Simon Schreiber neuer Vorsitzender des Georgivereins

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Simon Schreiber (Mitte) ist der neue Vorsitzende des Georgivereins Traunstein. Unser Foto zeigt ihn mit dem zweiten Vorsitzenden Martin Schweiger (links), der den Verein kommissarisch geleitet hat, und Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer. (Foto: Buthke)

Traunstein – »Mein persönliches Ziel ist es, den Wallfahrtcharakter und das wichtigste Element des Ritts am Ostermontag, den Segen für uns alle, zu erhalten, zu fördern oder noch weiter auszubauen.« Mit diesen Worten steckte der neue Vorsitzende des St.-Georgs-Vereins Traunstein, Simon Schreiber, bei der Jahreshauptversammlung im Kulturforum Klosterkirche die Eckpunkte seiner kommenden Amtsführung ab. Sein Bestreben sei es auch, der Auszeichnung des immateriellen Kulturerbes der UNESCO gerecht zu werden. Schreiber tritt die Nachfolge des im Februar verstorbenen Vorsitzenden Albert Schmied an.


Schreiber legte dar, wa-rum ihm der Georgiverein persönlich sehr am Herzen liegt und ihm die Entscheidung nicht schwer gefallen ist, mit so einer Mannschaft in Vorstand und Ausschuss für diesen Posten zu kandidieren. Tradition und Brauchtum seien für ihn ganz selbstverständlich. Aber auch seine Familie sei seit Jahrzehnten fest mit dem Ritt am Ostermontag verbunden, so der Vorsitzende. Er selbst habe als Zeichenverkäufer angefangen, sei mitgeritten und sei seit 2011 Zugführer.

Dadurch habe er in den vergangenen 15 Jahren einige Stationen für diesen besonderen Tag kennengelernt, fuhr er fort. Deshalb sei er als Vorsitzender ganz besonders dankbar um jeden, der zum Gelingen des schönsten Festtags im Chiemgau betrage. »Ein jeder, Frau, Mann, Kind und Jugendlicher, der im Hintergrund, aber auch als Figuren, Reiter und Helfer zum reibungslosen Ablauf beträgt, verdient meinen höchsten Respekt«, sagte Schreiber.

Ziel bei der Vereinsgründung vor genau 130 Jahren sei es gewesen, den alljährlichen Georgiritt am Ostermontag nach Ettendorf in seiner ursprünglichen Form und Gestalt zu erhalten. Der Glaube und das Bekenntnis, diese Pferdewallfahrt um den Schutz für Ross und Reiter, für Haus und Hof durchzuführen und sich am Kirchlein St. Vitus und Anna den geistlichen Segen für das nächste Jahr zu holen, sei in der heutigen Zeit nicht mehr ganz selbstverständlich, bedauerte er. Deshalb sei es nach wie vor eine großartige Sache, dass der Ritt weiterhin so stattfinden könne. Darüber hinaus freute er sich, dass in den vergangenen vier Wochen 20 Neumitglieder in den Verein eingetreten sind.

Die Arbeit, die Vorstandschaft und Ausschuss leisteten, sei zeitlich oft sehr intensiv. In diesem Zusammenhang dankte er dem zweiten Vorsitzenden Martin Schweiger, der den Ve-rein geleitet habe, nachdem Albert Schmied im vergangenen Jahr so schwer erkrankte. Er erwähnte ebenso die Teilnehmer am Georgiritt, der nachweislich seit etwa 1530 durchgeführt wird. Besonders nannte er die Bauern und Rosserer als Hauptakteure.

»Das Engagement unseres Wirkens und Handelns ist wichtig, um dieses Brauchtum, eine der schönsten und größten Pferdewallfahrten Bayerns, noch Jahrzehnte und Jahrhunderte fortzuführen. Das Zusammenhelfen und Beteiligen von Alt und Jung macht's aus, dass dieser Umritt Bestand hat«, betonte Schreiber. Sein Vorgänger Schmied habe den Georgiverein in diese Zeit geführt und zukunftsfähig gemacht.

Viel sei über Vorbereitung und Ablauf des Georgiritts nicht aufgezeichnet, sondern werde von Generation zu Generation weitergegeben und übertragen. Damit das so bleibe, brauche der Verein Nachwuchs und Leute, die zur Hand gingen. Deshalb rief Schreiber die Bürger aus Traunstein und Umgebung auf, Mitglied im St.-Georgs-Verein zu werden.

In seinem Rückblick erinnerte zweiter Vorsitzende Schweiger daran, dass die Mitglieder in der Jahreshauptversammlung 2020 noch einstimmig für die Durchführung des Georgiritts gestimmt hätten. Er musste genauso abgesagt werden, wie auch ein geplanter kleiner Umritt, weil die Corona-Fallzahlen so hoch waren.

Ebenso seien noch fünf Rittbitten durchgeführt worden, ehe die restlichen abgesagt werden mussten. Abgesagt wurden auch alle anderen Ritte, an denen der Georgiverein regelmäßig teilnimmt. Auf dem letzten Erdenweg begleitet werden mussten die Ehrenmitglieder Hans Petersen und Martin Straßer sowie der Vorsitzende Albert Schmied, für die am Weißen Sonntag ein Gedenkgottesdienst abgehalten wurde.

In seinem Rechenschaftsbericht sagte Schriftführer Manfred Kösterke, es habe keinerlei Sitzungen des Vorstands und des Ausschusses in Präsenz gegeben. Alles sei telefonisch abgestimmt worden. Der Ritt 2021 sei dann am 19. Januar wegen des Lockdowns abgesagt worden, obwohl man ihn noch gar nicht beschlossen habe. Von einem Überschuss von fast 3000 Euro berichtete Kassierin Andrea Maier, sodass rund 53 000 Euro für den nächsten Ritt auf der hohen Kante liegen. Sie dankte ihren Vorgängern Peter Graspeuntner und Bernd Bauhofer für die Unterstützung. Schreiber hatte zuvor Traudi Greilinger für eine großzügige Spende über 10 000 Euro gedankt. Mit dem Geld sollen notwendige Beschaffungen getätigt werden, um die Historie der traditionsreichen Wallfahrt im bekannten Glanz weiterführen zu können.

»Albert Schmied ist viel zu früh von uns gegangen«, sagte Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer. Nicht nur der Verein, sondern auch die gesamte Stadtgesellschaft seien ihm zu allergrößten Dank verpflichtet. Er habe maßgeblich dafür gesorgt, dass der Georgiritt in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen worden ist und damit als Pferdewallfahrt erhalten bleibe. Sein Dank galt ebenfalls dem zweiten Vorsitzenden Schweiger dafür, dass er den Verein in einer schwierigen Phase erhalten habe.

»Wir wollen Tradition und Identität nicht ändern. Ein Ostermontag ohne Georgiritt ist kein Ostern«, bekräftigte Hümmer. Er hoffe, dass man diese Tradition erhalten könne, denn für Traunstein sei der Georgiritt die Wurzel. Man wolle kein Event oder Show veranstalten, sondern gelebte Tradition. Als Stadt werde man den Georgiritt weiter unterstützen, damit die Tradition fortgeführt wird und man im nächsten Jahr wieder ein richtiges Osterfest habe. Dies würde jedoch nicht ohne die vielen Mitglieder (derzeit sind es über 600) funktionieren, die dahinter stünden, so Hümmer.

Bjr

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