Traunsteiner Schnaps prämiert – »Aromenvielfalt in der Flasche«

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Fruchtig aromatisch und rauchig-torfig – so beschreibt Kajetan Schnitzer (rechts) von der gleichnamigen Destillerie den Obstbrand im Whiskeyfass, der bei den »World Brandy Awards« mit der Bestnote ausgezeichnet wurde. Er und sein Bruder Stefan (links) sind vor sechs Jahren in den Familienbetrieb eingestiegen.

Traunstein – Traunsteiner Schnaps auf internationaler Bühne im Rampenlicht: Fruchtig-aromatisch und rauchig-torfig ist der Obstbrand im Whiskeyfass der Destillerie Schnitzer aus Kaltenbach. Der Schnaps wurde bei den Internationalen World Brandy Awards in London ausgezeichnet – und das mit Bestnote. Der Brand belegte nicht nur einen ersten Platz in der Kategorie »Früchte«, sondern wurde sogar zusätzlich mit dem Sonderpreis »World's Best Fruit« – weltbester Obstbrand – gekürt.


Etwas versteckt zwischen Kammer und Nußdorf liegt der Hof der Familie. Seit knapp 100 Jahren brennen die Schnitzers Schnaps. Vor sechs Jahren ist Kajetan Schnitzer zusammen mit seinem Bruder Stefan in die Familienbrennerei eingestiegen. Bislang läuft der Betrieb im Nebenerwerb, aber das soll sich laut Kajetan ändern. Der 26-Jährige möchte nach seinem Masterabschluss die Destillerie ausbauen und so sein Hobby zum Beruf machen.

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Mit 19 hat der Traunsteiner die dreimonatige Ausbildung zum Edelbrandsommelier absolviert, sein Bruder 2018. Seitdem haben die beiden das Sortiment des kleinen Betriebs auf 25 klare Destillate – Brände und Geiste – erweitert. Viele Rezepte haben die beiden von ihrem Großvater Hans übernommen – aber auch viel Neues kreiert. Darunter der Obstbrand im Whiskey-Fass oder der Gin London Dry.

»Ein Gin ist im Grunde ein Wacholder-Kräuter-Geist«, erklärt Kajetan Schnitzer. Mit einem solchen wollten er und sein Bruder Stefan eigentlich bei den »World Brandy Awards« in London antreten. Den Obstbrand im Whiskeyfass hatten die beiden nur zusätzlich »mit eingeschickt«. Doch am Ende kam alles etwas anders: Ihr Gin wurde mit einer Silber Medaille in der »Königsdisziplin« »London Dry Gin« ausgezeichnet und der eigentliche Star des Wettbewerbs war ihr Obstbrand im Whiskyfass.

Mit dem Brand wollten die Brüder in ihrem Sortiment ein Angebot für Whiskey-Liebhaber aufnehmen. Mit Bränden von Williamsbirne, Apfel, Zwetsche, Marille und Quittenbrände haben sie dafür die richtige Kombination gefunden. Warum die Brüder genau aus diesen Bränden den jetzt prämierten Obstbrand im Whiskeyfass kreierten, erklärt Kajetan Schnitzer so: »Wir wollen so das Positive der einzelnen Obstbrände kombinieren und am Ende das Beste rausholen.« Riecht man an diesem besonderen Brand, so kommen zuerst die verspielten Fruchtaromen und die Süße zum Vorschein. »Die Birnenaromatik riecht man sofort«, sagt der 26-Jährige. Auch den Duft der Zwetschge – ein Bittermandelaroma – könne man erriechen. Erst dann komme der rauchige Geschmack des Whiskeys, erklärt er. Beim ersten Schluck des Brands schmecke man zuerst die Fruchtsüße, vor allem das Leichte der Marille und der Quitte, so Schnitzer. Erst beim Runterschlucken komme das schwere, rauchige des Whiskeyaromas.

Die jeweiligen Brände reifen zuerst einzeln für sechs Monate in einem Steingutgefäß, bevor sie dann als Cuvée – die Mischung der fünf Brände – sechs Monate in einem Whiskeyfass lagern. Erst dann hat der Brand die Reife und das Aroma, damit er abgefüllt werden kann, beschreibt Kajetan Schnitzer den Herstellungsprozess. Weil in der Destillerie Schnitzer kein Whiskey produziert wird, kaufen Kajetan und sein Bruder Stefan die Fässer für ihren Obstbrand von der berühmten Whiskeybrennerei »Laphroaig Distillery« auf der schottischen Insel Islay. Von dort komme einfach einer der besten und kräftigsten Whiskeys, so der 26-Jährige.

Das Obst ihrer Brände stammt überwiegend aus der Region – nur einzelne Sorten, die in der Gegend nicht wachsen, lassen sich die Traunsteiner liefern. So komme beispielsweise die Williamsbirne vom Bodensee oder die Marille aus der Wachau. Kajetan und Stefan Schnitzer probieren in ihrer Schnapsbrennerei viel aus – wegschütten mussten sie aber bisher keines ihrer »Experimente«. »Klar, probiert man sich mal in den Mengenangaben aus, aber durch unser Wissen und Erfahrung, gepaart mit den hochwertigen Rohstoffen, waren die Ergebnisse bisher immer hervorragend«, ist der 26-Jährige überzeugt.

Neue Kreationen testet er oft zusammen mit seinen Freunden – Schnaps ist für ihn ein Genussmittel – Aromenvielfalt der Natur festgehalten in der Flasche und nicht etwas das man einfach nur »runterkippt«. Ein Getränk, das man für sich allein beispielsweise abends auf der Terrasse oder zusammen mit Familie oder Freunden genießt. Die Edelbrände sollen schmecken und wertgeschätzt werden – es ist etwas, worüber man philosophieren könne, sagt der Schnapsbrenner. aha

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