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Der Chiemgau ist nach wie vor ein beliebtes Urlaubsziel. Lohnenswert ist nicht zuletzt auch ein Spaziergang am Chiemseeufer in Feldwies. Herrlich ist die Aussicht vom Beobachtungsturm Lachsgang. (Foto: Pültz)

Verein Chiemgau Tourismus: »Klasse statt Masse« lautet jetzt das Ziel

Traunstein – Einblicke in die Zahlen der »aufgewühlten Zeit in den letzten zwei Jahren« gab Stephan Semmelmayr, des Geschäftsführer des Vereins Chiemgau Tourismus, am Mittwoch dem Kreisausschuss mit Landrat Siegfried Walch. Weiter erläuterte Semmelmayr die Situation im laufenden Jahr, die geprägt sein werde von dem Motto »Klasse statt Masse«. Nicht mehr die Übernachtungs- und Umsatzzahlen hätten Vorrang, sondern die Wertschöpfung, also die Frage »Wie viel verdienen wir am Gast?« Das Gremium befürwortete anschließend einhellig die seit Jahren übliche »Tourismus-Million«.


An den Übernachtungszahlen während der Corona-Pandemie seien die Erschütterungen zu erkennen, informierte Semmelmayr. 2020 seien noch Rekordzahlen erzielt worden, 2021 »ein dickes Minus«. Der Geschäftsführer erklärte: »Wir haben den gesamten Winter verloren. Der Chiemgau ist eine der wenigen Regionen in Bayern, die winterlastig sind. Ruhpolding, Reit im Winkl und Inzell haben null Umsatz gemacht.« Dennoch stehe der Chiemgau im Vergleich zwischen 2019 und 2021 »gar nicht so schlecht« da. Andere Regionen hätten viel mehr gelitten.

Bayernweit seien die Übernachtungen um 39,6 Prozent zurückgegangen, in der Landeshauptstadt München um 56,6 Prozent, im Bereich Inn/Salzach um 39,4 Prozent. In den Bereichen Chiemsee-Chiemgau und Chiemsee-Alpenland sei der Rückgang bei 24,2 Prozent beziehungsweise 27,6 Prozent gelegen. Als Hauptgrund für das noch relativ gute Abschneiden hierzulande nannte Semmelmayr die Kleinstrukturierung des Übernachtungsangebots mit einem hohen Anteil an Privatquartieren, die während der Pandemie »immer gut gebucht« worden seien.

Zur aktuellen Lage führte der Referent aus: »Unsicherheit ist für die Buchungssituation Gift.« Anfang 2022 seien die Buchungen noch nicht besonders gelaufen, im März deutlich besser. Was den den Sommer betrifft, herrsche noch Unsicherheit – nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen des Kriegs in der Ukraine. Sein Fazit: »Die Menschen sind vorsichtig. Aber der Optimismus kehrt nach und nach zurück.«

Laut Semmelmayr bietet der Chiemgau das richtige Produkt für neue Reisemotive – Regionalität, familiäre Beherbergungsbetriebe, somit alles, was Bayern ausmache. Erstaunlich sei, dass »nach Umfragen 43 Prozent der Leute umwelt- und sozialverträglich reisen wollen«. Und weiter meinte Semmelmayr: »Zwei Drittel der Deutschen planen, 2022 zu verreisen, davon ein Drittel in Deutschland. Das ist eine satte Steigerung. Der Chiemgau wird davon profitieren.«

Zur Mittelverteilung verwies der Tourismus-Experte auf geplante Online-Kampagnen mit einem Anteil von 77 Prozent oder 265.000 Euro gegenüber Kampagnen über Print-Medien, auf die 23 Prozent oder 80.000 Euro entfallen werden. Den Schwerpunkt auf Online begründete Semmelmayr: »Hundert Prozent der 14- bis 29-Jährigen sind online, dazu 98 Prozent der 30- bis 59-Jährigen.« 64 Prozent von allen nutzten ein Mobiltelefon, nur 31 Prozent mit Trend nach unten einen Computer. 70 Prozent der Reisen würden voll digital gebucht.

Insgesamt investiert der Chiemgau Tourismusverein heuer mehr als 1,85 Millionen Euro in die Bewältigung seiner Aufgaben. Neben der Million vom Landkreis kommen 500.000 Euro von den Kommunen. Drittes Finanzierungsstandbein sind Kooperationen und Beteiligungen von Partnern wie Bergbahnen, Brauereien und Golfclubs in einem Gesamtumfang von 200.000 Euro. Weitere knapp 200.000 Euro stammen aus von der EU geförderten Projekten.

Mit Blick auf die Zahlen stellte Landrat Siegfried Walch (CSU) fest: »Wir sind am besten aus der Corona-Krise herausgekommen.« Künftig gelte es, die Authentizität der Region, ihre Echtheit, ihre Natur in den Mittelpunkt zu rücken und nicht wie andernorts »die hundertste Skischaukel zu bauen«. Andreas Füssel (AfD) interessierte sich mehr für das Radwegenetz. Dazu sagte der Landrat, mit den Kommunen sei viel getan worden für eine Premium-Radregion. Die Gemeinden stünden ihr absolut positiv gegenüber – auch, weil die heimische Bevölkerung davon großen Nutzen habe. Dr. Lothar Seissiger (FW/UW) erkundigte sich nach der Rolle des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) bei der Anreise in die Destination Chiemgau. Dazu Semmelmayr: »Deutschland ist eine Autofahrernation. Wir spüren das.« Er verwies auf einen Praktikanten des Vereins, der derzeit prüfe, wie der Chiemgau von München aus per ÖPNV erreicht werden könne.

kd

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