Stadtrat stellt Weichen für die künftige Beteiligung der Jugendlichen am Geschehen in Traunstein

Stadtrat stellt Weichen für die künftige Beteiligung der Jugendlichen am Geschehen in Traunstein
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Wegen Corona ist der Jugendtreff im Rathaus (unser Bild) geschlossen – und wegen mangelndem Interesse an einer Mitwirkung ist der Jugendbeirat bis auf Weiteres auf Ruhe gestellt. Neu ist, dass die Stadt im nächsten Jahr ein Jugendforum aufmacht. (Foto: Pültz)

Traunstein – Der Jugendbeirat der Stadt Traunstein findet fürs Erste keine Fortsetzung. Die Amtszeit des aktuellen Gremiums läuft Ende des Jahres aus. Die Neuwahl, die in diesen Wochen geplant war, entfällt. Der Grund: Nur zwei Jugendliche zeigten Interesse zu kandidieren. Vor diesem Hintergrund hat der Stadtrat nun in seiner jüngsten Sitzung einstimmig Folgendes beschlossen: »Das Verfahren zur Besetzung des Jugendbeirates wird ruhend gestellt.«


Auch wenn fürs Erste kein neuer Jugendbeirat in Sicht ist – eine Neuwahl und Fortsetzung des Jugendbeirats zu einem späteren Zeitpunkt ist keineswegs ausgeschlossen –, so ist eine Mitsprache der Jugendlichen nach wie vor gesichert. So hat der Stadtrat gleichermaßen beschlossen, im nächsten Jahr ein Jugendforum einzuberufen, das gemeinsam mit der Stadtjugendpflegerin und interessierten Jugendlichen zu Themen, die die junge Generation betreffen, den Austausch pflegt.

Auf der Suche nach Interessenten, die sich im Beirat engagieren wollen, war die Stadt zuletzt alles andere als erfolgreich gewesen. Das Gremium setzt sich aus bis zu acht stimmberechtigten Mitgliedern zusammen, die auf die Dauer von zwei Jahre gewählt werden. Hinzu kommen der Jugendreferent und ein Vertreter des Sachgebiets Familie, Bildung und Generationen der Stadt Traunstein. Die Stadt wandte sich am 19. Oktober an die Medien und insbesondere auch an die Schulen. Die Verwaltung im Rathaus teilte mit, dass bis zum 8. November Kandidaten für die Neuwahl des Jugendbeirats gemeldet werden können. Das Interesse war, wie sich zeigte, äußerst gering: Nur ein Vorschlag erreichte die Stadtverwaltung.

Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) berichtete nun im Stadtrat, dass im Anschluss an die offizielle Bewerbungsfrist zwar noch eine Nachmeldung im Rathaus eingegangen sei. Doch zwei Interessenten seien immer noch viel zu wenige. Es mache keinen Sinne, eine Wahl abzuhalten und einen Beirat zu bilden.

Neue Plattform zum Austausch

Isabelle Thaler (CSU) sagte, dass der Jugendbeirat »nicht mehr die zeitgemäße Plattform« für die Mitgestaltung des städtischen Lebens durch die Jugendlichen sei. Schon seit geraumer Zeit sei das Interesse, sich in diesem »Modell von gestern« zu engagieren, unter den jungen Leuten rückläufig. Von mangelnder Werbung seitens der Stadtverwaltung könne keine Rede sein. Unter den Jugendlichen sei aber Interesse für Politik vorhanden. Thaler schlug vor, ein »Jugendforum« einzurichten. In diesem Kreis könnten die Jugendlichen dann womöglich in den Austausch mit dem Oberbürgermeister treten. Sie müssten sich nicht wie im Jugendbeirat auf zwei Jahre binden, sondern könnten sich spontan in die Diskussionen einschalten. Hümmer sagte, dass die Einrichtung eines Jugendforums »sehr interessant« sei. Denn nötig sei ein »niederschwelliges Angebot«. Der Oberbürgermeister sagte spontan zu, sich für den Austausch zur Verfügung zu stellen. »Ich bin bereit, ins Gespräch zu gehen.«

