weather-image
29°

Restaurierung von Prunkstück geht zu Ende

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Die Fahne, die der »Verein der beabschiedeten Soldaten in Traunstein« 1837 anfertigen ließ (ein Teil ist auf unserem Bild zu sehen), erfuhr in den vergangenen drei Jahren eine Restaurierung. Die Stadt plant, sie in einer Glasvitrine im alten Rathaus auszustellen.

Traunstein – Eine stattliche Größe besitzt das gute alte Stück. 1,80 Meter breit ist die Fahne, ebenso hoch. Sie zeigt Soldaten in Paradeuniform. Und die Szenerie ist ganz und gar bayerisch: Weiß-Blau herrscht vor. Bereits 1837 entstand die Fahne, die der damals neu gegründete »Verein der beabschiedeten Soldaten der königlich-bayerischen Stadt Traunstein« in Auftrag gegeben hatte.


Das altehrwürdige Stück fing schon vor geraumer Zeit an, seinem Alter Tribut zu zollen und sich in die Einzelteile aufzulösen, als die Stadt Traunstein einschritt. Die Fahne erstrahlt jetzt wieder in neuem Glanz. Nach rund drei Jahren ist die Restaurierung – wie Stadtarchivar Franz Haselbeck im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt erzählt – im Großen und Ganze abgeschlossen.

Anzeige

Einige Restarbeiten sind noch zu erledigen. So sagt der Stadtarchivar insbesondere, dass die Fahne noch auf eine Trägerplatte aufgebracht werden müsse. Und wenn sie Standfestigkeit gewonnen hat, erhalte sie – voraussichtlich im Herbst – einen Ehrenplatz im Treppenhaus des alten Rathauses: Gut geschützt in einer Glasvitrine ist sie dann in aller Öffentlichkeit zu bestaunen.

116 Veteranen gründeten im Oktober 1836 den »Verein der beabschiedeten Soldaten der königlich-bayerischen Stadt Traunstein« – wobei das damalige Wort »beabschiedet« mit dem heutigen »verabschiedet« gleichzusetzen ist. Von diesen Soldaten, die den Dienst in der bayerischen Armee quittiert hatten und von ihr also verabschiedet worden waren, hatten 47 an einem der insgesamt sechs Feldzüge zwischen 1805 und 1813 teilgenommen. Der Rest hatte erst nach den Napoleonischen Kriegen seinen Dienst in der bayerischen Armee abgeleistet.

Der Verein setzte sich laut Haselbeck das Hauptziel, für jedes verstorbene Mitglied eine heilige Messe in der Friedhofskirche lesen zu lassen. »Außerdem wollte man zum Gedenken an alle verstorbenen Waffengefährten ein Denkmal auf dem hiesigen Gottesacker errichten« – was dann in Form des Obelisken auch so geschah, der auf dem früheren Friedhof an der Kirche St. Georg und Katharina, dem heutigen Stadtpark, stand beziehungsweise nach wie vor dort steht. Und dievielen Veteranen, die sich damals zusammenschlossen, schworen sich laut dem Stadtarchivar nicht zuletzt auch, sich im Falle eines Unglücks gegenseitig zu unterstützen.

Auch und gerade eine Fahne ließen sie anfertigen – so etwas gehörte schon damals zum Selbstverständnis von Bürgern, die einen Verein aus der Taufe hoben. 1837 erfolgte die Fertigung des Bilds durch den Traunsteiner Maler Georg Sollinger. Die Weihe erfuhr die Fahne dann zugleich mit dem Obelisken, der sich auch im Zentrum der bildlichen Darstellung befindet.

Der Verein fand nicht immer und überall gleichermaßen Wertschätzung und Anerkennung. Ganz im Gegenteil, vor allem in der Obrigkeit bestanden nicht nur geringe Vorbehalte gegen die Vereinigung, die wie andere ihrer Art eine provinzielle, eigenständige Kameradschaftskultur entwickelte. So untersagte die Regierung von Ober- bayern dem Verein 1842 das weitere öffentliche Tragen der Fahne. Die Getadelten scheinen sich jedoch, wie Haselbeck weiter aus der Geschichte zu berichten weiß, nicht an dieses Verbot gehalten zu haben.

Nach einigen Jahren der Diskussionen glätteten sich die Wogen. Die Vereinigung nannte sich alsdann »Veteranen- und Kriegerverein« beziehungsweise »Krieger- und Soldatenkameradschaft«. Nach deren Auflösung im Jahr 2002 kam die Fahne dann über Umwege in den Besitz der Stadt Traunstein. Und der neue Eigentümer beschloss alsdann, das gute, alte Stück, das deutliche Auflösungserscheinungen aufwies, wiederherzustellen. 2017 stellte der Stadtrat die Weichen für eine Restaurierung – die geschätzten Kosten damals: 20 000 Euro.

Unterstützung bekam die Stadt vom Landesamt für Denkmalpflege. Die Behörde habe, wie Haselbeck sagt, den entscheidenden Tipp gegeben, wie man an eine staatliche Förderung kommen kann: Die Behörde habe eine »goldene Brücke« gebaut und empfohlen, dass die Stadt als Ziel ausgibt, die Fahne der Öffentlichkeit zu präsentieren. Im Rathaus nahm man die Empfehlung an – und so kam eine staatliche Förderung in Sicht.

Die Fahne gelangte in die Hände von Restauratoren, die alsdann ans Werk gingen – und zwar auf eine Art und Weise, wie sie in solchen Fällen üblich ist. Laut Haselbeck schlossen sie die Löcher in der Fahne mit passendem, einfarbigen Material, die Bildmotive setzten sie an diesen Fehlstellen, die sie aufhoben, nicht fort. Und Einzelteile vereinigten die Restauratoren laut Haselbeck Stück für Stück wieder mit dem großen Ganzen. »Sie legten ein Puzzle.«

Wenn auch noch die Restarbeiten abgeschlossen werden, dann erhält die Fahne einen neuen Platz. In einer Glasvitrine, die der Förderverein Alt-Traunstein spendiert, ist sie dann im alten Rathaus zu sehen. Die Stadt hat dort vor einiger Zeit ein Klimamessgerät aufgestellt – und die Werte etwa für die Luftfeuchtigkeit sprechen eine eindeutige Sprache. Die alte Fahne könne dort, wie Stadtarchivar Franz Haselbeck sich schon freut, aus konservatorischer Sicht problemlos gezeigt werden.

Mehr aus der Stadt Traunstein