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Schon früh am Tag liegt der eine oder auch andere Einwegbecher in den Abfallkörben. (Foto: Pültz)

Stadt stellt Gastronomen einmaligen Zuschuss für Mehrwegbecher in Aussicht

Traunstein – Die Stadt unterstützt Gastronomen, die ein Pfandsystem einführen. Wer künftig ein System mit Mehrwegbechern anbietet, bekommt eine Förderung: Auf Antrag der Initiative Traunstein hat der Umweltausschuss des Stadtrats mit 6:5-Stimmen beschlossen, dass jeder Gastronom, der Kaffee und andere Getränke zum Mitnehmen in den Jahren 2022 und 2023 in Pfandbechern verkauft, einen einmaligen Zuschuss in Höhe von maximal 200 Euro erhält. Die freiwilligen Leistungen gewährt die Stadt so lange, bis die Ausgaben insgesamt 5000 Euro erreichen.


Wie in anderen Städten ist auch in Traunstein »to go« längst eingeführt: Viele Gastronomen verkaufen an ihre Kunden allerlei Getränke zum Mitnehmen. Das Problem: Kaffee und dergleichen werden in Einwegbechern ausgegeben – und damit in Gebinden, die sich dann letztlich in den in der Stadt aufgestellten Müllbehältern türmen.

Um überquellende Abfallkörbe zu verhindern, hat die Initiative Traunstein im Frühjahr beantragt, ein Mehrwegbechersystem einzuführen. Der Umweltausschuss beauftragte den Klimamanager der Verwaltung im Rathaus und die Stadtmarketing GmbH, den Markt zu erkunden.

Alsdann folgte eine Umfrage. Das Ergebnis: Von 70 Betrieben, die aufgefordert worden waren, sich zur Einführung eines Mehrwegsystems zu äußern, meldeten sich nur elf. Neun von ihnen zeigten Interesse an der Einführung eines Mehrweg-Bechersystems, einer teilte mit, dass er seinen Kunden bereits Pfandbecher anbiete.

Nach der Antragstellung durch die Initiative Traunstein hat sich auf der großen politischen Bühne in Berlin Entscheidendes verändert. Der Bundestag hat das Verpackungsgesetz novelliert – und zwar mit der maßgeblichen Folge, dass Einwegverpackungen weitgehend aus dem Verkehr gezogen werden müssen.

Georg Osenstätter (Initiative Traunstein) begründete den Antrag und sagte, dass eine von der Stadt in Aussicht gestellte Förderung eine »gute Motivation« für die Gastronomen darstelle, ein System mit Mehrwegbechern einzuführen. Und Osenstätter weiter: »Zum Klimaschutz gehört die Mülleinsparung dazu.« Er gab zu verstehen, dass mehr als nur wenig Handlungsbedarf gegeben sei. Die Mülleimer in Traunstein seien voller Einwegbecher. Auch erinnerte Osenstätter daran, dass schon vielerorts Mehrwegbechersysteme auf die Beine gestellt worden seien – und dass sie gut funktionieren. »Wir sehen die Sache positiv.«

Auch Nils Bödeker (SPD/Die Linke) verwies auf Vorbilder in anderen Städten – und er dachte noch ein Stück weiter. Seiner Ansicht nach könnte und sollte man in Traunstein nicht nur Becher, sondern auch Teller in einem Mehrwegsystem anbieten. Schließlich seien die Anschaffungskosten auch in diesen Fällen gering – groß aber der Nutzen. Wie die Becher, die einmal gekauft und dann immer wieder benutzt werden können, so seien auch die Mehrwegteller nach dem Kauf lange verwendbar.

Wie schon in seinen einführenden Worten verwies Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) auch in der Diskussion auf die Novellierung des Verpackungsgesetzes. Die Gastromen seien verpflichtet, auf ein Mehrwegsystem umzusteigen – und die Stadt habe sich damit zu fragen, ob sie die Betreiber von gastronomischen Einrichtungen bei einem Schritt freiwillig fördern will, den sie sowieso unternehmen müssen.

Hans Zillner (CSU) erinnerte daran, dass nur elf der 70 befragten Betriebe geantwortet und letztlich nur neun Interesse an der Einführung eines Mehrwegsystems gezeigt hätten. Zillner verwies auf den Aufwand, der mit der Reinigung der Becher verbunden sei: Sie müssten in einem Spezialverfahren gewaschen werden. Zillner sprach sich dagegen aus, dass sich die Stadt »einmischt«: »Das regelt der Markt.«

Valentin Rausch (Bündnis 90/Die Grünen) betonte, dass das Mehrwegsystem vor allem eine Hilfestellung für kleinere Betriebe sei, die viele To-Go-Angebote unterbreiten – mit der Folge, dass die von ihnen ausgegebenen Einwegbecher dann in den Mülleimern landen. Um die Nachhaltigkeit voranzutreiben und die Ressourcen zu schonen, plädierte er für eine Förderung der Gastronomen durch die Stadt.

Hümmer hatte seine Zweifel, ob denn tatsächlich die Bezuschussung – in ihrer Höhe ist sie doch sehr überschaubar – einem Gastronomen den entscheidenden Anreiz für die Einführung eines Mehrwegsystems gibt. Vielmehr glaubte er, dass der Betreiber einer gastronomischen Einrichtung hauptsächlich organisatorische Überlegungen ins Kalkül zieht.

Dritter Bürgermeister Sepp Kaiser (UW) forderte dazu auf, nicht »to go« zu machen, sondern sich vielmehr in ein Café zu setzen und dann einen Kaffee in einer »schönen Porzellantasse« zu trinken. Auch meinte er, dass die Einführung von Mehrwegbechern – was zum Beispiel den Energie- und den Wasserverbrauch betrifft – zu einer Steigerung der Kosten führen werde.

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