Nils Bödeker (SPD/Die Linke), seines Zeichens Lehrer am Chiemgau-Gymnasium, sagte, dass die Stadtverwaltung »nicht wirklich toll geworben« habe. Sie habe am 19. Oktober eine E-Mail versandt und mitgeteilt, bis 8. November Kandidatenvorschläge entgegenzunehmen. Abzüglich einer Woche Herbstferien sei nur äußerst wenig Zeit geblieben, Interessenten zu finden und zu melden. Was seine Schule betreffe, so der Lehrer, so könne er berichten, dass ein »großes kommunalpolitisches Interesse« gegeben sei.

Denis Holl (SPD/Die Linke) meinte, das sich alle an einen Tisch setzen sollten – und dass sie dann gemeinschaftlich überlegen sollten, wie man die Jugendlichen ansprechen und zur Mitarbeit bewegen kann. Holl sagte, dass der Jugendbeirat als »wesentliche Errungenschaft der Stadt Traunstein« zu erhalten sei.

Hümmer verwies in der Folge noch einmal ausdrücklich auf das nachlassende Interesse, sich für den Jugendbeirat zu engagieren beziehungsweise ihn zu wählen. Der Oberbürgermeister betonte: »Wir müssen uns von dem Gedanken befreien, ein Gremium um des Gremiums willen haben zu wollen.«

»Wir haben ein Zeichen von den Jugendlichen bekommen. Unsere Aufgabe ist nun, herauszubekommen, warum sie so wenig In-teresse haben, sich zu engagieren,« sagte Susanne Deckert (Initiative Traunstein). Sie neige dazu, »die Ursache bei uns zu suchen«.

Corona machte Bemühungen zunichte

Thomas Stadler (Bündnis 90/Die Grünen), der Jugendreferent, gab einen Einblick in die Arbeit des Beirats. Und er betonte, dass das Gremium einiges zu Stande gebracht habe. So habe sich der Beirat etwa auch an Bäckereien gewandt und die Plätzchen, die er bekam, an die Tafel weitergegeben. Der Jugendbeirat habe in der Vergangenheit immer wieder Initiativen ergriffen beziehungsweise ergreifen wollen – dann sei aber Corona gekommen und habe die Bemühungen zunichte gemacht. Die Pandemie habe dem Beirat geschadet. Stadler: »Wer mit angezogener Handbremse fährt, der kommt nicht in Schwung.« Stadler sprach sich dafür aus, die Einrichtung eines neuen Jugendzentrums im Kulturzentrum im nächsten Jahr abzuwarten, dann die Jugendarbeit zu verstärken und schließlich zu überlegen, einen Neustart mit dem Jugendbeirat hinzulegen. Er schlug vor, die Einrichtung bis dahin ruhen zu lassen.

Der Vorschlag, mit dem Jugendbeirat im Moment einmal auszusetzen, fand Hümmer »nicht schlecht«. Und womöglich verleihe dann gerade auch das Jugendforum die Dynamik, die nötig ist, um den Beirat wieder aufleben zu lassen.

»Wir dürfen keine Gelegenheit auslassen, die Jugendlichen am städtischen Leben zu beteiligen«, meinte zweite Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen). Sie schlug vor, mit dem Beirat ein Jahr auszusetzen und es dann noch einmal zu probieren. Es sei nie einfach, Jugendliche in die Gremienarbeit zu bringen.

Die Stadt brauche mehr Engagement der Jugendlichen, betonte Konrad Baur (CSU). Er hoffe auf einen Schub, wenn die Stadt ein neues Jugendzentrum schafft. Er glaube aber nicht, dass dann auf einmal 500 Leute auf der Kandidatenliste für den Jugendbeirat stehen. »Wir wollen, dass sich Jugendliche beteiligen«, sagte Konrad Baur. Und auch er sprach sich dafür aus, den Beirat ruhen zu lassen und mit dem Jugendforum einen neuen Weg einzuschlagen.

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