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Sex ohne Kondom trotz Hepatitis C – Opfer ein Freier aus dem Landkreis

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Traunstein: Sex ohne Kondom trotz Hepatitis C – Urteil am Landgericht Traunstein
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Obwohl sie mit Hepatitis C infiziert ist, hatte eine Salzburger Prostituierte mehrfach ungeschützten Sex mit einem Freier. (Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Traunstein – Eine mit Hepatitis C infizierte 27-jährige Prostituierte aus Salzburg hatte mehrmals ungeschützten Sex mit einem Freier (50) aus dem südlichen Landkreis Traunstein. Mit ihrem Freund stahl sie auch noch ein Auto. Das Paar baute einen Unfall bei Weißbach, wurde von Bundespolizisten in einem stehenden Zug in Salzburg kontrolliert, leistete Widerstand und beleidigte Beamte. Das Schöffengericht Traunstein mit Richter Thilo Schmid verhängte gegen die Ungarin eine Freiheitsstrafe von 22 Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung.


Die Anklage von Staatsanwältin Barbara Miller umfasste fünffachen Geschlechtsverkehr ohne Kondom ab Frühjahr 2019 in Salzburg, im Auto und bei ihm Zuhause. Über ihre Ansteckung mit Hepatitis C seit vier Jahren klärte sie ihn nicht auf, bestand auch nicht auf ein Kondom. Glücklicherweise wurde der Kunde nicht infiziert.

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Am 3. Dezember 2019 stahl die 27-Jährige laut Anklage mit ihrem Freund Handy und Autoschlüssel des Freiers in dessen Wohnung, zwei Geldbörsen mit 85 Euro Bargeld, Bankkarte, Krankenkarte, Führerschein und Personalausweis, dazu Arbeitsjacken und ein teures Blasinstrument.

Der dritte Vorwurf der Staatsanwältin galt einer Szene in den Räumen der Bundespolizeiinspektion Freilassing im Bahnhof Salzburg. Die Ungarin wehrte sich heftig gegen ihre Durchsuchung, warf Kleidung und Schuhe nach zwei Polizistinnen. Sie schmiss einen Stuhl mehrmals auf den Boden und drohte, ihn auch auf die Beamtinnen zu werfen. Dabei stieß sie Beleidigungen aus. Nach der Durchsuchung spuckte sie einer Beamtin auf die Schulter. Die Anklägerin gelangte zu fünffacher versuchter gefährlicher Körperverletzung, Widerstand, tätlichen Angriffen auf Vollstreckungsbeamte, versuchter Körperverletzung sowie Beleidigung in drei Fällen. Das Verfahren gegen den 18-jährigen, flüchtigen Freund der Frau dauert an.

Die einschlägig vorbestrafte 27-Jährige kannte den Freier vom Straßenstrich in Salzburg. Sie behauptete, sie habe ihm »nicht direkt« von ihrer Hepatitis C berichtet, sondern gesagt: »Ich bin krank.« Er habe nicht richtig hingehört: »Ihm war nur wichtig, dass ich meine Arbeit mache.« Behandeln gegen die Erkrankung habe sie sich nicht lassen, habe sie doch Haarausfall befürchtet. Vor dem Diebstahl des Autos habe sie Tabletten genommen, die sie »sehr aggressiv« machten: »Ich hatte ständig den Gedanken, dass ich etwas stehlen muss.« Später nahm sie Ecstasy – »um die Wirkung der Tabletten zu reduzieren«.

Der Freier habe sie und ihren Freund, wie schon öfter, am 3. Dezember in Salzburg abgeholt, schilderte sie. Nachts seien sie mit seinem Auto weggefahren, um nach Ungarn zu reisen. Sie sei im Wagen eingeschlafen. Wach wurde sie, nachdem der Freund den Wagen in einen Graben bei Weißbach gesteuert hatte. Der Freund lief zu einer – geschlossenen – Tankstelle.

Ein Lkw-Fahrer zog das nicht mehr fahrtüchtige Auto aus dem Graben. Ein Autofahrer nahm das Paar mit zum Bahnhof Traunstein. Die Fahrt endete mit der vorläufigen Festnahme im Zug in Salzburg. Der 50-Jährige sagte im Zeugenstand, die 27-Jährige habe ihm gefallen. Von ihrer Krankheit habe er erst durch die Polizei erfahren. Auf seinen Wunsch hin habe sie beim Sex kein Kondom benutzt. Er habe sie auch zu sich eingeladen.

Mit dabei sei ihr »Bruder« gewesen – der wegen Diebstahls mit Gefängnis vorbestrafte Freund. In der Nacht des Auto-Diebstahls habe sie mit dem »Bruder« im Schlafzimmer übernachtet, er auf dem Kanapee im Wohnzimmer. Seinen Wagen habe er wiederbekommen – mit kaputter Kupplung, beschädigtem Kotflügel und eingedrückter Stoßstange.

Eine Bundespolizistin informierte, die Angeklagte sei bei der Durchsuchung »nicht kooperativ« gewesen. Ein Schuh habe sie getroffen, aber nicht verletzt. Ihr sei wegen des Bespuckens zweimal Blut abgenommen worden – Gott sei Dank ohne Befund, so die Zeugin.

Persönlichkeitsstörung mit dissozialen Zügen

Ein psychiatrisches Gutachten kam zu dem Ergebnis, die 27-Jährige habe eine Persönlichkeitsstörung mit dissozialen und instabilen Zügen, allerdings nicht von Krankheitswert. Sie sei voll schuldfähig gewesen. Eine Unterbringung zum Entzug sei abzulehnen.

Staatsanwältin Barbara Miller wie der Verteidiger, Manfred Kösterke aus Traunstein, griffen in den Plädoyers das Verhalten des Mannes auf. Er habe bei seiner Forderung auf Kondomverzicht von dem allgemeinen Risiko bei ungeschütztem Sex gewusst. Miller beantragte eine Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten, der Verteidiger zwischen ein und eineinhalb Jahren, aber mit Bewährung.

Das Schöffengericht wertete einzelne Aspekte milder als die Staatsanwältin. Vorsitzender Thilo Schmid begründete im Urteil, das Teilgeständnis und die Entschuldigungsbriefe hätten strafmildernd gewirkt. Die Frau sitze seit sechs Monaten in Untersuchungshaft. »Wir hoffen, dass Sie sich künftig straffrei führen. Wir hoffen, Sie widmen sich in Ungarn einer anständigen Arbeit. Wenn Sie in Salzburg auf dem Straßenstrich weiterarbeiten, besteht die Gefahr, dass wir uns vor Gericht wiedersehen.« kd

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