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Sanierungsbedarf der Klosterkirche war bereits beim Kauf klar

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Weitere Nachträge beim Bauprojekt Kulturforum Klosterkirche segnete der Finanzausschuss in seiner gestrigen Sitzung ab – vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrats am Donnerstag. (Foto: Hohler)

Traunstein – Dass auf die Stadt Traunstein eines Tages eine umfassende Sanierung zukommen würde, war bereits beim Kauf der Klosterkirche zur Zeit seines Vorgängers Rudolf Wamsler klar, sagte Altoberbürgermeister Fritz Stahl bei einem Ortstermin mit SPD-Mitgliedern im Sommer. Man habe sich aber aus Kostengründen immer nur zu dem »unbedingt Notwendigen« durchringen können.


So steht es in der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung, die der Finanzausschuss des Stadtrats in seiner gestrigen Sitzung zur Kenntnis nahm – ohne jegliche Diskussion. Diese Feststellung bestätigte laut Vorlage auch der frühere Oberbürgermeister Manfred Kösterke gegenüber den Wirtschaftsjunioren. Die Kosten müsse man in Relation zu der langen Zeit sehen, in der keine wirklichen Sanierungen stattgefunden hätten. Neben baulich nicht fachgerechten (Schwächen des Mauerwerks durch Schlitzen, ungeeignete Materialien und anderes) seien auch statisch nicht vertretbare Arbeiten (Entfernung von Windlastaussteifungen am Dachstuhl) ausgeführt worden.

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Abzüglich der Fördergelder und Spenden des Arts-Kulturfördervereins von zusammen 5,7 Millionen Euro blieben der Stadt somit rund 4,8 Millionen Euro zu zahlen, heißt es in der Vorlage weiter. Bei Berechnung nach den tatsächlichen Kosten könnten sich der Zuschuss der Städtebauförderung (städtebaulicher Denkmalschutz) noch erhöhen.

Bei der Kostenentwicklung verweist die Verwaltung auf den seit 2014 gestiegenen Baukostenindex des statistischen Bundesamts. Würde man heute nochmals eine Kostenberechnung für die Klosterkirche, Südflügel, Unterkellerung, 4500 Quadratmeter Außenfläche und Ludwigstraße anstellen – jetzt natürlich unter Berücksichtigung zusätzlicher Bauherrnwünsche (Lichtgraben Schulhof, Multifunktionsraum im Südflügel), so käme man auf rund 10,1 Millionen Euro.

Trotz des Bauens im Bestand mit seinen unweigerlich damit verbunden Unwägbarkeiten habe sich der aktuelle Kostenstand nur um 3,8 Prozent auf aktuell 10,5 Millionen Euro erhöht. Unvorhersehbar seien zum Beispiel Schadstoffbelastungen, der marode Zustand der Dachstühle, Instandsetzungsversäumnisse und unzureichende Planungsunterlagen aus früheren Umbauten gewesen. Ohne Berücksichtigung des Baukostenindex ergebe sich eine Abweichung von 13,8 Prozent zum aktuellen Kostenstand.

Erledigt seien die Sanierung der tragenden Konstruktion am Kirchendach und Kirchturm. Der untere Bereich des Dachs wird mit Kirchenbiber eingedeckt. Saniert sei der Dachstuhl des Südflügels. Die Verblechung des Dachs werde bis Ende Oktober fertig. Erledigt seien auch die Mauerwerkssanierungen im Bereich des Südflügels und die Rohbauarbeiten im Foyeranbau. Die Gewölbesanierung in der Kirche werde bis Ende November fertig. Erledigt seien Trockenbauarbeiten, Estricharbeiten, Elektro- und Sanitärinstallationsarbeiten im gesamten Bereich.

Die Fertigstellung des Gebäudes sei nun im Juni geplant. Pausen- und Klosterhof mit Eingangsbereich der Schule seien seit September im Bau, voraussichtlich bis Ende Mai, der Klosterkirchenvorbereich mit Ludwigstraße soll bis Juli fertig sein – nach derzeitigem Stand.

Stimmt auch der Stadtrat am morgigen Donnerstag zu, werden weitere Arbeiten und Kosten abgesegnet, die sich aus verschiedenen Gründen erst im Laufe der Bauarbeiten als notwendig herausgestellt haben. Dazu gehörten unter anderem die Gewerke Restaurierung Innenschale Kirche für rund 27 800 Euro, Lüftungsanlage mit rund 20 000 Euro, Baumeister mit knapp 19 000 Euro, Zimmerer und Stahlbauarbeiten mit 16 000 Euro sowie Zimmerer Denkmalschutz mit 11 462 Euro. Die Summe aller bisherigen Nachträge bezifferte die Verwaltung mit 1,214 Millionen Euro. Das entspreche 11,5 Prozent der aktuellen Gesamtkostenermittlung.

Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) berichtete von einem Treffen von mehreren Oberbürgermeistern bayerischer Großer Kreisstädte. Kollegen hätten von Kostensteigerungen zwischen 30 und 70 Prozent berichtet, so Kegel im Finanzausschuss. »Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass das bei uns relativ betrachtet nur so wenig ist«, sagte er. Auch hätten seine Kollegen einhellig betont, dass sich das Aufheben von Ausschreibungen nur in den seltensten Fällen lohne. coho