Bildtext einblenden
Auf einem Grundstück an der Adalbert-Stifter-Straße plant ein auswärtiger Bauträger den Bau eines Mehrfamilienhauses mit acht Wohnungen und einer Tiefgarage. Die Stadt hat das Vorgaben genehmigt – trotz der Kritik der Nachbarn an dem Projekt. Foto: Pültz

Stadt genehmigt umstrittenen Bau von Mehrfamilienhaus

Traunstein – Trotz Kritik aus der Nachbarschaft hat die Stadt den geplanten Bau eines Mehrfamilienhauses mit acht Wohnungen und einer Tiefgarage auf einem Grundstück an der Adalbert-Stifter-Straße genehmigt. Mit 10:1-Stimmen bewilligte der Planungsausschuss das Vorhaben eines auswärtigen Bauträgers. Das Gremium vertrat die Auffassung, dass sich das Haus in die Umgebung einfügen werde.


Viele Anlieger stemmen sich gegen das Bauvorhaben. Eigenen Angaben zufolge haben sie 95 Unterschriften gesammelt und im Rathaus übergeben. Sie wehren sich gegen das Mehrfamilienhaus, das ihrer Ansicht nach auf dem kleinen Grundstück zu groß ist. Sie sehen in dem Vorhaben den »Türöffner« für einen Geschoßwohnungsbau auf der bislang von Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern geprägten Wartberghöhe.

Bernhard Glaßl, der Leiter des Fachbereichs Baurecht der Stadtverwaltung, berichtete, dass der Bauträger ursprünglich einen Antrag für ein Mehrfamilienhaus mit drei Vollgeschoßen auf dem 827 Quadratmeter großem Grundstück eingereicht habe. Er habe anfänglich ein Gebäude mit zehn Wohnungen geplant, das 13 Meter breit und 21 Meter lang ist und damit eine Grundfläche von 273 Quadratmeter aufweist.

Nach mehrmaligen Gesprächen mit der Verwaltung im Rathaus habe der Bauherr die Baumasse verringert und einen neuen Antrag gestellt. So plane er nun ein Haus mit nicht mehr drei Vollgeschoßen, sondern mit zwei plus einem ausgebauten Dachgeschoß. Er beabsichtige nun, ein 12,50 Meter breites und 15 Meter langes Haus zu errichten. Die Grundfläche habe sich damit auf 187,50 Quadratmeter verringert. Statt zehn plane der Antragsteller nunmehr acht Wohnungen.

»Wir müssen das Bauvorhaben genehmigen«

Das Vorhaben sei, wie Glaßl erläuterte, nach Paragraf 34 Baugesetzbuch zu beurteilen. Für eine Bewertung maßgeblich sei damit die Frage, ob sich das geplante Haus nach Art und Maß in die Umgebungsbebauung einfüge. Und der Fachbereichsleiter erklärte, dass beide Kriterien erfüllt seien. Als Wohnhaus passe das Gebäude, was die Art betrifft, zum einen in das Wohngebiet. Und weil in der Umgebung ähnlich große Häuser stehen, füge sich das Vorhaben auch im Hinblick auf das Maß in die Umgebung ein. Glaßls Fazit: »Wir können nicht nur, wir müssen das Bauvorhaben genehmigen.«

Helga Mandl (Bündnis 90/Die Grünen) fragte, ob denn in dem Mehrfamilienhaus auch sozial gebundene Wohnungen mit niedriger Miete entstehen. Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) verneinte die Frage. Um die Schaffung von sozial gebundenen Wohnungen zu ermöglichen, müsste die Stadt mehr Baurecht zugestehen.

Thomas Stadler (Bündnis 90/Die Grünen) wollte wissen, ob denn ein Kinderspielplatz entsteht. Glaßl verwies auf die Vorgaben der Stadt und sagte, dass Bauherrn, die ein Haus mit mehr als drei Wohnungen errichten, eine Anlage errichten müssten.

Karl Schulz (CSU) stimmte gegen die Erteilung der Baugenehmigung. »Das Vorhaben ist schon wuchtig«, sagte er. Von einem »architektonisch brillanten Entwurf« könne keine Rede sein. Auf der Wartberghöhe seien noch Flächen frei vorhanden. Der Bau an der Adalbert-Stifter-Straße könnte zum Bezugspunkt für weitere, so geplante Projekte werden. Schulz stellte die Frage in den Raum, ob denn die Stadt nicht vielleicht einen Bebauungsplan aufstellen sollte.

Hümmer entgegnete ihm, dass man in diesem Falle nicht nur das eine oder andere Grundstück, sondern das ganze Quartier überplanen müsste. Und die Aufstellung eines Bebauungsplans würde dann die Gefahr heraufbeschwören, dass Baurecht, das schon besteht, zurückgeht. Die Einleitung eines derartigen Verfahrens sei eine »theoretische Option, die praktisch nicht weiterhilft«.

»Dass das Vorhaben nicht der große Wunsch der Anlieger ist, tut mir leid«, sagte Robert Sattler (SPD/Die Linke). Die Stadt sei zur Nachverdichtung aufgefordert. Sie müsse die Vorgaben einhalten – nicht dass sie sich einen Rechtsstreit einhandelt. Sattler: »Ich möchte mir kein Verfahren an den Hals holen.«

Für Konrad Baur (CSU) ist die Aufstellung eines Bebauungsplans keine Option. Mit dieser »Verhinderungsplanung« würden die Grundstückseigentümer an Baurecht verlieren. »Ein Eingriff ins Eigentum steht für mich überhaupt nicht zur Debatte.«

Dritter Bürgermeister Sepp Kaiser (UW) sagte, dass im Falle einer Nicht-Genehmigung der Stadt ein Verfahren über die kommunale Rechtsaufsicht drohe – ein Verfahren, das er vermeiden wolle. Der Anspruch in der Stadt dürfe nicht lauten, nichts mehr in Traunstein zu verändern. Das Vorhaben sei genehmigungsfähig.

Mehr aus der Stadt Traunstein