Stadt entwickelte sich zum blühenden Gemeinwesen

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In der Ausstellung »Traunstein 1900 – eine Stadt im Wandel« ist unter anderem auch eine Fahne der Salinenfeuerwehr zu sehen.

Traunstein – Auf diesen Tag hatte sich Dr. Jürgen Eminger lange gefreut: Am gestrigen Dienstag durfte er das Heimatmuseum wieder aufsperren. Wegen der Corona-Pandemie hatte er sich in diesem Jahr länger als sonst in Geduld üben müssen. Nicht schon im April durfte er in die neue Saison starten, sondern erst jetzt. Das Heimatmuseum am Stadtplatz ist täglich – außer Montag – von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.


In einem Bürgerhaus aus dem 16. Jahrhundert und im benachbarten sogenannten Brothausturm präsentiert die Stiftung Heimathaus auf vier Etagen über 3500 Exponate. Zu sehen sind Objekte unterschiedlichster Herkunft aus vielen Epochen, Gemälde ebenso wie Gegenstände des Handwerks oder auch Ausdrucksformen der sakralen Kunst und des Volksglaubens. Eine Abteilung mit Eisenbahnen und Puppenstuben zeigt längst vergangene Spielzeugwelten.

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Zum Start in die Saison haben Dr. Eminger und seine Helfer eine Sonderausstellung erarbeitet. Sie trägt den Titel »Traunstein 1900 – eine Stadt im Wandel«. Die Ausstellung ist ein Beitrag zur Veranstaltungsreihe »Goldene Jahre«, die die Museumsnetzwerke Rosenheim und Chiemgau in diesem Jahr anbieten.

In Vorbereitung auf die geplante Landesausstellung 2021 »Götterdämmerung II« auf Herrenchiemsee hatten die Museen in der Region eine Reihe von Ideen für das Rahmenprogramm entwickelt. Nach der Verschiebung der Landesausstellung nach Regensburg drohten diese Ideen in Vergessenheit zu geraten. Dann jedoch entschieden sich die Museumsnetzwerke, die geplanten Vorhaben auch ohne Landesausstellung auf der Herreninsel zu verwirklichen. Die Veranstaltungsreihe stellten die Verantwortlichen unter das Motto »Goldene Jahre?!«

Die Macher der Sonderausstellung in Traunstein entführen die Besucher ins ausgehende 19. und beginnende 20. Jahrhundert – und damit in eine Zeit, in der die Stadt und ihre Bürger einen großen Aufschwung erlebten. »In den Jahren kurz vor und nach 1900 entwickelte sich Traunstein zu einem blühenden Gemeinwesen«, sagt Dr. Eminger.

Ausgangspunkt für die rasante Entwicklung, die das Gemeinwesen nahm, war die Eröffnung der Bahnlinie München-Salzburg am 12. August 1860 gewesen. »Mit dem neuen Bahnhof entsteht im Westen der Stadt eine spürbare Erweiterung«, so der Leiter des Heimatmuseums. »Die Einwohnerzahl verdreifacht sich in den Jahren 1805 bis 1905 von 2200 auf 7400.«

Gleichzeitig habe damals in allen Bereichen des öffentlichen Lebens, der Wirtschaft und des Verkehrs eine Aufwärtsentwicklung eingesetzt. Im Chiemgau ansässige Baufachleute und Architekten setzten mit ihren Bauwerken laut Eminger bis zum heutigen Tag markante städtebauliche Akzente. »Die Jugendstilbauten in der Bahnhofstraße, die evangelische Kirche oder die Villenbebauung am Wochinger Spitz brauchen den Vergleich mit dem Münchner oder Wiener Jugendstil in keinster Weise zu scheuen.«

Ausgestellt werden unter anderem historische Fotografien, originale Architekturzeichnungen und auch kunstgewerbliche Arbeiten. Gleichzeitig kann man das Stadtmodell betrachten und sich alsdann aufmachen zu einem fiktiven Stadtspaziergang durch das Traunstein der Jahrhundertwende.

Zu den Objekten, die das Motto der Schau »Traunstein 1900 – eine Stadt im Wandel« erläutern, zählt auch eine Fahne der einstigen Salinenfeuerwehr, die sich im Besitz der Stiftung Heimathaus befindet. Eine Restaurierung der Fahne aus der Zeit um 1900 hat der Historische Verein für den Chiemgau zu Traunstein finanziert.

Die Ausstellung ist bis 31. August im Erdgeschoß des Heimathauses zu den gewohnten Öffnungszeiten des Museums zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Wie in anderen Einrichtungen gelten auch im Heimatmuseum die gängigen Regeln zur Eindämmung der Pandemie: Wer eintritt, der muss einen Mund-Nasenschutz tragen und dann Abstand halten. pü

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