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Stark betrunkene Jugendliche stiegen in Güterhalle ein und randalierten – Urteil

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Traunstein: Randale an und in der Güterhalle
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Ein Bauzaun soll die Güterhalle vor ungebetenen Gästen schützen. (Foto: Reiter)

Traunstein – Nach Einstieg und massivem Randalieren in der Güterhalle in Traunstein in der Nacht des 17. November 2018 flüchteten vier stark alkoholisierte, junge Leute. Kurz darauf wurden sie festgenommen. Wegen Delikten wie Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte oder Beleidigung verhängte das Jugendschöffengericht mit Richterin Sandra Sauer gegen drei der Täter im Alter von 18 und 20 Jahren Strafen beziehungsweise erzieherische Maßnahmen nach dem Jugendstrafrecht. Das Verfahren gegen einen weiteren mutmaßlichen Beteiligten wurde abgetrennt.


Zeugen hatten der Polizeiinspektion Traunstein in jener Nacht mitgeteilt, in der Güterhalle randalierten irgendwelche Leute. Beim Eintreffen der ersten Streife flüchteten vier Personen auf der Rückseite des Gebäudes in Richtung Gleise. Die Gruppe wurde gemeinsam mit Zivilkollegen umstellt. Als sich die alkoholisierten Tatverdächtigen weigerten, ihre Personalien anzugeben, eskalierte die Situation. In der extremen Dunkelheit kam es zu Geschrei, Geschubse und Gerangel. Die aufgebrachten Jugendlichen wurden letztlich gefesselt und zur Dienststelle in Gewahrsam gebracht.

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Die Angeklagten zeigten sich geständig und reuig. Sie räumten ein, in die Räume gemeinsam eingedrungen zu sein, dort gewütet, Fensterscheiben zerschlagen, Graffiti gesprüht, Schränke umgeworfen, wahllos Mobiliar zertrümmert und Zwischendecken beschädigt zu haben. Wer auf die »grandiose Idee« mit der Aktion gekommen sei, wollte die Jugendrichterin wissen. Keiner der Täter hatte eine Antwort. Der Schaden – darunter Gegenstände der Feuerwehr Traunstein und des Trachtenvereins »Trauntal« – summierte sich auf 7650 Euro. Davon entfielen 4000 Euro auf die Stadt Traunstein, 2000 Euro auf den Trachtenverein und 1650 Euro auf die Feuerwehr. Nur eine Angeklagte hat bisher Wiedergutmachung angeboten.

Nicht ganz so viel Einsicht legten die Angeklagten an den Tag bezüglich der Festnahmesituation. Sie fühlten sich von den Einsatzbeamten »etwas zu hart« behandelt. Einer meinte, die Handschellen seien zu fest angelegt worden. Dazu die Richterin: »Können Sie nicht nachvollziehen, dass die Polizei nicht begeistert ist, wenn jemand einbricht, randaliert und dann die Personalien nicht herausgeben will?« Einer der Männer meinte, er könne das schon. Auch er hätte wohl Handschellen eingesetzt. Ein Polizist gab zu bedenken: »Wir hatten Sie ganz normal angesprochen. Es hätte nicht so eskalieren müssen.« Der Zeuge vermutete ein »grundsätzliche Aversion gegen die Polizei – ohne dass wir dazu Anlass gegeben hätten«.

Die Vertreterinnen der Jugendgerichtshilfe, Barbara Langerspacher und Sabine Kreutzer-Mühlthaler, bescheinigten allen Angeklagten Reifeverzögerungen und empfahlen Anwendung des Jugendstrafrechts. Staatsanwältin Pia Hiebl beantragte für den 20-Jährigen einschließlich eines Diebstahls von zwei Flaschen Bier aus einem Bauwagen eine Jugendstrafe von 16 Monaten mit dreijähriger Bewährung und Auflagen wie Arbeitsstunden. Erforderlich für den 18-Jährigen seien neben Weisungen zwölf Monate Jugendstrafe mit Bewährung und 1000 Euro Schadenswiedergutmachung. Die 20-Jährige solle Weisungen wie ein Beratungsgespräch erfüllen und 500 Euro für den Schaden zahlen.

Der Verteidiger des 20-Jährigen, Hans-Jörg Schwarzer aus Berchtesgaden, betonte: »Die Polizeibeamten haben nur ihre Pflicht getan. Ihnen ist kein Vorwurf zu machen.« Sein Mandant solle Struktur in sein Leben bringen und sich Drogentests unterziehen. Für die 20-jährige plädierte Verteidigerin Kristina Kraus aus Traunstein auf Zahlung einer Geldbuße an eine gemeinnützige Einrichtung, eventuell an einen der geschädigten Vereine. Auf die schwierige Jugend des 18-Jährigen verwies Verteidigerin Kerstin Zinke aus Traunreut. Der gesamte Schaden in der leerstehenden und von anderen Tätern bereits heimgesuchten Güterhalle dürfe nicht den Angeklagten angelastet werden. Ein Jugendarrest sei ausreichend für ihren Mandanten.

Im Urteil erteilte Richterin Sandra Sauer der 20-jährigen Angeklagten verschiedene erzieherische Weisungen und Auflagen. Außerdem muss sie – wie auch die Mitangeklagten – an die Feuerwehr Traunstein eine Geldauflage von 200 Euro überweisen. Zivilrechtliche Ansprüche bleiben davon unberührt. Der 20-Jährige und der 18-Jährige erhielten jeweils unter Einbeziehung einer früheren Strafe eine achtmonatige Einheitsjugendstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. Durch Rechtsmittelverzicht aller Beteiligten wurde das Urteil mit Zustimmung der Staatsanwältin rechtskräftig. kd