Stadt zieht Bau von Photovoltaikanlage in Erwägung

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Die Stadt plant, auf dem Dach des Trakts A der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule eine Photovoltaikanlage zu bauen – was aus statischen Gründen jedoch alles andere als leicht ist. (Foto: Pültz)

Traunstein – Im Zuge der Planungen für die Sanierung des Traktes A der Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule zieht die Stadt den Bau einer Photovoltaikanlage in Erwägung. Die Statik setzt dem Vorhaben aber enge Grenzen: Das Dach ist alt, dessen Traglast begrenzt. Zwei Wege bieten sich an, dieses Problem zu lösen: Zum einen könnte man das alte Ziegel- gegen ein neues Blechdach austauschen und dann die Module aufsetzen. Zum anderen könnte man aber auch das Gebäude mit sogenannten Solardachpfannen eindecken, die ebenso eine Stromgewinnung ermöglichen. Einstimmig hat der Stadtrat beschlossen, die beiden Möglichkeiten in statischer, wirtschaftlicher und technischer Hinsicht zu vergleichen.


Die Sanierung des Traktes A der Mittelschule sei »ein Vorhaben, das mit großen Schritten näher rückt«, sagte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU). Im Rahmen der Gesamtplanung sei eine »grundsätzliche Problematik« zu lösen. Die Stadt wolle auch auf das Dach der Franz-von-Kohlbrenner-Schule eine PV-Anlage bringen – was im Bemühen um den Klimaschutz und um die erneuerbaren Energien »absolut sinnvoll« sei. Dieses Anliegen müsse man aber mit dem Dachstuhl in Einklang bringen, der nur über eine begrenzte Traglast verfüge. Die Verwaltung schlage vor, so der Oberbürgermeister, eine »leichtere Dacheindeckung« zu wählen, um dann noch eine PV-Anlage installieren zu können.

Stadtbaumeister Richard Hagenauer sagte, die Dachsanierung mit Einstieg in die Stromgewinnung sei ein Teil des Zehn-Punkte-Programms, das die Stadt aufgelegt habe. Angedacht sei, bis 2026 jedes Jahr ein, zwei Dächer mit einer PV-Anlage zu belegen. Eine Untersuchung des bereits mehrere Jahrzehnte alten Gebäudes habe ergeben, dass die Schneelast seinerzeit nach der alten Norm 1,25 Kilonewton (kN) pro Quadratmeter (m2) berechnet worden sei – mit der Folge, dass das Dach dann entsprechend angelegt worden sei. Heutzutage betrage der Wert 2,48 kN pro m2.

Eine PV-Anlage wiege circa 20 Kilogramm pro Quadratmeter, so der Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen in der Stadtverwaltung. Diese Belastung des Gebälks müsse mit einer Entlastung ausgeglichen werden. Der Statiker sage, »wir haben keine Ressourcen mehr, wir müssen irgendwo einsparen«. Und so ergibt sich laut Hagenauer diese Schlussfolgerung: Wenn die Stadt eine PV-Anlage installiere, dann könne sie keine »feste, harte Bedachung« aufbringen, sondern müsse vielmehr eine leichte einrichten. Der Stadtbaumeister schlug vor, ein Blechdach zu wählen. In diesem Fall sei dann eine »1:1-Rechnung« möglich: Das Blechdach sei circa 20 Kilogramm pro Quadratmeter leichter als das Ziegeldach – und somit sei dann die Voraussetzung gegeben, dass die PV-Anlage mit eben diesem Gewicht montiert werden kann.

Weil die Traglast des Gebälks begrenzt sei, habe die Stadt damit zu rechnen, dass sie in Zukunft – nach anhaltenden Schneefällen – auch Lasten entfernen muss. Hagenauer: »Wir müssen irgendwo Korridore schaffen, um dann auch räumen zu können. Wir können ja nicht die Schule zusperren.« Wenn die Stadt Durchgänge anlege, dann verringere sich die Zahl der Module, die sie anbringen kann. Die Leistung der PV-Anlage belaufe sich dann auf rund 50 Kilowatt (kW).

Peter Forster (SPD/Die Linke) regte an, nicht mit den alten, sondern mit den neuen Werten für die Schneelast zu arbeiten. »Mir wäre wesentlich wohler, wenn wir durch eine Sanierung und Zugrundelegung der aktuellen Schneelast keine Notwendigkeit mehr hätten, die Räumung des Daches vornehmen lassen zu müssen.« Durch den Einsatz zukunftsorientierter Technik wie Solardachpfannen sei eine zusätzliche, statische Belastung des Dachs zu verhindern. »Klimaschutz und Schutz unserer Güter« seien dann gemeinsam und gleichzeitig zu erreichen.

Hagenauer entgegnete Forster, dass eine Anpassung der Dachkonstruktion an die heute geltenden Schneelasten extrem »aufwändig« sei. Denn, so der Stadtbaumeister: »Die Statik geht hinunter bis in die Fundamente.« Machbar sei eine Verbesserung, »aber der Statiker rät aus wirtschaftlichen Gründen vehement davon ab«.

Dritter Bürgermeister Sepp Kaiser (UW) regte an, auf den Bau einer PV-Anlage, wenn sie so große Probleme bereitet, zu verzichten. Die Stadt müsse »nicht zwangsläufig« genau auf diesem Dach Strom gewinnen. Kaiser: »Ich glaube, es gibt bessere Gebäude, wo man mit weniger Aufwand eine anständige PV-Anlage bauen könnte.«

Simon Steiner (Traunsteiner Liste) plädierte dafür, dass sich die Stadt die Eindeckung mit Solardachpfannen »einmal genau anschaut«. Schließlich wäre es doch laut Steiner eine »Super-Sache«, wenn sie dann auf diesem Weg zum ursprünglichen Ziel käme, eine PV-Anlage mit einer Leistung von 99 kW zu bauen.

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