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Stadtrat genehmigt Kunst im öffentlichen Raum

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Eine Lichtinstallation plant das P-Seminar »Kunst im öffentlichen Raum« in den Arkaden am Stadtpark (unser Bild). Lehrer und Schüler haben das Okay bekommen: Der Stadtrat hat das Vorhaben am Donnerstag genehmigt. (Foto: Pültz)

Traunstein – Schüler des Annette-Kolb-Gymnasiums (AKG) wollen die Fußgänger, die durch die Arkaden am Stadtpark gehen, kunstvoll in Szene setzen. Ein P-Seminar plant, ein besonderes Licht zu installieren. Und jetzt können sie loslegen: Mit 20:3-Stimmen hat der Stadtrat am Donnerstag das Projekt als »Kunst im öffentlichen Raum« begrüßt und ihm grünes Licht erteilt.


Tag für Tag gehen viele Fußgänger auf dem überdachten Weg, der die Bahnhof- mit der Ludwigstraße verbindet. In der Nacht müssen sie nicht im Dunkeln tappen, die Stadt sorgt für eine Beleuchtung. Zu diesen alten Lichtern kommen nun, wenn das AKG sein Konzept verwirklicht, neue hinzu. So plant das P-Seminar »Kunst im öffentlichen Raum« einen, wie die Stadtverwaltung mitteilte, »minimalen, aber effektvollen Eingriff«. Beabsichtigt ist eine Lichtinstallation in einer ganz bestimmen Zielsetzung: Sobald ein Passant die Arkaden betritt, verfärbt sich das Licht hinter ihm und visualisiert seinen Gang. Das Licht verglimmt nach einer bestimmten Zeit und fällt in den ursprünglichen, unauffälligen Modus zurück.

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Grabstätten waren einst in den Arkaden

Die Installation ist von A bis Z ein Projekt des Gymnasiums. So kümmert sich die Schule insbesondere auch um die Finanzierung. Der Plan: Das AKG will das Vorhaben mit Hilfe von Sponsoren verwirklichen.

Einwände gegen das Projekt hatte das Landesamt für Denkmalpflege geäußert. Die Behörde erinnerte daran, dass der heutige Stadtpark früher ein Friedhof gewesen war. In den Arkaden habe man seinerzeit Grabstätten angelegt. Die sogenannten Gottesacker-Arkaden seien, wie das Landesamt für Denkmalpflege mitteilte, um 1820/30 angelegt worden. Direkt unterhalb des heutigen Laufbodenniveaus befinde sich pro Joch je eine Grabgruft, zu der ehemals auch Epitaphien an den Jochwänden zählten. »Aus geschichtlicher Sicht handelt es sich somit um die Aneinanderreihung ehemals privater Andachtsorte unmittelbar über den noch erhalten Grabtumben.« Die Arkaden seien nie als überdachter Fußweg konzipiert worden.

Das Landesamt empfahl, »die historische Aussage der ehemaligen Friedhofsarkaden, gern auch unter künstlerischer Zuhilfenahme zeitgemäßer Mittel, zu stärken«. Der denkmalprägende Charakter der Anlage »als stadtgeschichtliches Zeugnis ihrer besonderen Trauer- und Begräbniskultur« sollte bewahrt werden.

Die Stadtverwaltung räumte ein, dass die Lichtinstallation das Wesen der Arkaden als historische Grablegen beeinträchtige. Doch diese Funktion sei schon seit langem durch die Fußgänger gestört, die die Arkaden als Verbindungsweg zwischen der Bahnhofs- und Ludwigstraße nutzen.

Der Stadtrat folgte der Verwaltung mit großer Mehrheit, setzte sich über die Einwände hinweg und genehmigte das Projekt. Außer Acht ließ er die Bedenken jedoch keineswegs. So beauftragte er die Verwaltung im Rathaus, dass sie in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege nach Möglichkeiten sucht, den denkmalprägenden Charakter der Gesamtanlage – des historischen Friedhofs mit Kirche und Grablegen in den Arkadengängen – »als stadtgeschichtliches Zeugnis zu stärken und die historische Aussage für die Bevölkerung bewusst zu machen«.

Gegen die Lichtinstallation stimmten zweiter Bürgermeister Hans Zillner und Stefan Namberger (beide CSU) und Josef Kaiser (UW). Kaiser erinnerte an die Grabstätten. Das geplante Projekt habe in den Arkaden »nichts verloren«. Den Durchgang von unten zu beleuchten wäre viel besser gewesen.

Robert Sattler (SPD) sprach hingegen von einer »wunderbaren Lichtinstallation«. Die Arkaden seien auch ein Aufenthaltsraum für Gruppen, die mitunter nicht wenig Alkohol trinken. Sattler hoffte, dass die Beleuchtung die Polizei motiviere, dort öfter vorbeizuschauen. Die Arkaden sollten kein Ort für Besäufnisse werden.

Kulturreferentin Ursula Lay (UW) führte aus, die Stadt sollte die Chance ergreifen und zeigen, dass sie die Jugendlichen und ihre Ideen akzeptiert. Und weiter meinte sie im Anklang an das Konzept: Zu einem Friedhof passe es doch, »wenn ein Kommen und Gehen signalisiert wird«.

»Es ist wunderbar, wenn junge Leute kreativ sind und etwas ausprobieren«, sagte Walburga Mörtl-Körner (Grüne). Und weiter: Dieses Projekt sei außerdem auch nicht »für die Ewigkeit« bestimmt.

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) gab zu bedenken, dass »Kunst im öffentlichen Raum in der Bevölkerung immer gut ankommt«. Und: Die Stadt Traunstein sei immer offen für die Kunst.

Jugendreferent Thomas Stadler (Grüne) sprach von einer »Chance, dass sich die Jugendlichen auch einmal zeigen können.« Gut vorstellbar sei, dass die Lichtinstallation »ein Aushängeschild von Traunstein wird«.

Ernst Haider (UW) sagte, dass geklärt werden müsse, wer für den Unterhalt und für die Pflege aufkommt. Karl Schulz (CSU) mahnte, dass alles »sauber beieinander sein muss«, andernfalls sei das Projekt einzustellen.

In der Vorberatung hatte der Sport- und Kulturausschuss das Projekt einstimmig gebilligt.