weather-image

Studienseminar wird in Bildungscampus umgebaut – Gebäude aus Lehm

5.0
5.0
Studienseminar wird in Bildungscampus umgebaut – Gebäude aus Lehm
Bildtext einblenden
Die Pläne für den Um- und Ausbau des Studienseminars zum Campus St. Michael als christliche Bildungseinrichtung für Kinder, Jugendliche und Familien erläuterten am Montag (von links) Dr. Sandra Krump, die Vorsitzende des Stiftungsrats des Studienseminars, Architektin Anna Heringer und Wolfgang Dinglreiter, der Stiftungsdirektor und Leiter des Studienseminars. (Foto: Pültz)

Traunstein – Eine neue große Baustelle in Traunstein eröffnet die Stiftung Erzbischöfliches Studienseminar St. Michael: Sie geht daran, das Studienseminar in einen Bildungscampus christlicher Prägung um- und auszubauen.


»St. Michael, das für die Erzdiözese schon immer ein besonderer und wichtiger Ort war, wollen wir weiterentwickeln zu einem Campus, an dem erlebbar wird, wie Zukunft aus christlichem Geist gestaltet werden kann«, sagte Dr. Sandra Krump, die Vorsitzende des Stiftungsrats und Ressortleiterin Bildung im Ordinariat, am Montag bei der Präsentation der Pläne im Studienseminar. Sie freue sich sehr, »dass diese wegweisenden Ideen nun Gestalt annehmen«.

Anzeige

Bauherr für die Umgestaltung in den Jahren 2020 bis einschließlich 2023 ist die Stiftung. Die Finanzierung läuft über die Erzdiözese München und Freising. Bauherr und Geldgeber wollen, wie sie mitteilen, eine innovative, christliche Bildungseinrichtung schaffen. Der künftige »Campus St. Michael« richte sich mit seinen Angeboten an Kinder, Jugendliche und Familien. In Anlehnung an die Geschichte des Orts und die Papst-Enzyklika »Laudato si« lege der nun entstehende, ganzheitliche Bildungsstandort Schwerpunkte auf die Persönlichkeitsbildung, Nachhaltigkeit und Schöpfungsspiritualität.

Stiftung und Erzdiözese planen ein neues zentrales »Forumsgebäude« – und zwar errichtet in nachhaltiger Bauweise mit Lehm –, das eine Reihe von Einrichtungen aufnimmt sowie Platz für Arbeiten und Veranstaltungen anbietet. Neben diesem Forumsgebäude beabsichtigen sie auch, einen Neubau für den Kindergarten St. Oswald wie auch ein Gebäude für das Studienseminar zu errichten.

An Gesamtkosten für das Projekt ohne Kindergarten erwarten sie nach derzeitigem Stand Ausgaben in Höhe von 41,5 Millionen Euro. Für den Kindergarten sind 4,2 Millionen veranschlagt. Nicht nur von der Erzdiözese kommt Geld, sondern auch von der Bischof-Arbeo-Stiftung, die 17 Millionen Euro zuschießt. Außerdem rechnet man mit Förderungen durch die öffentliche Hand.

Als Verantwortliche für den gesamten Bildungsbereich der Erzdiözese gab Dr. Sandra Krump als Ziel aus, »dass wir Bildungsorte schaffen und entwickeln, die Positives ausstrahlen, Hoffnungen geben, gute Perspektiven eröffnen«. In der gesamten Erzdiözese seien in den zurückliegenden Jahren solche Orte geschaffen und weiterentwickelt worden.

»Bei allem, was wir tun, entwickeln und umsetzen, geht es nicht darum, die Augen vor den Herausforderungen unserer Welt zu verschließen, sondern mit einem offenen Blick darauf konstruktive Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen«, so Krump weiter. Kinder und Jugendliche wollen ihren Angaben zufolge aktiv sein, etwas gestalten und zum Positiven verändern. »Gerade an kirchlichen Bildungsorten wollen wir Kindern und Jugendlichen solche Möglichkeiten eröffnen.«

Wolfgang Dinglreiter, Stiftungsdirektor und Leiter des Studienseminars, kündigte an, dass Nachhaltigkeit das oberste Gebot beim Aufbau des Campus sei. Das Handeln sei ökologisch, ökonomisch, sozial und spirituell ausgerichtet. Der Campus solle ein Ort werden, »an dem sich Menschen mit der Zukunft beschäftigen. Es soll ein Ort des Inspirierens sein, ein Ort des konkreten Handelns und des Ausprobierens, wie nachhaltiges Laben und Wirtschaften aussehen kann«.

Die Idee, jungen Menschen Bildungs- und Lebenschancen durch eine von christlicher Wertehaltung geprägte Persönlichkeits- und Schulbildung zu eröffnen, habe zur Gründung des Studienseminars 1929 geführt. Diese Gründungsidee, so der Stiftungsdirektor und Leiter des Studienseminars, werde nun ergänzt und weitergeführt.

Der Campus St. Michael orientiere sich an der Zukunft und sehe in der Bewahrung der Schöpfung und der Lebensgrundlagen die zentrale Herausforderung und die wesentliche Bildungsaufgabe des 21. Jahrhunderts. »Wir sind ein Campus für nachhaltige Zukunft und haben uns Partner gesucht, die mit uns diese Vision teilen«, erläuterte Dinglreiter. Er sprach von insgesamt 16 Campus-Partnern, die vom Kindergarten St. Oswald, den die Pfarrei St. Oswald betreibt und auch in Zukunft betreiben wird, über das Forum Ökologie bis hin zur Caritas.

Zum Campus gehört unter anderem auch das Studienseminar. Geplant ist, den Betrieb ein Stück weit auszuweiten. Jetzt bietet die Einrichtung 40 Plätze, künftig sind 50 vorgesehen. Das Studienseminar will jedoch dabei bleiben, nur Buben aufzunehmen. Krump erläuterte, dass Mädchen – auch und gerade gefördert durch die Kirche – im Schnitt bessere Zeugnisse erhalten. Nachholbedarf sei in der Bildung der Buben gegeben.

Erster großer Lehmbau in Deutschland

Architektin Anna Heringer, sagte, dass das zentrale, neue Campus-Gebäude in Lehmbauweise errichtet werde. Sie ist bekannt für ihre Entwürfe in nachhaltiger Bauweise, Werke von ihr waren unter anderem im Museum of Modern Art in New York und bei der Architekturbiennale Venedig zu sehen, 2011 erhielt sie den Global Award for Sustainable Architecture. »Lehm ist nicht nur gesund für den Planten, sondern auch für uns.« Er schaffe auch Arbeitsplätze. Mit diesem Material sei die Menschheit groß geworden.

Das Forum, das die Architektin geplant hat, wird ein ganz besonderes. Heringer sprach vom ersten, großen, tragenden Lehmbau in Deutschland.