Stille Helfer im Schulalltag

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Sehr eng müssen Brigitte Güntert (links), Lehrerin an der Förderschule, und Petra Bernauer, seit acht Jahren Schulbegleiterin, zusammenarbeiten. (Foto: A. Hauser)

Traunstein – Schulbegleiterin Petra Bernauer und Lehrerin Brigitte Güntert erzählen im Gespräch von ihrem Alltag und wie wichtig eine Schulbegleitung für manche Kinder ist.


»Ich bin eigentlich wie ein Schatten«, erzählt Petra Bernauer. Seit acht Jahren arbeitet die 52-Jährige als Schulbegleiterin. Derzeit begleitet sie einen Schützling an der Förderschule Traunstein. In einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt spricht sie zusammen mit Brigitte Güntert, Lehrerin an der Förderschule, über ihre Erfahrungen.

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Eigentlich hatte Petra Bernauer nie geplant, als Schulbegleiterin zu arbeiten. Sie ist gelernte Schreinermeisterin – die Idee zur Schulbegleitung kam ihr erst, als ihre Kinder groß waren und sie wieder anfangen wollte zu arbeiten. Sie ist im Unterricht dabei und sitzt dann entweder neben oder hinter ihrem Schützling. Eine Schulbegleitung greift aber nicht in den Unterricht ein. »Wir sind keine Zweitlehrer. Wir unterstützen und organisieren«, erklärt Petra Bernauer.

In ihren acht Jahren hat sie schon viel erlebt. Besonders ihr erster Fall ist ihr in Erinnerung geblieben: Damals wurde ihr von der Teamleitung von »Startklar« ein 14-jähriger Bub zugeteilt. Sie erinnert sich noch gut: Der Achtklässler war total in »seiner eigenen Welt«. Er hatte nie seine Hausaufgaben aufgeschrieben, nie seine Hefte und Bücher parat auf dem Tisch – natürlich waren seinen Noten auch dementsprechend schlecht. »Er war orientierungslos, ein totaler Einzelgänger«, erzählt sie.

Ihre Aufgabe bestand darin, ihn so zu unterstützen, dass er gut dem Unterricht folgen konnte. Das bedeutet auch, erklärt sie, ihn zu erinnern mitzuschreiben, sich die Hausaufgaben zu notieren sowie Hefte und Bücher auf den Tisch zu legen.

Sie selbst sieht sich als »Sprachrohr« für ihre Schützlinge. Sie unterstützt so lange, bis ihre Hilfe nicht mehr benötigt wird. Ziel sei es, die Kinder und Jugendlichen wieder zur Selbstständigkeit zurückzuführen.

Ihr Arbeitstag beginnt mit dem Schulstart. »Ich bin immer schon 15 Minuten vorher da, um mich kurz mit meinem Schützling auszutauschen«, erzählt Petra Bernauer. Während des Unterrichts beobachtet sie dann ihren Schützling ganz genau. »Meistens merkt man schon an der Körperhaltung, wenn jemand nicht mitkommt oder Fragen hat.«

In den Pausen zieht sie sich dann meistens etwas zurück, erklärt sie. Die Kinder und Jugendlichen sollen ihren Freiraum haben und ganz normal mit ihren Mitschülern die Pause verbringen. Ein Auge hat sie aber trotzdem immer auf ihren Schüler, erklärt sie. Ihr Arbeitstag endet, wenn der Schultag vorbei ist. Meistens bringt sie ihren Schützling dann noch zum Bus und verabschiedet sich dort. Natürlich seien manche Tage schwieriger als andere, erklärt die Schulbegleiterin. »Für mich ist aber jeder neue Tag, wie ein Reset-Knopf.«

Besonders wichtig sei die Zusammenarbeit mit den Lehrern, erklärt Bernauer und blickt zu Brigitte Güntert. Sie arbeitet derzeit an der Förderschule Traunstein und leitet die Klasse, in der Bernauers momentaner Schützling ist. Die beiden arbeiten schon seit zwei Jahren zusammen, deshalb kennen sie sich mittlerweile auch schon richtig gut, erklären die beiden.

Für Lehrer sind die Schulbegleitungen eine große Hilfe, erklärt Güntert. Für sie ist Frau Bernauer wie ein »verlängerter Arm«. Schulbegleiter würden sich für die Bedürfnisse ihrer Schützlinge einsetzen, sodass diese ganz normal am Unterricht teilnehmen können, informiert die Lehrerin.

Schulbegleiterinnen werden dann eingesetzt, wenn Lehrer an »ihre Grenzen stoßen«. Das kann zum Beispiel vorkommen, wenn ein Kind aufgrund von körperlichen Beeinträchtigungen, wie Seh- oder Hörproblemen oder beispielsweise ein Rollstuhlfahrer, nicht ohne fremde Hilfe den Schulalltag meistern kann. Neben körperlichen Gebrechen können aber auch geistige Einschränkungen den Alltag der Kinder beschweren.

Brigitte Bernauer hat beispielsweise schon viele Schützlinge mit ADHS oder Autismus betreut. In diesen Fällen muss sie nicht nur zwischen Lehrer und Schüler vermitteln, sondern auch zwischen ihrem Schützling und den Mitschülern. Bernauer erinnert sich an einen Fall, als sie zur Betreuung für einen Autisten angefordert wurde. Der Bub war in der achten Klasse und wurde von seinen Mitschülern massiv gehänselt. Bei einem Referat des Achtklässlers, hat sie sich mitten in die Klasse gestellt und darauf geachtet, dass keiner irgendwelche Grimassen schnitt. Sie erinnert sich noch gut, wie sehr der Jugendliche unter den Hänseleien litt und wie er mehr und mehr aufgetaut ist, als es besser wurde.

Hilfe zur Selbsthilfe: Schulbegleitungen im Landkreis TS und BGL

Schulbegleitungen können schulartübergreifend beantragt werden. In Absprache mit Lehrer und Eltern erfolgt das meist über das Jugendamt. Zusammen mit dem jeweiligen Träger, wie zum Beispiel der Organisation »Startklar«, werden dann die Rahmenbedingungen für die Begleitung von Kindern mit einem Förderbedarf erstellt.

Das Jugendamt stellt fest, welche Bedürfnisse das Kind hat und der Träger entscheidet, welche Schulbegleiterin oder Schulbegleiter am besten zu der Schülerin oder dem Schüler passt. Die Schulbegleiter sind dabei aber nicht auf sich allein gestellt. Sie erfahren durch eine Fachkraft Unterstützung.

Schulbegleitungen können auch für Kinder mit Behinderung beantragt werden. In diesem Fall müssen sich die Eltern an den Träger wenden.

Die Organisation »Starklar« unterstützt derzeit im Landkreis Traunstein und Berchtesgadener Land rund 20 Kinder und Jugendliche an über 15 Orten. »Startklar« leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Inklusion, erklärt Susanne Aigner, Regionalleitung von »Startklar« im Berchtesgadener Land. Sowohl Kindergartenkinder, als auch junge Berufseinsteiger sollten die Chance bekommen, trotz Handicap/Behinderung eine Regelschule besuchen zu dürfen. Sie betont dabei, dass die Kostenträger die Entscheidung sorgfältig überprüfen müssen.

Kostenträger ist der Bezirk Oberbayern. Informationen und Beratung zum Thema gibt es bei der unabhängigen Beratungsstelle von »Startklar« in Rosenheim unter Telefon 08031/23 38 72 91 oder auf der Internetseite www.starklar-soziale-arbeit.de.

aha

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