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»Sichtbares Zeichen für Christus und sein Geheimnis«

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Kardinal Reinhard Marx weihte den neuen Altar in der Stadtpfarrkirche St. Oswald. Unter anderem zündete er auch Weihrauchkörner an. (Fotos: Pültz)

Traunstein – Die Stadtpfarrkirche St. Oswald ist wieder offen. Über zwei Jahre war sie wegen einer Sanierung nicht zugänglich, die jetzt zu Ende ging. Den Abschluss der Arbeiten bildete ein Festgottesdienst am gestrigen Sonntag mit Kardinal Reinhard Marx. Er weihte den neuen Altar im Gotteshaus. Der Kardinal sprach von einem »sichtbaren Zeichen für Christus und sein Geheimnis«.

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Groß ist die Freude in der Pfarrei St. Oswald über den Abschluss der Sanierung – und vor allem auch groß die Erleichterung, dass die Gottesdienste nun nicht mehr in anderen Kirchen, sondern wieder in St. Oswald stattfinden können. Am Freitag hatten die Baumeister den Vertretern der Medien einen ersten Blick in das generalsanierte Gotteshaus gewährt (wir berichteten), am Sonntag feierten sie nun zusammen mit rund 100 Gläubigen, die bedingt durch die Einhaltung der Corona-Auflagen Abstand hielten, die Wiedereröffnung der Kirche. Und mittendrin hoher Besuch: Kardinal und Erzbischof Marx gab sich die Ehre.

Aller guten Dinge waren am gestrigen Sonntag drei. So weihte der Gast nicht nur den neuen Altar, sondern auch das Taufbecken und den Ambo, die nun das Gotteshaus schmücken. Allesamt bestehen sie aus Muschelkalk und bilden als moderne Kunstwerke eine Symbiose mit den alten, überlieferten, die nach der Sanierung in neuem Glanz erstrahlen.

In seiner Predigt, die er am dritten Advent hielt, blickte Marx auf Weihnachten – und darauf, dass das Fest der Feste in diesem Jahr unter besonderen, unter Corona-Bedingungen gefeiert wird. Auch wenn die Pandemie die Menschen beschäftige, ihnen Sorgen bereite, so freue er sich in dieser schwierigen Zeit, dass das bevorstehende Weihnachtsfest so viel Beachtung finde. Weihnachten werde ernst genommen von der Politik, meinte er. Marx machte jedoch kein Hehl daraus, dass theologische Gesichtspunkte im Hintergrund bleiben.

Um die Botschaft, die von Weihnachten ausgeht, zu beschreiben, zitierte der Kardinal den emeritierten Papst Benedikt XVI.: »Wenn Gott Mensch geworden ist, dann ist es gut, ein Mensch zu sein.«

»Die Kirche strahlt und leuchtet«

Nicht nur die Altarweihe, auch und gerade die Generalsanierung der Kirche stand im Mittelpunkt des festlichen Gottesdienstes, den Kirchenmusiker Manfred Müller, ein Vokal- und ein Bläserquartett sowie Kantorin Margret Zahnbrecher musikalisch umrahmten. Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer sagte: »Die Kirche strahlt und leuchtet.« Der Umbau sei gelungen, ebenso die Verbindung von Tradition und Moderne.

»Die Pfarrkirche ist das Zentrum unserer Stadt«, betonte der Oberbürgermeister. St. Oswald sei ein Wahrzeichen von Traunstein. Das Gotteshaus sei vor allem auch eine »Bürgerkirche«: Gebaut und unterhalten von Bürgern – und damit nicht vom Adel oder von einem Kloster. St. Oswald habe eine »ganz besondere Bedeutung« für die Stadt.

Die Corona-Krise werde man nicht allein über Verordnungen und Gesetze – so wichtig und notwendig sie auch seien – eindämmen und in Schach halten können. Um die Pandemie bewältigen zu können, sei vor allem »so etwas wie Gemeinsinn« vonnöten. Und so ein Bewusstsein, das verbindet, wachse und stehe auf vielen Beinen. »Das Christentum ist nicht die einzige Quelle, aber die wichtigste, die entscheidende«, so Hümmer.

