weather-image
15°

Traunstein beschränkt Industriegebiet-Erweiterung auf neun Hektar

4.0
4.0
Bildtext einblenden
Ursprünglich wollte die Stadt 29 Hektar als Gewerbegebiet ausweisen (im Bild blau schraffiert). Jetzt werden es nur noch 9 Hektar (weiße Fläche). (Foto: Montage, Google Maps-Screenshot)

Traunstein – Die Stadt ändert ihre Pläne für die Erweiterung des Gewerbegebiets an der Industriestraße: Nicht mehr 29 Hektar will sie hinzunehmen, sondern nur noch neun. Der Grund: Mit der Haselmaus und der Zauneidechse hat man in diesem Bereich zwei geschützte Tierarten gefunden.


Mit 19:5-Stimmen hat der Stadtrat am Donnerstag beschlossen, die beabsichtigte Ausdehnung des Gewerbegebietes im Rahmen der Änderung des Flächennutzungsplanes zu verringern. Dagegen votierten Walburga Mörtl-Körner, Wilfried Schott und Thomas Stadler von Bündnis 90/Die Grünen sowie Ulrike Hoernes und Dr. Thomas Graf von der Traunsteiner Liste.

Anzeige

Der Umgriff der Erweiterung sollte ursprünglich bis zur nördlichen Gemarkungsgrenze erfolgen. Im Oktober kam dann aber ein Sachstandsbericht zum Ergebnis der faunistischen Erfassung und artenschutzrechtlichen Prüfung im Stadtrat zur Sprache: Entdeckt hatte man die Haselmaus und die Zauneidechse – womit eine kurzfristige Realisierung der geplanten Erweiterung des Gewerbegebiets nicht mehr möglich war.

Diese Tierarten hätten Ausgleichsmaßnahmen erfordert, die – wie Oberbürgermeister Christian Kegel am Donnerstag im Stadtrat betonte – drei, fünf oder gar sieben Jahre in Anspruch genommen hätten. Um zeitnah zu neuen Flächen zu kommen, die die Betriebe dringend benötigen, schlug er vor, das Gewerbegebiet nicht um 29, sonden nur um neun Hektar zu vergrößern – womit die Erweiterung »deutlich schneller« vonstatten gehen könne. Dringend erforderlich ist nach Ansicht von Kegel insbesondere auch die geplante zweite Zufahrt zum Gewerbegebiet über einen Kreisverkehr.

»Wie lange schauen wir noch zu, wie Betrieb um Betrieb geht?«  

Zum Artikel »»

Ernst Harrecker (CSU) sagte, es sei »schade, dass wir die Salami-Taktik anwenden müssen«. Schott kann sich nicht vorstellen, wie er ausführte, dass der Bund Naturschutz nachgibt und der verkleinerten Erweiterung zustimmt. Und weiter: »Die Stadt weist munter immer wieder Gewerbegebiete aus. Damit macht sie sich nicht zukunftsfähig.«

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) entgegnete Schott, dass sich die Stadt mit der Erweiterung des Gewerbegebietes sehr wohl zukunftsorientiert aufstelle. Andere Kommune blicken ihren Angaben zufolge voraus und weisen Gewerbe- und Wohngebiete aus. Traunstein schlage den gleichen Weg ein. Insbesondere warb sie dafür, den heimischen Betrieben eine Möglichkeit zur Entfaltung zu geben. »Wir haben heimisches Gewerbe, das sich dort ansiedeln will.«

»Wir müssen nicht nur die Ökonomie beachten, sondern auch die Ökologie«, meinte hingegen Mörtl-Körner. Und sie erinnerte an den Klimawandel, der immer weiter voranschreite. Jeder Wald habe überaus wichtige Funktionen. Er reinige zum Beispiel nicht nur die Luft, sondern sei auch ein Garant für die Artenvielfalt. Mörtl-Körner hielt vor allem auch den Aufwand für den geplanten Kreisverkehr für viel zu hoch. Sie plädiert hingegen dafür, »mit dem auszukommen, was wir haben«.

Kegel warf in die Diskussion ein, dass nicht zuletzt auch an die Arbeits- und Ausbildungsplätze zu denken sei, die die heimischen Betriebe anbieten. Und Wiesholler-Niederlöhner erinnerte daran, dass für Wald, der durch die Erweiterung des Gewerbegebiets verloren geht, im Rahmen des erforderlichen Ausgleichs Wald an anderer Stelle entsteht. »Wir haben 650 Hektar Wald – und der wird nicht weniger«. Robert Sattler (SPD) sah die Chance, Fichte durch Tanne zu ersetzen, die wesentlich mehr Wasser aufnehmen könne.

Karl Schulz (CSU) sagte: »Wir haben Firmen, die umsiedeln wollen« – und zwar deswegen, weil sie wachsen möchten. Diesen Betrieben müsse die Stadt die Möglichkeit geben, ihre Ziele zu erreichen. Ganz und gar nicht einverstanden sei er mit der Argumentation, zu sagen »Mir ist wurscht, wo die Firma Wolfram ist, ob in Traunstein oder in Nußdorf«.