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Streit in der Daxerau: Keine Beeinträchtigungen durch geplante Neubauten

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Professor Dr. Markus Disse erläuterte seine gutachterliche Stellungnahme zu wasserwirtschaftlichen Fragestellungen zu geplanten Neubauten in der Daxerau. (Foto: Pültz)

Traunstein – Eine Beeinträchtigung der Nachbarschaft durch die geplanten Neubauten in der Daxerau kann nach Ansicht von Professor Dr. Markus Disse von der Technischen Universität (TU) München ausgeschlossen werden.


Das »insgesamt sehr solide Gutachten« des Büros aquasoli sei bezüglich der angenommenen, durchlässigeren Bodentypen »angreifbar«, erläuterte der Inhaber des Lehrstuhls für Hydrologie und Flussgebietsmanagement an der TU, seine gutachterliche Stellungnahme zu wasserwirtschaftlichen Fragestellungen zum geplanten Bauvorhaben. »Unsere eigenen Nachrechnungen mit undurchlässigen Böden ergaben keine nachteiligen Auswirkungen auf die Unterlieger beziehungsweise auf die angrenzenden Grundstücke.«

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Nach wie vor tobt der Streit in der Daxerau. Ein Bauträger – die Chiemgau Residenzen GmbH – will Wohnungen schaffen. Die Stadt ist dabei, dem Investor den Weg zu ebnen und Baurecht zu schaffen. Ein Bebauungsplan ist in Arbeit. Anwohner in der Daxerau stellen sich gegen das Vorhaben und führen insbesondere ins Feld, dass die Bebauung Probleme mit dem Wasser beschere.

Im Auftrag der Stadt haben Professor Dr. Markus Disse und Dr. Alexander Gerner von der TU München eine gutachterliche Stellungnahme abgegeben. Der Stadtrat nahm sie einstimmig zur Kenntnis und beschloss, die Diskussion mit den Anliegern an einem »Runden Tisch« fortzusetzen.

Diese Gespräche eröffnete die Stadt jetzt: Zum Auftakt des »Runden Tischs« erläuterte Professor Disse seine Feststellungen im Rathaus. Eingeladen hatte die Stadt nach Angaben von Oberbürgermeister Christian Kegel insbesondere auch die Beschwerdeführer, die jedoch allesamt die Teilnahme im Vorfeld der Sitzung abgesagt hatten. Der Oberbürgermeister traf diese Feststellung, wie er sagte, ohne sie zu werten.

Disse erläuterte, dass er und Gerner die aufgestellten Gutachten gründlich durchgesehen hätten. Der Informationsaustausch mit dem Büro aquasoli – mit dem die Stadt zusammenarbeitet – habe »sehr gut geklappt«, vom Büro Späth, das einer der Beschwerdeführer eingeschaltet hat, hätten sie hingegen »nicht alles bekommen, was wir angefordert haben«.

Das Gutachten von aquasoli sei, so der Lehrstuhlinhaber, »gut lesbar« und »übersichtlich gestaltet«. Formal festzustellen seien allein »kleinere Mängel« wie zum Beispiel das Fehlen eines Quellenverzeichnisses. Auch inhaltlich hatte der Professor kaum etwas auszusetzen: »Die Aussagen stimmen.« Allein die Bodenklassen, die von A bis D und damit von durchlässig bis undurchlässig reichen, seien in der Daxerau anders anzunehmen als von aquasoli dargestellt. Während das Büro von den Typen B und C spreche, müssten vielmehr C und D angeführt werden – was letztlich heißt, dass die Schichten wasserundurchlässiger als angegeben seien. In dieser Annahme habe das Büro Späth Recht, so der Professor.

Ansonsten jedoch kann Disse der Untersuchung von Späth nicht viel abgewinnen. Das Gutachten habe, wie der Lehrstuhlinhaber zusammenfassend sagte, »nicht den guten wissenschaftlichen Standard, den wir gewohnt sind«.

Professor Disse und Dr. Gerner nahmen den ungünstigsten Fall an – also die schlechteste Konstellation mit den undurchlässigeren Bodentypen – und berechneten die möglichen Auswirkungen. »Zusammenfassend stellen wir fest, dass sich nach der von uns berechneten ungünstigen Variante im Istzustand eine etwas weiter ausgedehnte Überflutung am westlichen Rand der beplanten Fläche ergibt«, so Disse. »Im Planzustand tritt diese nicht mehr zu Tage. Für die benachbarten Flächen ergibt sich aus den ungünstigen Annahmen zu den Bodentypen keinerlei negative Veränderung gegenüber den Annahmen von aquasoli.«

Der Professor sagte weiter, dass eine negative Auswirkung der geplanten Bebauung auf die Unterliegerkommunen ausgeschlossen werden könne. Der maximale Verlust an Retentionsvolumen sei allgemein betrachtet verschwindend gering.

Was das südlich angrenzende Grundstück betrifft, so sei durch die Bebauung nach aquasoli, so der Lehrstuhlinhaber, »qualitativ betrachtet keine Veränderung gegenüber dem Istzustand zu erwarten«. Und der Professor weiter: »Da sich aus unserer Variante mit den ungünstigen Annahmen zu den hydrologischen Bodentypen im Vergleich zu den Ergebnissen von aquasoli weder im Ist- noch im Planzustand qualitative Unterschiede ergeben, gilt diese Sichtweise auch für die von uns betrachteten ungünstigen Bodenverhältnisse uneingeschränkt.«