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Katharina Hoffmann feierte ihren 95. Geburtstag.

Tanzen war früher ihre große Leidenschaft: Traunsteinerin wird 95

Traunstein – Wer ihr gegenüber sitzt und hört, wie anschaulich und lebendig sie aus ihrem Leben erzählt, der mag kaum glauben, dass Katharina Hoffmann soeben ihren 95. Geburtstag gefeiert hat. Nach zwei komplizierten Beinbrüchen innerhalb weniger Wochen ist sie seit einem Jahr zwar auf einen Rollator angewiesen, doch geistig ist sie noch topfit und voller Lebensfreude. 


Geboren wurde Katharina Hoffmann am 27. Dezember 1926 in Kreuth am Tegernsee. Nach dem frühen Tod des Vaters siedelte die Familie 1933 nach Traunstein über, wo Katharina die Volksschule besuchte und danach ein sogenanntes »Pflichtjahr« absolvierte, meist als Haushaltshilfe bei fremden Leuten. Eine Ausbildung zur Köchin musste sie abbrechen, als sie zum »Reichsarbeitsdienst« eingezogen und nach Kallmünz bei Regensburg geschickt wurde, wo sie Bauern beim Flachsziehen half oder in einer Schreinerei half, Tische für die Messerschmitt-Werke herzustellen.

Zurück nach Traunstein kam sie, nachdem ihre Mutter die Leitung der für die Traunsteiner Lazarette zuständigen Küche übernommen hatte. Hier musste sie die Diätkost für Soldaten zubereiten, die im unteren Gesichtsbereich verwundet waren und nur per Schlauch ernährt werden konnten. Schreckliche Anblicke, die sie bis heute nicht vergessen kann. Schwere Zeiten brachen auch an, als ihre Mutter durch einen Unfall einen Fuß verlor und die Rückkehr des Stiefvaters aus der Kriegsgefangenschaft bis 1948 auf sich warten ließ.

Schon damals eine leidenschaftliche Tänzerin, lernte sie 1951 in der Wandelhalle, die sich an der Stelle der heutigen Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule erstreckte, ihren späteren Ehemann kennen. Beide waren sie ab 1957 bei den Körting-Werken in Grassau beschäftigt und fuhren bis ins hohe Alter regelmäßig zum Tanzen ins Ruhpoldinger Kurhaus.

Obwohl sie seit dem Tod ihres Mannes 2011 alleine lebt, kennt sie auch heute keine Langeweile. Unterstützt von hilfsbereiten Nachbarn und einem Pflegedienst, kann sie einen kleinen Teil ihrer Hausarbeit noch selbst erledigen. Vielseitig interessiert wartet sie gespannt auf das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen und freut sich auf die Lektüre der Wildwest-Romane, die sie zum Geburtstag geschenkt bekommen hat.

Wolfgang Schweiger

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