Rinderzuchtverband erwägt Wegzug aus Traunstein

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Der Rinderzuchtverband (RZV) hat seit vielen Jahren seinen Standort in Traunstein. Auf städtischem Boden steht die Chiemgau-Halle, die er einst baute. Den Grund und Boden hat er von der Stadt gepachtet. Der RZV zieht nun den Bau eines neuen, größeren Marktgebäudes auf einem Grundstück im Gemeindegebiet Grabenstätt in Erwägung. (Foto: Pültz)

Traunstein – Der Rinderzuchtverband Traunstein (RZV) zieht einen Wegzug aus der Kreisstadt in Erwägung. Schon seit Jahr und Tag möchte er ein neues Marktgebäude bauen, das größer ausfällt als die Chiemgau-Halle. Interesse zeigt der Verband nun an einem Neubau auf einem Grundstück in der Nähe von Aberg, einem Ortsteil der Gemeinde Grabenstätt. Auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts betonte Bernhard Reiter, der Geschäftsführer des RZV, dass noch nichts in trockenen Tüchern sei.


Die Chiemgau-Halle, die der RZV auf städtischem Grund vor Jahr und Tag errichtet hatte, ist dem Verein mittlerweile, wie er in der Vergangenheit immer wieder beteuert hatte, zu klein für die Veranstaltung seiner Viehmärkte. Vor einiger Zeit hatte er in Erwägung gezogen, der Stadt in der Nähe von Wolkersdorf ein Grundstück abzukaufen und dort dann einen Neubau zu errichten. Weil sich die Anlieger dagegen wehrten, verfolgte er diese Planung dann aber nicht weiter.

In der Nachbargemeinde Grabenstätt erwägt der RZV nun den Bau einer neuen Markthalle. Aus den Reihen der Verantwortlichen des RZV kommt weder eine Bestätigung noch ein Dementi. Erläutern will Reiter die Pläne nicht. Nur vage äußert er, »viele Sachen sind noch nicht sicher«. Diese Unwägbarkeiten seien zu beseitigen. Reiter spricht von einem »schwebenden Verfahren«.

Die Gemeindeverwaltung im Rathaus in Grabenstätt macht auf Anfrage kein Hehl daraus, dass der Rinderzuchtverband einen Neubau auf einem Grundstück nahe Aberg in Erwägung zieht. So bestätigte Bürgermeister Gerhard Wirnshofer, dass »es Gespräche in diese Richtung gibt«. Doch zementiert sei noch nichts. Die Gemeinde stehe den Plänen »positiv gegenüber«. Wirnshofer: »Über den Rinderzuchtverband gibt es nichts Negatives zu berichten.« Ihm sei es ein Rätsel, warum die Diskussion so eine »Dynamik« angenommen habe.

Die Gemeinde Grabenstätt plane die Ausweisung eines »Gewerbegebiets Aberg«. Im Brennpunkt stehe das alte Kiesabbaugebiet nahe Wolkersdorf. Dem Gewerbe zur Nutzung übergeben wolle die Gemeinde Flächen, die zum Teil schon, zum Teil noch nicht renaturiert sind – Flächen, so der Bürgermeister, die sich für eine landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr eignen.

Rund vier Hektar umfasst das Gewerbegebiet, das die Gemeinde schaffen will. Einen ersten Schritt in diese Richtung hat sie bereits unternommen. So hat sie damit begonnen, den Flächennutzungsplan zu ändern – das Verfahren läuft. Der Bürgermeister betont, dass die Gemeinde sich das Ziel setze, die Planungen im Mit- und damit nicht im Gegeneinander zu entwickeln. So beabsichtige sie, die Bürger in Wolkersdorf mit dem Gewerbegebiet nicht über Gebühr zu belasten.

»Wir wollen ein Gewerbegebiet entstehen lassen«, so Wirnshofer. Und in die Planungen habe die Gemeinde »das Thema Rinderzuchtverband auch mitaufgenommen«. Der Bürgermeister betont ausdrücklich, dass der RZV nicht der ausschlaggebende Grund gewesen sei, die Ausweisung des Gewerbegebiets anzugehen. Nach der Änderung des Flächennutzungsplans im ersten Schritt wolle die Gemeinde dann im zweiten an die Aufstellung eines Bebauungsplans gehen.

Einen Wegzug des RZV in die Nachbargemeinde sieht die Stadtverwaltung in Traunstein nicht. »Ehrlich gesagt, wissen wir als Stadt im Moment nicht, ob diese Pläne noch aktuell sind«, so Pressereferentin Eva Schneider. »Wir haben dazu jüngst unterschiedliche Sig-nale erhalten.«

Nach wie vor geht die Verwaltung im Rathaus davon aus, dass der RZV am Standort in Traunstein bleibt – und dass er, wie er angefragt hat, den Stall neben der Chiemgau-Halle erneuert. Dessen Dach hatte im Februar 2019 den Schneelasten nachgegeben und war eingestürzt. So sagt Schneider, dass der RZV im November des vergangenen Jahres eine Bauvoranfrage gestellt und angefragt habe, ob sich die Stadt vorstellen kann, das Projekt zu genehmigen. Die Stadt habe dann im März in Aussicht gestellt, dem Vorhaben grünes Licht zu geben.

Die Behandlung der Bauvoranfrage sei damals, wie Schneider die Einzelheiten erläutert, über den Verwaltungsweg gelaufen. »Nach unserer neuen Geschäftsordnung werden Baugenehmigungen und Vorbescheide grundsätzlich ohne Beteiligung der Stadtratsgremien im Verwaltungsweg erteilt.«

Der Rinderzuchtverband habe einen Vorbescheid zum Wiederaufbau des Stalls am Festplatz beantragt und dann eine Vorbescheidsgenehmigung erhalten, fasst die Pressereferentin zusammen. »Ob der Rinderzuchtverband auch tatsächlich wiederaufbaut, entzieht sich der Kenntnis der Stadtverwaltung.«

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