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Foto: Eva Schneider © Große Kreisstadt Traunstein

Stadt Traunstein streicht Angebot der Ferienbetreuung

Traunstein – Mangels Interesse von Seiten der Eltern und Kinder stellt die Stadt das Projekt Ferienbetreuung für Grundschüler nach einem Jahr wieder ein. 2021/22 hatte die Verwaltung im Rathaus den Familien angeboten, sich um Mächen und Buben in der unterrichtsfreien Zeit zu kümmern – damit die Eltern entlastet werden. Doch keine einzige Gruppe kam zustande. Und so hat der Ausschuss für Familie, Bildung und Soziales des Stadtrats schließlich beschlossen, das Angebot nicht fortzuführen. 


Die Stadt hatte das Pilotprojekt im vergangenen Jahr gestartet und das Diakonische Werk beauftragt, im Schuljahr 2021/22 eine Betreuung in den Ferien anzubieten. Geplant waren jeweils Kurz- und Langgruppen von 7.30 bis 13 Uhr beziehungsweise von 7.30 bis 16 Uhr. Die Kosten pro Grundschüler: 90 Euro beziehungsweise 140 Euro pro Woche.

Die Betreuung war mit Besuchen der Feuerwehr, der Stadtgärtnerei, der Polizei und einigem mehr gedacht – neben Spielen, Lesen und Basteln. Die Stadt unterbreitete das Angebot den Eltern, musste dann aber feststellen, dass kaum Interesse besteht.

Im Vorfeld der Ferien meldeten nur wenige Mamas und Papas einen Bedarf an, vielfach lag die Zahl der Interessenten im Bereich unter zehn – womit die Nachfrage so gering war, dass dann in den Ferien des Schuljahres 2021/22 kein einziges Mal auch nur eine Gruppe zustande kam.

Die Stadt habe mehrmals versucht, eine Ferienbetreuung auf die Beine zu stellen, sagte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU). Doch die Bemühungen seien nie von Erfolg gekrönt gewesen. »Leider war die Beteiligung viel zu gering.« Traunstein sei eine »sehr familienfreundliche Stadt« und habe dieses Pilotprojekt vor einem Jahr gestartet. Mangels Interesse mache eine Fortführung jedoch momentan keinen Sinn. In der Stadt seien rund 650 Grundschüler – die Anmeldungen für die Gruppen der Ferienbetreuung seien oft aber nur im einstelligen Bereich gelegen. Die Idee der Ferienbetreuung sei »grundsätzlich richtig«, betonte der Oberbürgermeister. »Wir legen das Thema nun auf Eis, wir verbannen es aber nicht für immer.« Wenn ein Bedarf erkennbar sei, dann sei über eine Wiederaufnahme des Angebots zu diskutieren.

Ursula Lay (UW) sagte, dass in Fällen wie der Einführung einer Ferienbetreuung immer unheimlich viel Zeit verstreiche, bis das Angebot angenommen wird. Und sie erinnerte in diesem Zusammenhang an die Einführung der Ganztagsschule an der Ludwig-Thoma-Grundschule. In Sachen Ferienbetreuung vermutete Lay, dass Eltern ihre Kinder wohl anmelden, dann aber die Mädchen und Buben sagen, dass sie in den Ferien nicht in die Schule gehen wollen. Lay sprach sich dafür aus, »das Angebot im Auge zu behalten«. In einigen Jahren werde es »sicher gebraucht«.

Denis Holl (SPD/Die Linke) regte an, die Ferienbetreuung mit einer anderen Kommune zusammen anzubieten – was Hümmer aber ablehnte. Der Oberbürgermeister winkte ab und sagte, dass diese Initiative kaum erfolgversprechend wäre. Schon im städtischen Raum bestehe, wie das Pilotprojekt gezeigt habe, kaum Interesse, im ländlichen wohl erst recht nicht.

Zweite Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen) schlug vor, den Bedarf für die Ferienbetreuung anonym in den Schulen abzufragen. »Diese Abfrage haben wir im Vorfeld gemacht«, entgegnete Hümmer. Die Ferienbetreuung kostenlos zu machen, so der Oberbürgermeister weiter, »geht nicht«. Hümmer: »Wir zahlen sowieso schon drauf.«

Im Übrigen glaube er nicht, dass die Gebühren das entscheidende Kriterium seien. Vielmehr ist seiner Ansicht nach davon auszugehen, dass zum Beispiel ein Fußballcamp »einfach interessanter ist«.

Auch Susanne Deckert (Initiative Traunstein) bedauerte, dass die Stadt die Ferienbetreuung einstellen müsse. Mit Corona hätten sicherlich aber auch »außergewöhnliche Verhältnisse« geherrscht. Und auch Deckert sprach sich dafür aus, unter anderen Verhältnissen einmal einen neuen Start zu wagen.

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