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Tiefgarage am Karl-Theodor-Platz und Umgestaltung der Marienstraße diskutiert

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Traunstein: Tiefgarage am Karl-Theodor-Platz und Umgestaltung der Marienstraße diskutiert
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Derzeit gibt es am Karl-Theodor-Platz 265 Stellplätze, mit einer Tiefgarage könnten es 450 werden. Die Kosten würden sich nach ersten Schätzungen auf rund 12,8 Millionen Euro belaufen. (Foto: Reiter)

Traunstein – Es war eine ruhige Stadtratssitzung, bei der die meisten Tagesordnungspunkte einhellig und ohne Wortbeiträge abgesegnet wurden. Nur bei zwei Themen wurde diskutiert: dem Karl-Theodor-Platz und der Marienstraße.


Das ehemalige Juhasz-Gebäude steht seit über 20 Jahren leer. Nun hat sich der Eigentümer an die Stadt gewandt. Er würde sich wünschen, dass auch schwere Lastwagen in die Marienstraße fahren können, damit eine Anlieferung von Gütern möglich wird.

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Dafür müssten auf der Seite des Gebäudes aber 17 Parkplätze wegfallen, auf der anderen Seite vier. Außerdem war angedacht, an der Marienstraße einen sogenannten geteilten Verkehrsraum (Shared Space) auszuweisen, also eine Fahrbahn für Radfahrer und Autofahrer. Das hatte der Stadtrat bereits im Juli beschlossen. Nun ist alles wieder auf Anfang. Zunächst einmal soll es eine Anliegerversammlung geben.

40-Tonner in einer Stadt nicht zeitgemäß

Oberbürgermeister Christian Kegel betonte in dem Zusammenhang, dass es wünschenswert wäre, die Marienstraße zu beleben und attraktiver zu machen. Die verkehrsrechtlichen Änderungen würden erst umgesetzt, »wenn in dem Geschäft wer drin ist«.

Ernst Haider (UW) fand 40-Tonner in einer Stadt »nicht zeitgemäß«. Er schlug vor, die Anlieferung nur bis zu einem 7,5-Tonner zu erlauben.

Sein Fraktionskollege Josef Kaiser sprach sich ebenfalls für Kleinlastwagen aus. Außerdem fragte er, warum nicht in den frühen Morgenstunden und am Abend angeliefert werden könne. »Da ist die Marienstraße leer. Das machen andere doch auch so«, betonte er. Während der Öffnungszeiten seien Kunden im Geschäft, »da will ich doch eh keine Anlieferung«, verstand er den Antrag des Eigentümers nicht ganz.

Christian Hümmer (CSU) war der Meinung, dass man die Marienstraße erst angehen sollte, wenn in der Stadt genügend Parkplätze vorhanden seien. »Das wäre von der Reihenfolge her der richtige Schritt.«

Dritte Bürgermeisterin Traudl Wiesholler-Niederlöhner (SPD) betonte, dass dies ja nie anders zur Diskussion gestanden habe. Sie sprach sich für ein Gesamtkonzept an der Marienstraße aus. »Wir dürfen die Maßnahmen nicht isoliert sehen.«

Eine Gesamtentwicklung sei durchaus wünschenswert, betonte der Oberbürgermeister. »Doch wir haben auch die Anlieger. Das sieht derzeit nicht nach einheitlichen Wünschen aus«, gab Christian Kegel zu bedenken. Letztlich wurde der Punkt zurückgestellt. Zunächst einmal soll es eine Anliegerversammlung geben.

Ein Beschluss gefasst wurde in Sachen Karl-Theodor-Platz – hier sollen nun Überlegungen für eine Tiefgarage angestellt werden, weil es bei einem Parkdeck wegen städtebaulicher und denkmalfachlicher Bedenken der Regierung von Oberbayern voraussichtlich keine Förderung geben würde. Die Verwaltung schätzt die Kosten für eine zweigeschoßige Tiefgarage mit 450 Stellplätzen auf 12,8 Millionen Euro, wobei laut Stadt mit einer Förderung von 60 Prozent gerechnet werden kann. Derzeit gibt es 265 Stellplätze am »Parkplatz Nummer eins« (OB Kegel) in Traunstein.

Burgi Mörtl-Körner (Grüne) betonte, dass ihr beide Varianten nicht gefielen. »Oberirdisch nicht, wegen des schönen Ensembles und unterirdisch nicht, wegen der hohen Kosten.« Sie würde den Karl-Theodor-Platz so belassen wie bisher und einen Shuttlebus vom Festplatz einsetzen.

Oberbürgermeister Christian Kegel ist der Meinung, dass beides kommen sollte – also ein Shuttlebus vom Festplatz und eine Tiefgarage am Karl-Theodor-Platz. Für Leute, die zum Einkaufen in die Große Kreisstadt kommen, sei der Karl-Theodor-Platz »einfach ideal, näher geht es nicht«.

Zu hohe Kosten und schwer zu kalkulieren

Dr. Thomas Graf (Traunsteiner Liste) und Wilfried Schott (Grüne) sprachen in Zusammenhang mit einem Shuttlebus von einer zukunftsfähigen Angelegenheit. Beide waren gegen eine Tiefgarage, vor allem wegen der hohen Kosten, die noch dazu schwer zu kalkulieren seien.

Dr. Christian Hümmer sah das Problem in der Vielzahl der Möglichkeiten. »Wir haben den Karl-Theodor-Platz, das Parkhaus am Klosterberg, den Festplatz und die Scheibenstraße.« Die Frage sei: »Welchen Weg gehen wir und mit welchem Ziel.« Er wünschte sich ein strukturierteres Vorgehen und stellte einen Antrag, der allerdings mit 11 zu 12 Stimmen nicht angenommen wurde. Unter anderem schlug er »verschiedene Alternativen eines Gesamtkonzepts für den Karl-Theodor-Platz« vor.

Traudl Wiesholler-Niederlöhner betonte, dass das Parkhaus am Klosterberg nichts mit der Stadt zu tun habe. »Das ist privat.« Sie war verärgert über die Art und Weise, »wie jetzt wieder versucht wird, das Ganze zu verhindern.« Im Planungsausschuss hätten bis auf Burgi Mörtl-Körner noch alle dafür gestimmt.

Karl Schulz (CSU) sprach von einem »großen Fehler« des Gremiums. »Wir zerreden schon wieder alles. Wir sind doch gerade erst in der Grundlagenermittlung«, be- tonte er. »Wir wissen noch gar nicht, ob eine Tiefgarage überhaupt möglich ist.« Deshalb sei es viel zu früh, etwas auszuschließen.

Ähnlich äußerte sich auch Josef Kaiser. »Andere Städte schaffen das doch auch. Ob wir immer so viel reden müssen, weiß ich wirklich nicht.«

Robert Sattler (SPD) stellte letztlich einen Antrag auf Ende der Debatte, der einhellig angenommen wurde. Die Verwaltung wurde beauftragt, die Überlegungen zur Errichtung einer Tiefgarage weiterzuverfolgen und ein Planungsbüro mit der Erarbeitung eines Vorentwurfs zu beauftragen. Dagegen stimmten die Traunsteiner Liste und die Grünen. KR