»Es ist vollbracht«, sagte Kirchenpfleger Simon Schreiber. »Nach zweieinhalb Jahren Baustelle dürfen wir nun wieder zurückkehren in unser Gotteshaus, das dem heiligen Oswald geweiht ist. Die Pfarrei kehrt zurück ins Herz ihrer Gemeinschaft.«

Pfarrgemeinde hat »sehr gut zusammengehalten«

Die Zeit der Sanierung sei ein »Kraftakt für alle Verantwortlichen, vor allem aber für unsere Gemeindemitglieder« gewesen. In den letzten Jahren seien die Gottesdienste auf die Salinenkapelle sowie die Kirchen im Studienseminar St. Michael und in Heilig Kreuz verteilt gewesen. »Doch gemeinsam hat man das geschafft.« Die Pfarrgemeinde habe in dieser Zeit »sehr gut zusammengehalten«. Nun könne man wieder in die Pfarrkirche St. Oswald einziehen und gemeinsam Gottesdienste feiern. »Hierfür bin ich sehr dankbar.«

Voller Freude und Dankbarkeit zeigte sich der Kirchenpfleger, als er auf die Bauzeit zurückschaute. Denn dieses große Projekt sei bis auf einige unvorhergesehene Überraschungen »bestens geplant« gewesen und »unfallfrei abgelaufen«. Die Leistungen der Handwerker seien bemerkenswert. Und weiter meinte Schreiber: »Was mir in der ganzen Zeit positiv aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass die Würde dieses Hauses während der gesamten Sanierung erhalten geblieben ist.«

Aus Sehnsucht wird Freude

»Die Renovierung war für uns eine große Herausforderung«, sagte Tobias Naturski, der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats. Und er erinnerte daran, dass die Kirche während der Bauarbeiten geschlossen war: St. Oswald, so Naturski, »hat uns gefehlt«. Die zurückliegende Zeit sei gekennzeichnet gewesen von der »Sehnsucht«, wieder in das Gotteshaus zurückzukehren. Jetzt, am Tag der Wiedereröffnung, habe sich diese Sehnsucht in Freude verwandelt, »dass wir wieder einziehen dürfen«.

Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats gab als Ziel aus, die Kirche mit Leben zu füllen. Nachdem das alte Mauerwerk in neuem Glanz erstrahle, sei nun die Pfarrgemeinde aufgefordert, ein leuchtendes Beispiel zu geben: »Lasst uns lebendig Steine dieser Kirche sein.«

Pfarrer Georg Lindl sprach von einem Kirchenraum, der Vergangenheit und Gegenwart verbinde. Es sei nicht nur viel Altes renoviert worden, sondern auch viel Neues hinzugekommen. Die Gestaltung von St. Oswald habe sich an drei Leitlinien orientiert.

Als erste Richtschnur erwähnte Lindl, dass eine Kirche ein ästhetischer Raum sein müsse, der den Menschen in seiner Körperlichkeit anspricht. Dazu zähle die Weite dieser Kirche, eine Erhabenheit, eine befreiende Atmosphäre. Diese Kirche wolle die Sinne und den Geist ansprechen, indem sie einen Anspruch an Kunst und Kultur hat. Kunst müsse für das Unsagbare neue Worte finden, müsse das Unbegreifliche in neuen Zeichen darstellen, müsse für das Unsichtbare einen sakralen Raum schaffen. Die ästhetische Erfahrung solle eine Ahnung aufsteigen lassen – die Ahnung, dass sich der Ewige neu offenbart, jetzt und für alle Anwesenden.

Geist des Gebets kann wieder einziehen

Diese Kirche soll laut Lindl zweitens »in das Mysterium des Glaubens einführen« – was vor allem dadurch geschehe, dass bewusst bestimmte Gegenstände an bestimmte Orte gestellt werden. Der Stadtpfarrer erwähnte in diesem Zusammenhang etwa die Platzierung des Taufbeckens im Eingangsbereich der Kirche, die auf die Initiation hinweist, sowie die Positionierung des Osterleuchters, der optisch die Verbindung zum Altar herstellt, der inhaltlich die Sakramente der Taufe und der Eucharistie verknüpft.

Die Kirche müsse, wie der Pfarrer die dritte Leitlinie des Handelns beschrieb, ein eucharistischer und kontemplativer Raum sein. Zum einen müsse dieser Raum die Sammlung der Gemeinde um den Altar ermöglichen, also um das Geheimnis der Eucharistie. Und zum anderen müsse dieser Raum auch funktionieren, wenn kein Gottesdienst gefeiert wird, also zum größten Teil der Zeit.

Lindl betonte: »Wir sind der Überzeugung, dass diese drei Leitlinien hier verwirklicht worden sind.« Und so legte er seiner Pfarrgemeinde nahe, diesen Raum wieder anzunehmen und ihn mit dem Geist des Gebets zu erfüllen. Wenn dann die Begegnung mit Gott stattfinde, dann habe sich all der Aufwand gelohnt. pü

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