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Umbau in St. Oswald: In den Verflechtungen von Liturgie und Raumgestaltung

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Traunstein: Kirchenstiftung will Balustraden in St. Oswald entfernen – Einwände gegen Umbau
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Aus dem Inseldom Herrenchiemsee stammen die Balustraden in der Stadtpfarrkirche St. Oswald. Im Zuge von Maßnahmen zur Verbesserung der Liturgie will die Kirchenstiftung die niedrigen Säulen mit Abdeckung entfernen. Das Landesamt für Denkmalpflege und Stadtheimatpflegerin Dr. Lydia Großpietsch brechen jedoch eine Lanze dafür, sie an Ort und Stelle zu erhalten. (Foto: Pültz)

Traunstein – Vier Balustraden in der Pfarrkirche St. Oswald sorgen für Diskussionen. Die Kirchenstiftung will die niedrigen Stützen mit Abdeckung aus dem Gotteshaus entfernen, die aus dem Inseldom Herrenchiemsee stammen und nach der Säkularisation nach Traunstein gekommen sind. Sie plane bauliche Veränderungen, so Pfarrer Georg Lindl, um die Liturgie zu verbessern. Ihr bläst jedoch Gegenwind ins Gesicht.


Insbesondere das Landesamt für Denkmalpflege und Stadtheimatpflegerin Dr. Lydia Großpietsch stellen sich gegen das Projekt und haben sich für den Erhalt der in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts angefertigten Balustraden an Ort und Stelle ausgesprochen. Die Entscheidung fällt am heutigen Donnerstag, wenn sich der Bauausschuss des Stadtrats der Sache annimmt.

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1811 erwarb die Stadt unter anderem Steinbalustraden der kurz zuvor säkularisierten Dom- und Stiftskirche auf der Herreninsel und ließ sie in nachbarocker Manier – in stilgleicher Ergänzung des Kircheninneren – als Abschluss des Chors wie auch der Seitenaltäre und -kapellen einbauen. Nach dem Stadtbrand 1851 wurde die damals weitgehend schmucklose Gewölbezone lediglich farbig umgestaltet sowie das heute noch im Langhaus vorhandene Gestühl eingebaut.

Die Pfarrkirche St. Oswald ist schon seit geraumer Zeit eine Baustelle. Das Ende der Generalsanierung kommt allerdings allmählich in Sicht. Stadtpfarrer Georg Lindl ist zuversichtlich, das Gotteshaus wie geplant Ende des Jahres wiedereröffnen zu können.

Auf dem langen Weg der Erneuerungen sieht sich der Stadtpfarrer nun vor einem großen Hindernis: Im Zuge der Baumaßnahmen möchte er auch die Voraussetzungen für die Liturgie verbessern. Doch die alten Balustraden, die – jeweils zwei an der Zahl – am südlichen wie auch am nördlichen Rand des Übergangs vom Chor zum Kirchenschiff angebracht sind, stehen im Weg.

Geplant sei, so Lindl, die unterste Stufe der Treppe, die hinab zu den Kirchenbänken führt, in den Raum zu verlängern. Der Hintergrund: Auf dieser dann breiten Stufe kann der Pfarrer dann auf der einen Seite das Mikrofon und auf der anderen den Ambo aufstellen – womit er dann letztlich in der Liturgie näher bei den Gottesdienstbesuchern steht.

Marmor passt nicht zu Holz

Der Stadtpfarrer macht aber auch kein Hehl daraus, dass die Balustraden, die er entfernen will, seiner Ansicht nach nicht so recht ins Gotteshaus passen. Schließlich seien sie früher in einer anderen Kirche gestanden – mit der Folge, dass sie in ihrer Ausfertigung dem späteren, dem heutigen Umfeld nicht entsprechen. Und so sagt Lindl etwa auch mit Blick auf die am südlichen Rand angebrachten Stützen, dass sie aus Stein gefertigt seien – dass sie aber unmittelbar neben dem Seitenaltar aus Holz stehen.

