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Stadt will »zeitnah« Baugebiet in Seiboldsdorf schaffen

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Rund 36 000 Quadratmeter östlich der Hochstraße auf Höhe des Kreisverkehrs (am linken Bildrand) will die Stadt zum Baugebiet machen. Der größte Teil der Fläche – 22 000 Quadratmeter – gehört ihr selbst, 14 000 Quadratmeter sind in Privatbesitz. (Foto: Pültz)

Traunstein – Die Stadt nimmt Kurs auf ein neues, 36 000 Quadratmeter großes Baugebiet in Seiboldsdorf. Nach den Vorberatungen im Planungsausschuss (wir berichteten) hat der Stadtrat nun einstimmig beschlossen, die Wohnraumsituation in Traunstein weiter zu verbessern und eine »zeitnahe Entwicklung der Grundstücksflächen in Seiboldsdorf anzustreben«.


Nach jahrelangen Bemühungen hat die Stadt Grund und Boden bekommen, der Vertrag ist unterzeichnet. Rund 22 000 Quadratmeter hat sie gekauft, 14 000 bleiben im Eigentum des Landwirts. Und die Stadt setzt sich nun zum Ziel, Baurecht auf der gesamten, annähernd vier Hektar großen Fläche zu schaffen.

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Der Stadtrat hat sich festgelegt: Anzustreben sei eine moderne und zeitgemäße Bebauung, zu berücksichtigen eine nachhaltige und ökologische Energieversorgung. Unter anderem sei an die Errichtung eines Nahwärmesystems zu denken. Besonderer Wert sei auf die Schaffung von bedarfsgerechten Angeboten für die Bürger in ihren unterschiedlichen Interessen zu legen. Der Stadtrat beauftragte die Verwaltung im Rathaus, mit Projektentwicklern Kontakt aufzunehmen, die im Bereich alternativer Wohnformen Akzente gesetzt haben, und geeignete Vorschläge auszuarbeiten.

Josef Kaiser (UW) begrüßte das Vorhaben, auch und gerade alternativen Wohnmodellen den Weg zu ebnen. Gleichwohl forderte er jedoch, die Erschließungskosten möglichst niedrig zu halten, damit der Grund und Boden letztlich bezahlbar bleibt. Auch regte er an, das Verfahren zügig abzuwickeln.

Wolfgang Wörner (Bündnis 90/Die Grünen) fand es »total klasse«, dass alternative Wohnformen untersucht werden, und »total traurig«, dass wieder Grund und Boden weit weg vom Zentrum zum Bauen zur Verfügung gestellt wird.

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) erinnerte daran, dass die Stadt schon in Geißing alternative Wohnformen – Stichwort Verdichtetes Bauen – angeboten habe, die dann aber auf wenig Interesse gestoßen seien. Um sie diesmal durchzusetzen, benötige sie »viel Rückhalt« im Stadtrat.

Walburga Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen) forderte eine »ökologische Bauleitplanung«. Um das neue Baugebiet anzubinden, sei ein »gutes ÖPNV-Konzept« nötig. Mörtl-Körner regte an, auch größere Wohnungen zu schaffen, die Familien mit drei Kindern Platz bieten. Auch schlug sie vor, einen Teil des Grund und Bodens auf Erbpacht zu vergeben.

Dr. Christian Hümmer (CSU) forderte »zwei Innovationen«. Um es besser als in Traunstorf zu machen, müsse die Stadtverwaltung erstens das Verfahren schneller abwickeln und zweitens Sorge dafür tragen, dass die Parzellen in Seiboldsdorf bezahlbar sind. Ein Preis von bis zu 450 Euro pro Quadratmeter wie in Traunstorf sei »ein Witz«. Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) entgegnete ihm, dass Bewerber um Grund und Boden in Traunstorf unter der Berücksichtigung sozialer Belange nur 250 Euro bezahlen.

Uwe Steinmetz (UW) sprach von einer »Super-Lage« des neuen Baugebiets im Süden der Stadt. »Ich wünsche mir ein gutes Gelingen.« Ernst Harrecker (CSU) meinte, dass er versucht habe, die Grundstückspreise in Traunstorf zu drücken – dass ihm der Stadtrat aber nicht gefolgt sei. Ernst Haider ( UW) äußerte seine Zweifel, ob das Ansiedlungsmodell, so wie von der Stadt in Traunstorf angewandt, auch in Seiboldsdorf durchführbar ist. Er sprach von einer Herausforderung, geeignete Familien zu finden, und regte an, das System für die Vergabe von städtischem Grund und Boden zu günstigeren als auf dem Markt üblichen Preisen an Einheimische zu reformieren.

Das Ansiedlungsmodell – früher sprach man vom Einheimischenmodell – komme in Traunstorf, so Kegel, zum ersten Mal zur Anwendung. Die Stadt sei dabei, Erfahrungen zu sammeln. pü

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