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Streit um Neubau-Pläne in Wolkersdorf: RZV-Vorsitzender nimmt Stellung

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Traunstein: Streit um Neubau-Pläne in Wolkersdorf: RZV-Vorsitzender nimmt Stellung
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Auf einem Grundstück südlich von Wolkersdorf will der Rinderzuchtverband eine neue Vermarktungshalle bauen. An dem Projekt scheiden sich die Geister. (Foto: Reiter)

Traunstein – Hohe Wellen schlägt der Streit um den Neubau der Vermarktungshalle, den der Rinderzuchtverband (RZV) Traunstein in Wolkersdorf plant. In einer Stellungnahme zur Kritik der Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung des RZV in Wolkersdorf sagt Vorsitzender Hubert Hartl, dass die BI mit »frei erfundenen Spekulationen« arbeite.


Mehr als 350 Unterschriften von Bürgern, die sich gegen das Vorhaben stellen, hatte die BI im Rathaus an Oberbürgermeister Christian Kegel übergeben (zum Bericht).

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Der Rinderzuchtverband Traunstein sei die wichtigste Vermarktungsorganisation im Chiemgau und Rupertiwinkel, so Hartl. »Über den Kälbermarkt in Traunstein laufen über 50 Prozent aller gehandelten Kälber aus der Region.« Wichtig sei dieser Markt auch als Preisbildner für die 2000 Mitglieder des Verbands.

Die Aussage der BI, der Rinderzuchtverband würde »ohne Not« einen Neubau entstehen lassen und dabei 15.000 Quadratmeter versiegeln, sei »in zweierlei Hinsicht nicht zutreffend«. Zum einen finde im Moment in der Chiemgauhalle an der Siegsdorfer Straße eine Vermarktung in einem Provisorium statt. Im Falle eines Umbaus wäre in der Bauzeit keine beziehungsweise nur eine sehr eingeschränkte Vermarktung möglich. Die damit verbundenen Mehrkosten durch erhöhten Aufwand seien nicht wirtschaftlich. »Dadurch ist der RZV Traunstein sehr schnell nicht mehr konkurrenzfähig.«

Es stünden auch in der Chiemgauhalle erhebliche Investitionen an. So wären langfristig viele Auflagen bezüglich des Brandschutzes zu erfüllen. Es wäre auch ein Neubau eines Waschplatzes für die Viehtransportfahrzeuge nötig. Erhebliche Kosten kämen auch auf den Rinderzuchtverband für die Sanierung der Dachkonstruktion der Chiemgauhalle dazu. Bei diesem Dach handelt es sich laut Hartl um eine Leimbinderkonstruktion, wie sie bei der Eishalle in Bad Reichenhall verwendet wurde. »Es grenzt an Naivität, wenn Personen glauben, dass ohne statische Prüfung dieser Leimbinder der Betrieb in der Chiemgauhalle nach dem Jahr 2006 weiter gelaufen wäre.«

Die Fläche an der Siegsdorfer Straße, die der RZV zurzeit nutzt, ist gepachtet. Hartl: »Der Bau auf eigenem Grund hat langfristig Vorteile und sichert den zukünftigen Generationen sehr gute Vermarktungsmöglichkeiten.«

Eine Versiegelung von 15.000 Quadratmetern finde nicht statt. Beim Neubau werde weniger Fläche überbaut, als in der Chiemgauhalle frei wird. In einem ersten Planentwurf seien für Stall, Versteigerung, Materialhalle mit Quarantänestall und Bürogebäude etwa 3300 Quadratmeter gerechnet worden. »Dazu kommen die Straßen um die Gebäude herum. Parkplätze werden nicht versiegelt«, so Hartl.

Für die Chiemgauhalle habe eine zertifizierte Firma ein Schallschutzgutachten erstellt. In der Berechnung für einen Markt gehe man von 70 Pkw und 30 Traktoren bei der Anlieferung aus. »Diese 100 Fahrzeuge kommen am Vormittag innerhalb von drei Stunden und verlassen danach zeitversetzt das Gelände wieder, wobei sie zum Teil wieder beladen sind.« Die An- und Abfahrt geschehe von 8 bis 14 Uhr – und damit in einer Zeit, zu der kein Berufsverkehr stattfinde.

Die Mehrbelastung durch den Verkehr beschränke sich auf drei Markttage im Monat. An den restlichen Tagen sei mit 20 Pkw der Angestellten und Besucher zu rechnen. Der Schwerlastverkehr in Wolkersdorf sei durch die Kiesgruben und die angesiedelten Firmen »wesentlich umfangreicher«.

Für die geplanten Gebäude werde nur eine Genehmigung für maximal 200 Besucher statt 1300 Personen wie bisher beantragt. Die Aussage, dass der ganze nördliche Landkreis durch Wolkersdorf fahre und dass ein Verkehrschaos zu erwarten sei, »dient keiner sachlichen Diskussion«.

Für die Chiemgauhalle sei ein Emissionsgutachten erstellt worden. Bei einem Abstand von unter 20 Metern zur nächsten Wohnbebauung werden die Geruchsbelastungen laut Hartl »als tragbar erachtet«. Auch plane der RZV, die Vermarktungsanlage nicht in der Hauptwindrichtung zu Wolkersdorf zu errichten.

Für die Rundbogenhalle bei der Chiemgauhalle sei ein Lärmgutachten erstellt worden. »Auch hier können die bestehenden Grenzwerte erfüllt werden«, so der RZV-Vorsitzende. Die kürzeste Entfernung zum ersten Wohnhaus liege bei unter 20 Metern. Die Bürgerinitiative habe errechnet, dass der Abstand in Wolkersdorf 140 Meter betrage.

Der RZV beabsichtige, dass die Gaststätte beziehungsweise Kantine nur während der Markttage geöffnet ist. Büro und Vermarktung geschehen in Zukunft laut Hartl an einer Örtlichkeit – »somit werden weitere unnötige Wege und damit Lärm erspart«.

Die BI habe behauptet, dass sich die Stadt um das angrenzende Waldstück bemühe – was die Stadtverwaltung widerlegt habe. Auch beim Rinderzuchtverband sei dieses Waldstück nie zur Diskussion gestanden. In diesem Fall liege, so Hartl, »eine weitere frei erfundene Spekulation der Bürgerinitiative« vor.

Der Rinderzuchtverband wolle sich, wie Hartl sagt, gern jeder Diskussion stellen. Der RZV werde auch zu einer Aufklärungsversammlung einladen.