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Unterwegs als Freund und Helfer der Polizei

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Traunstein: Sicherheitswacht unterwegs als Freund und Helfer der Polizei
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Kontrollgänge durch die Stadt Traunstein unternimmt die Sicherheitswacht. Die ehrenamtlichen Helfer der Polizei sind immer zu zweit unterwegs. Auch Katharina Meister und Falk Arneke haben ein wachsames Auge auf das Geschehen. (Foto: Pültz)

Traunstein – In der Stadt nehmen die Dinge heute ihren gewohnten Verlauf. Auf Bürger, die zu tief ins Glas geschaut haben und aus dem Rahmen fallen, oder auf Hundehalter, die die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner nicht mitnehmen, stoßen Katharina Meister und Falk Arneke nicht. Einmal mehr haben sie sich an diesem Tag auf den Weg durch die Stadt gemacht, vier Stunden haben sie ein wachsames Auge auf das Geschehen in Traunstein.


Fußgänger sprechen sie hin und wieder an, schließlich erwecken die beiden in ihrer blauen Unform Vertrauen. Einige Male geben sie bereitwillig Auskunft. Eingreifen und die Polizeiinspektion alarmieren, weil Gefahr im Verzug ist, müssen sie an diesem Tag jedoch nicht.

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Die beiden gehören zu den zurzeit insgesamt sechs ehrenamtlichen Helfern, die sich als Sicherheitswacht in Absprache mit der Polizeiinspektion Traunstein für lediglich eine Aufwandsentschädigung von acht Euro pro Stunde in den Dienst der Gemeinschaft stellen und in der Stadt immer wieder auf Streife gehen. »Ich will den Leuten ein Stück Sicherheit geben«, ist Meister, die im »normalen Leben« Heilpraktikerin ist, gerne bereit, Freizeit zu opfern. Schließlich sei der Streifenpolizist, der früher gang und gäbe war, längst verschwunden. Und Arneke, der sich sein Geld, das er braucht, im Strahlenschutz in Kernkraftwerken verdient, möchte, wie er seine Motivation erklärt, »ein Beispiel geben« und zeigen, dass man nicht weg-, sondern hinschauen sollte.

Im August 2017 hat die Sicherheitswacht in Traunstein ihre Arbeit aufgenommen. Seitdem gehen uniformierte Pärchen regelmäßig durch Stadt, zu unterschiedlichen Tageszeiten einmal vor- und einmal nachmittags, am Abend und in der Nacht. Immer wieder nehmen sie andere Wege durch Traunstein. Die Polizeiinspektion (PI) teile mit, wie Horst Kretz von der PI erläutert, dass sich eine Stippvisite auf der einen Straße oder dem anderen Platz anbietet. Und gemäß diesen Hinweisen legen die Streifen seinen Angaben zufolge die Route jedesmal aufs Neue fest.

Heute haben sich Meister und Arneke zum Streifengang zusammengefunden. Auch am Stadtplatz drehen sie eine Runde, vor der Stadtpfarrkirche St. Oswald und am Rathaus bleibt alles ruhig. An anderen Tagen ist der Streifengang jedoch ereignisreich – und dann ist schnelles, überlegtes Handeln angesagt. Einmal etwa sei sie an einer Eisdiele vorbeigekommen, erzählt Meister, die schon seit August 2017 in der Sicherheitswacht mit von der Partie ist, eine Frau sei im Mund von einer Wespe gestochen worden und sei – verständlicherweise – ganz aufgeregt gewesen. »Ich habe Erste Hilfe geleistet und den Notarzt gerufen.« Er half der Frau – der Job von Meister war erledigt.

Hin und wieder erleben die ehrenamtlichen Helfer der Polizei auch Auseinandersetzungen, die mit Gewalt geführt werden. Aus sicherer Entfernung habe sie eines Nachmittags bemerkt, so Meister, dass sich an einem Brunnen in der Stadt »etwas zusammenbraut«: Zwei Gruppen seinen aufeinandergetroffen, Bierflaschen seien geflogen, ein Gerangel habe sich ergeben. »Ich bin stehen geblieben und habe mir die Sache angeschaut.« Als die Situation zu eskalieren drohte, habe sie schließlich die Polizeiinspektion informiert.

Meister hielt sich dem Geschehen fern – und handelte genau richtig. Denn die Sicherheitswacht habe keineswegs den Auftrag, sich in gewalttätige Auseinandersetzungen einzuschalten, so Polizist Kretz. »Die Sicherheitswacht darf sich selbst nicht in Gefahr bringen.« Sie sei in brenzligen Situationen aufgefordert, sich fernzuhalten, ihre Aufgabe sei in diesen Fällen allein, dann die Polizei zu verständigen.

Lebendig ist die Stadt Traunstein, vielfältig das Geschehen, das mitunter auch das Eingreifen der Sicherheitswacht erforderlich macht. Die einen trinken in aller Öffentlichkeit einen über den Durst und belästigen dann die Mitbürger, die anderen suchen die Stille und die Finsternis der Nacht, um am Fluss die eine oder andere Flasche, die sie geleert haben, einfach liegen zu lassen. Wenn Arneke dazukommt, dann hat er, wie er erzählt, nur ein Ziel: Deeskalation heißt das Zauberwort. Doch zu beschwichtigen, wenn die Gemüter womöglich nach dem Genuss von Alkohol schon kurz vor dem Siedepunkt angekommen sind, ist alles andere als einfach. Schon mal Angst gehabt, dass der Einsatz schief läuft? Arneke winkt ab. »Nein«, sagt er.

Wenn's einmal brenzlig wird, dann kommt Arneke, Meister und ihren Kollegen von der Sicherheitswacht die Ausbildung zugute: Eine Schulung durch die Polizei haben sie alle durchlaufen, ehe sie ihren Dienst als ehrenamtliche Helfer und Freunde der Polizei antraten – und so lassen sich Falk Arneke und Katharina Meister auch nicht provozieren. »Im Fasching hat mich jemand angesprochen und mir gesagt, dass er die Verkleidung, die ich trage, toll findet«, erzählt Meister. »Ich habe ihm dann gesagt, dass er auch so toll verkleidet ist, wenn er zur Polizei geht und sich der Sicherheitswacht anschließt.«

Weitere Helfer gesucht

Die Polizeiinspektion sucht weitere Helfer, die sich ehrenamtlich als Sicherheitswacht engagieren wollen. Katharina Meister und Falk Arneke sind gerne bereit, über ihre Arbeit zu berichten. Auskünfte gibt Horst Kretz von der Polizeiinspektion Traunstein unter Telefon 0861/9873 141.