Wenn er denn gefragt werden würde, würde er die Balustraden, wie er sagt, »liebend gerne« wieder an den Inseldom abgegeben. Doch Lindl rechnet nicht damit, dass er eine derartige Anfrage erhält. Und so plant er, die Balustraden zu entfernen und sie dann ins Depot zu bringen, das das Diö-zesanmuseum in Neumarkt-St. Veit unterhält.

An dem Projekt scheiden sich die Geister. »Auch wenn sich das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege einer Neugestaltung der liturgischen Orte in St. Oswald keinesfalls verschließt, spricht es sich nachdrücklich gegen den Abbau besagter Marmorbalustraden und für deren Erhaltung an ihrem originären Standort aus«, sagt Juliane Grimm-von Wedemeyer, die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Behörde in München. »Sie haben eine hohe geschichtliche Bedeutung und tragen einen großen Anteil am künstlerisch einheitlichen Erscheinungsbild des historischen Kirchenraums.« Einer Diskussion alternativer Planungsansätze stünde das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege aber positiv gegenüber.

»Elementar für die Raumgestaltung«

Die Balustraden aus Adneter Rotkalk zeichnen sich laut Grimm - von Wedemeyer »durch hohe kunsthandwerkliche Qualität aus« und zählen mit den beiden Seitenaltären »zu dem mit am längsten in St. Oswald erhaltenen, ältesten Ausstattungsbestand«. Sie seien »elementar für die Raumgestaltung«. Ihr Abbau würde die seit 1811 gegebene Situation des historischen Kirchenraums »empfindlich beinträchtigen«.

Das Landesamt für Denkmalpflege steht der Pfarrei laut der Pressesprecherin für »lösungsorientierte Gespräche« zur Verfügung. Die Behörde biete ihre Beratung bei der Erarbeitung einer Alternative für die Neugestaltung der liturgischen Orte an, »welche die Marmorbalustraden an ihrem originären Standort beließe und respektvoll darin einbindet«.

Auch Traunsteins Stadtheimatpflegerin Dr. Lydia Großpietsch spricht sich für einen Erhalt der säulenartigen Stützen an Ort und Stelle aus. Die barocken Balustraden aus dem Inseldom seien ein »bewusster künstlerischer Ausgangspunkt für die barockisierende Ausgestaltung« von St. Oswald gewesen, die sich heute noch durch den gesamte Kirchenraum zieht.

Bei einer Entfernung der rund 350 Jahre alten Marmorbalustraden würde das »neobarocke Raumkonzept, das bei der laufenden Restaurierung ja generell nicht in Frage gestellt wird, massiv beeinträchtigt«. Ein Abbau wäre ein »substanzieller Verlust für die Geschichtlichkeit des Kirchenraums«. In diesem Fall würde man der Kirche einen »wesentlichen Teil ihrer Ausgestaltung nehmen«.

»Auch wenn ich es natürlich anerkenne, dass die Kirche frei ist, ihre Liturgie nach ihren Grundsätzen zu gestalten, so halte ich es aus der Sicht der Heimatpflege für keinesfalls vertretbar, die Balustraden abzureißen«, so Dr. Großpietsch. Und weiter sagt die Stadtheimatpflegerin: »Ich bitte auch im Namen vieler Kirchengemeindemitglieder die kirchlichen Vertreter inständig, vom derzeitigen Antrag Abstand zu nehmen und mit dem Landesamt für Denkmalpflege das Gespräch zu suchen, um einen für beide Seiten gangbaren Weg zu beschreiten.«

Auch aus den Reihen der Mitglieder der Pfarrgemeinde kommt Kritik. So fordert Raphael Baumann nun die Stadt auf, die Balustraden als Teil der »regional- und kunstgeschichtlich wichtigen Kirchenausstattung des Inseldoms« in Traunstein zu halten. Er sieht die Stadt in der Verantwortung, die Kirche dabei zu unterstützen, dass die Spuren, die die Säkularisation hinterlassen hat, nicht noch weiter vertieft werden. pü

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