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»Spitznudl und die nasse Dirn« – Kriminalistisches von der gnadenreichen Saline Au

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»Spitznudl« Max Gschwandtner (Christoph Stoiber) bittet die »nasse Dirn« Barbara (Antonia Brunnhuber) um einen Gefallen – und das Unheil nimmt seinen Lauf. (Foto: Heel)

Eine »vergessene wahre Geschichte« aus dem Jahr 1680 hat Albert Rosenegger mit seinem Historienspiel »Spitznudl und die nasse Dirn« neu erzählt. Eine Geschichte, die auch heute noch berührt und für spannende Unterhaltung sorgt, wie die aus Witterungsgründen um einen Tag verschobene Uraufführung im voll besetzten König-Ludwig-Hof in Traunstein eindrucksvoll bewiesen hat.


Im Mittelpunkt des turbulenten Geschehens stehen die junge Barbara (Antonia Brunnhuber), die als »nasse Dirn«, also im Sudhaus der Saline arbeitet, und der zehn Jahre ältere Max Gschwandtner (Christoph Stoiber), auch »Spitznudl« oder »Pfeifer« genannt, der als Amtmann in der Saline beschäftigt ist.

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Nach einer zufälligen Begegnung bandeln die beiden miteinander an, wobei es jedoch nicht lange dauert, bis »Spitznudl« (unter mysteriösen Umständen) die Frau um einen Gefallen bittet: Sie soll ein Geldsäckchen mit umgerechnet 40 Gulden und 20 Kreuzer, angeblich aus einer Erbschaft stammend, an sich nehmen und für ihn verstecken. Barbara willigt ein, trifft auf dem Heimweg aber auf einige Arbeitskolleginnen, die Verdacht schöpfen und nicht lockerlassen, bis die Sache auffliegt – und so nimmt das Unheil seinen Lauf.

Basierend auf Fakten, die Autor Albert Rosenegger den Salzamtsprotokollen im Bayerischen Staatsarchiv in München entnommen hat, entstand unter der kompetenten Regie von Franz-Josef Fuchs und mit annähernd 50 Mitwirkenden ein »Salinendrama«, das die Zuschauer von der ersten Minute an in seinen Bann zog. Denn das Stück lieferte nicht nur tiefgründige Charakterstudien, sondern gewährte auch interessante Einblicke in das Leben der in der Saline beschäftigten Menschen.

Fotos von der Aufführung am Freitag, 26. Juli:

Weitere Aufführungen des Stücks folgen am Freitag, Samstag und Sonntag, 2., 3. und 4. August. Die Vorstellungen beginnen am Freitag und Samstag jeweils um 20.30 Uhr, am Sonntag um 18 Uhr, Einlass zwei Stunden vorher. Platzreservierungen sind nicht möglich.

Karten im Vorverkauf sind unter anderem in der Kulturfabrik »Nuts«, Telefon 0861/8431, und in der Tourist-Info im Rathaus, Telefon 0861/6 55 00, erhältlich.

Erstklassig ist auch die Besetzung, wobei Christoph Stoiber (»Garmisch Cops«) bereits reichlich Schauspielerfahrung mitbringt und so seiner Rolle als »Spitznudl« klare Konturen verleiht. Ein Bösewicht zwar, durchtrieben und zu (fast) jeder Schandtat bereit, aber dennoch nicht auf Anhieb unsympathisch. Eher ein Getriebener, der einfach nicht anders kann.

Ein Glücksfall ist auch Antonia Brunnhuber, die als kluge und selbstbewusste, wenn auch etwas leichtgläubige Barbara die Zuschauer sofort auf ihrer Seite hat. Wie für die Bühne geschaffen, agiert sie leichtfüßig, klar artikuliert und strahlt Präsenz aus, ohne sich dabei in den Vordergrund spielen zu müssen. Entsprechend glänzt sie auch als Erzählerin, die zwischendurch Auszüge aus zeitgenössischen Chroniken vorträgt.

Verknüpft mit Einschüben und Rückblenden, die zum Beispiel zeigen, wie Kurfürst Maximilian I. (Willi Schwenkmeier) Hanns Reiffenstuel (Uli Wieser) den Auftrag erteilt, die Soleleitung von Bad Reichenhall nach Traunstein zu errichten, sind die Zuschauer so stets auf dem Laufenden, was den historischen Hintergrund betrifft. Dazu gehört auch ein wirkungsvoll gestalteter Pestzug zur Erinnerung daran, wie diese Seuche 1632 auch in Traunstein gewütet hat.

Einige Nebenhandlungen wie die Szene mit den drei alten Gnadenrentlerinnen, eindringlich gespielt von Christa Fuchs, Margit Bischlager und Edith Volzwinkler denen »Spitznudl« das Recht auf Klaubholz streitig macht, ergänzen die dramatische Kernhandlung, an deren Ende Regisseur Franz-Josef Fuchs höchstpersönlich als Scharfrichter in Erscheinung tritt. Für die Bauten war Josef Häusler zuständig, für die prächtigen Kostüme Christa Fuchs.

 

red/Wolfgang Schweiger

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