Lande gewesen, die vom jüdischen Verein »321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« eine Unterstützung in Aussicht gestellt bekommen habe.

Die VHS rechnet laut Mitarbeiterin Angela Engel mit Ausgaben in Höhe von rund 10 900 Euro. Rund 2500 Euro habe die Einrichtung selbst zu finanzieren. Vom Verein »321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland« bekomme die Volkshochschule »am Ende maximal 8400 Euro Fördermittel – je nachdem wie sich Durchführung mit Corona nun noch gestaltet«. pü

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