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Senioren haben ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft

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Foto: dpa/Patrick Seeger

Traunstein – Über neue Entwicklungen in der Pflege, Unterstützung pflegender Angehöriger und Gesundheit im Alter unterrichtete die Landkreisverwaltung Seniorenbeauftragte und -beiräte, kommunale Mitarbeiter im Sozialbereich, Kommunalpolitiker sowie Vertreter von Sozialverbänden, Einrichtungen und Institutionen in einer Seniorenkonferenz im Landratsamt.


Der stellvertretende Landrat Sepp Konhäuser und der Seniorenbeauftragte des Landkreises, Hans Zott, meinten, der Anteil der Älteren an der Gesamtbevölkerung nehme weiter zu, sodass das Thema »Pflege« immer wichtiger werde. Ältere Menschen hätten ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft, betonte Konhäuser. Rund 50.000 Bürger im Landkreis seien älter als 60 Jahre. Dies entspreche etwa einem Drittel der Gesamtbevölkerung. »Dass wir uns um deren bestmögliche Pflege kümmern, ist eigentlich der selbstverständliche Respekt vor der Lebensleistung«, sagte er.

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Je höher die Lebenserwartung der Menschen werde, desto bedeutsamer werde es, der »dritten Lebensphase« Struktur und Inhalt zu geben. Die Senioren seien nicht »per se« Hilfebedürftige, denn die meisten seien bis ins hohe Alter leistungsfähig und vor allem leistungswillig.

Landkreis will die Selbstständigkeit fördern

»Wir als Landkreis wollen mit unseren Maßnahmen und unserer Unterstützung diese Selbstständigkeit fördern«, betonte Konhäuser. Und bei Bedarf stelle der Kreis mit Seniorenbeauftragten, einem seniorenpolitischen Gesamtkonzept, den Kreisaltenheimen und dem neuen Pflegestützpunkt entsprechende Hilfsangebote bereit. Die lokalen Bedingungen, darunter eine lebendige Nachbarschaft, Angebote für ein soziales Miteinander und die Gemeinde spielten für das Leben im Alter zudem eine entscheidende Rolle.

Markus Mayr, Geschäftsführer der Kreisaltenheime, stellte die geplante eigenständige Kurzzeitpflege an der Kreisklinik Trostberg vor. Sie soll die Nachsorge nach einem akuten Krankenhausaufenthalt als Brücke zur nächsten Versorgungsstufe sichern, denn wöchentlich gebe es rund 60 Anfragen aus den Krankenhäusern. In den Senioreneinrichtungen seien die meisten Plätze jedoch mit Vollzeitpflege belegt. Geplant seien 30 Einzelzimmer, davon acht rollstuhlgerechte Zimmer. Baubeginn soll laut Maier im nächsten Jahr sein. Mit der neuen Kurzzeitpflege könne man schnell und patientengerecht reagieren.

Über den seit 1. Oktober im Landratsamt eingerichteten Pflegestützpunkt berichtete Abteilungsleiterin Alexandra Wolf. Dabei handelt es sich um eine landkreiseigene Einrichtung, weil Landrat Siegfried Walch nicht warten wollte, bis die Vereinbarungen mit den Pflegekassen geschlossen und die notwendigen Durchführungsgesetze beschlossen werden. Das Team besteht derzeit aus acht Leuten. Es ist von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr sowie von Montag bis Donnerstag von 13.30 bis 16 Uhr unter der zentralen Servicetelefonnummer 0861/58 111 erreichbar. Schwerpunkt werde zunächst die telefonische Beratung sein, die neutral und kostenlos erfolge, so Wolf. Man könne in einigen Sachen selbst beraten, wenn es jedoch in die Tiefe gehe, werde man den Ratsuchenden an kompetente Fachstellen weiterleiten. Ab Dezember soll der Pflegestützpunkt nachhaltig strukturiert betrieben werden und die Beratung nicht nur telefonisch, sondern auch persönlich erfolgen. Dafür hat der Landkreis Frank Wegfahrt eingestellt.

Bedarf an Beratung ist sehr groß

In der Diskussion wurde verdeutlicht, dass der Bedarf an Beratungen sehr groß ist – und dass sie vor Ort geleistet werden müssten. An Wolf wurde auch die Bitte herangetragen, flächendeckend zu arbeiten und zum Beispiel das Quartierskonzept mit Quartiermanager als lokale Vernetzung mit niederschwelligen Angeboten nicht zu vergessen.

Der Seniorenbeauftragte Zott bat um etwas Geduld. Es brauche einen langen Atem und gehe nicht von heute auf morgen. Und Konhäuser ergänzte: »Wir sind froh, dass es endlich losgeht.« Es sei klar, dass man sich regional vernetzen müsse. »Ich bitte zu berücksichtigen und es positiv zu sehen, dass es sich nicht nur um eine Servicenummer handelt, sondern dass eine ganze Mannschaft dahinter steht.«

Wie man im Alter gesund bleiben und eine mögliche Pflegebedürftigkeit hinausschieben kann, machte Diplom-Ökotrophologin Ingrid Thaler mit ihrem Vortrag »Fit im Alter: Bewusst essen, täglich bewegen« deutlich. Wichtig sei zu essen, weil dies Lebensqualität bedeute. Wichtig seien aber Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte und hohem Ballaststoffgehalt, ebenso kleine Zwischenmahlzeiten.

Eine Gewichtsstabilisierung solle aber im Alter nicht über die Ernährung, sondern über die Bewegung erfolgen, indem man Alltagsbewegungen fördert und die Bequemlichkeit einschränkt.

Tägliche Bewegung verbessere die Muskelkraft und die Stabilität alter Menschen. Die Knochendichte, Beweglichkeit und Belastbarkeit der Gelenke nehmen dann laut Thaler zu. Bjr