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Unglaubliche Notrufe: »Kann mir die Feuerwehr beim Umzug helfen?«

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Foto: Jens Kalaene/dpa

Die meisten Notrufe, die bei der Integrierten Leitstelle (ILS) Traunstein eingehen, entspringen echten Notsituationen. Aber es sind immer wieder welche dabei, die die Nerven der Disponenten strapazieren. ILS-Betriebsleiter Anton Groschak zitierte in der Sitzung des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung eine Frau: »Kann mir die Feuerwehr beim Umzug helfen?«


Im Bereich Rettungsdienst würden die Disponenten gezielt geschult, am Telefon die Lage genau zu erkunden, überflüssige Einsätze zu vermeiden beziehungsweise lebensrettende Wartezeiten bis zum Eintreffen eines Notarztes mit Anleitung zu Erster Hilfe zu überbrücken. Anton Groschak hatte ein äußerst erfreuliches Beispiel aus dem vergangenen Jahr parat zu den 120 Fällen mit telefonischer Anleitung zu Wiederbelebungsmaßnahmen. Es ging bei dem Anruf aus dem Landkreis Altötting um Leben oder Tod eines zusammengebrochenen Schneeschauflers mit Herzstillstand. Dank der Hinweise via Telefon aus der ILS zu Reanimation und Herzdruckmassage konnte der junge Patient gerettet werden.

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Der Zweckverband ist für die Landkreise Traunstein, Altötting, Berchtesgadener Land und Mühldorf zuständig. In der Verbandsversammlung informierte Betriebsleiter Groschak, die ILS könne nächstes Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiern. Die Leitstelle sei bei über 250 000 Notrufen pro Jahr über 70 ISDN-Leitungen erster Ansprechpartner für Bürger in akuten Notsituationen, leider aber auch für »vermeintliche Notfälle«. Der Rettungsdienst stehe vor immer größer werdenden Herausforderungen, aber auch stetig steigenden Einsatzzahlen.

Eine der großen Aufgaben für die Zukunft werde sein, auf die sich ausbreitende »Vollkasko-Mentalität« in der Bevölkerung zu reagieren. Groschak stellte die Frage: »Wie schafft man es, trotz ständig steigender Notrufzahlen und steigender Anspruchshaltung die präklinische Notfallversorgung in ihrer hochwertigen Form zu sichern?« Die Möglichkeiten in der telefonischen Abfrage durch die Disponenten seien begrenzt: »Wir müssen glauben, was uns gesagt wird.« Schon im vergangenen Jahr habe die Leitstelle begonnen mit Effizienzsteigerung bei gleichzeitiger Qualitätsoptimierung – durch spezielles Schulen ihrer Mitarbeiter. Es gilt, in der Kürze der Zeit, maximale Informationen zu erheben, Anrufern Hilfestellungen zu geben und zu Erster Hilfe zu animieren. Dadurch sollten nicht zuletzt auch wertvolle Ressourcen geschont werden.

Groschak belegte erste Erfolge. So habe in den letzten drei Jahren trotz mehr Notrufen die Zahl der Rettungshubschraubereinsätze um 300 verringert und im Vergleich zu 2017 mit 1296 nahezu unverändert gehalten werden können. Zum Vergleich: Im Jahr 2012 wurden 1605 Einsätze von »Christoph 14« verzeichnet. Durch den 2016 eingeführten Dispositionsleitfaden »Luftrettung« steht dieses Rettungsmittel noch mehr für absolut zeitkritische Einsätze zur Verfügung.

Die ILS Traunstein bearbeitete laut Groschak im vergangenen Jahr insgesamt 85 324 Einsätze, minimal weniger als im Vorjahr. Davon entfielen 5437 auf die Feuerwehralarmierung und 79 887 auf den Rettungsdienst. Die Zahl der Notarzteinsätze mit 15 946 und die der Notfalleinsätze mit 16 046 blieben knapp unter den bisherigen Werten. Einen leichten Rückgang gab es bei den 42 374 Krankentransporten im Verbandsgebiet. Durch den Traumsommer im vergangenen Jahr kam es zu 1094 Bergrettungseinsätzen, knapp zehn Prozent mehr als 2017, und zu 230 Wasserrettungseinsätzen, 38 Prozent mehr.

Im Sektor Feuerwehr fielen 1449 Brandeinsätze an, 3574 Technische Hilfeleistungen und 414 »sonstige Einsätze«. Der Betriebsleiter berichtete von einigen »Höhepunkten« anlässlich der Schneekatastrophe. Die ILS habe unter Volllast mit hohem Notrufaufkommen im Hintergrund gearbeitet. Mitarbeiter hätten teils in der Leitstelle übernachtet, um den Anforderungen gerecht zu werden. Sogar in diesen Extremsituationen sei man konfrontiert worden mit Anfragen wie: »Warum schickt ihr keine Feuerwehr zum Schneeräumen? Wir haben doch eine Berufsfeuerwehr, die eh nur den ganzen Tag rumsitzt.« Der Betriebschef sagte dazu: »Unsere Feuerwehrleute arbeiten ehrenamtlich.« Andere Anrufer wollten wissen: »Räumt mir die Feuerwehr den Schnee, den sie vorher vom Dach geschaufelt hat, vor meinem Wintergarten wieder weg?« oder »Die Feuerwehr kann mir doch das Dach abräumen? Beim Nachbarn wurde auch abgeräumt.« Der Kommentar Groschaks: »Auf Nachfrage konnte keine Gefahr für das betreffende Gebäude festgestellt werden.« kd