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Radwege in der Stadt rücken in den Brennpunkt

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Die Stadt nimmt die Radwege ins Visier: Sie will ein Radverkehrskonzept in Auftrag geben. (Foto: Pültz)

Traunstein – Die Stadt will die Radwege in Traunstein verbessern. Von Fachleuten möchte sie nun feststellen lassen, wo die Schwachstellen liegen und welche Maßnahmen sich anbieten. Einstimmig hat der Ausschuss für Planung, Bau und Digitalisierung des Stadtrats beschlossen, ein Radverkehrskonzept in Auftrag zu geben. Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) betonte, dass »erheblicher Verbesserungsbedarf« in Sachen Radwege bestehe.


Den unmittelbaren Anlass für die Erstellung eines Konzepts bilden die Bemühungen der Stadt, der »Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen« beizutreten. Im Januar hatte der Stadtrat beschlossen, einen Aufnahmeantrag zu stellen. Inzwischen ist das Verfahren angelaufen. Eine zwingende Voraussetzung für die Aufnahme in den Verein ist die Erstellung eines Radverkehrskonzepts.

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Die Untersuchung soll nach den Vorstellungen in der Stadtverwaltung unter anderem den Bestand und die Mängel im Wegenetz aufzeigen. Der Gutachter soll die im Verkehrskonzept festgestellten Defizite wie auch die Informationen der Teilnehmer an der Aktion Stadtradeln berücksichtigen.

Er soll ein Handlungskonzept mit baulichen, organisatorischen und kommunikativen Maßnahmen erarbeiten, die Verbesserungen über eine Informationskampagne »Fairkehr« begleiten und die Ausweisung weiterer Tempo-30-Zonen prüfen. Man soll auch die Ansprüche der Fußgänger beachten und ein sicheres Nebeneinander mit den Radfahrern anstreben.

Hümmer sagte, dass die Fraktionen schon lange den Wunsch hegen, beim Thema Radverkehr voranzukommen – was nun mit der Erstellung eines Konzepts geschieht. Der Rathauschef warb für ein systematisches Vorgehen. Zu beachten sei vorrangig immer die Sicherheit. Und der Oberbürgermeister brach auch eine Lanze dafür, im Rahmen von Verbesserungen alle Verkehrsteilnehmer im Auge zu behalten. Er lehnte eine »eindimensionale« Sichtweise allein auf die Radfahrer ab und sprach sich stattdessen dafür aus, auch die Fußgänger und Autofahrer zu beachten. Das »große Ganze« sei in den Vordergrund zu stellen.

Elmar Schwäbisch, der Leiter des Sachgebiets Stadtplanung im Rathaus, erläuterte, dass – trotz der Aktivitäten, die die Stadt in der Vergangenheit an den Tag gelegt habe – »zahlreiche Defizite« bestehen. Die Verwaltung habe sie »systematisch zusammengetragen«. Um das weitere Vorgehen festzulegen, sei die Erstellung eines Konzepts wünschenswert. Einige Büros hätten schon Radverkehrskonzepte erarbeitet und könnten nun von der Stadt angefragt werden.

Das von Hümmer und seiner Verwaltung vorgeschlagene Vorgehen stieß im Ausschuss auf einhellige Zustimmung. Robert Sattler (SPD/Die Linke) freute sich, dass im Rahmen der Erstellung eines Radverkehrskonzepts auch und gerade die Interessen der Fußgänger mitberücksichtigt werden. Denn mittlerweile seien weniger die Autos als vielmehr die Pedalritter eine Gefahr für die Spaziergänger.

Zweite Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen) freute sich über den Einstieg in die systematische Verbesserung der Radwege: »Endlich gehen wir das an, was wir Grüne schon seit Jahren fordern.« Auf ihre Frage, wer denn in der Verwaltung der Stadt mithilft, die Untersuchung zu erstellen, sagte der Oberbürgermeister, dass die Federführung in den Händen von Schwäbisch liege.

Auch Georg Osenstätter (Initiative Traunstein) betonte, dass die Erstellung eines Radverkehrskonzepts »sehr zu begrüßen« sei. Er fragte unter anderem nach den Kosten – worauf Schwäbisch antwortete, dass sich die Ausgaben für das Gutachten nach dem Umfang richten werden, die die Stadt in Betracht zieht. Über die Städtebauförderung sei kein Zuschuss zu erwarten, es gebe aber auch noch andere Fördertöpfe.

Nils Bödeker (SPD/Die Linke) freute sich, dass sich in Sachen Radwege nun etwas bewegt. Er betonte, dass Konsens bestehe, die Initiative zu ergreifen. Bödeker regte an, auch das Thema Sicherheit auf dem Schulweg in die Überlegungen miteinzuschließen.

Schon immer habe der Stadtrat sich bemüht, die Radwege in Traunstein zu verbessern, betonte Karl Schulz (CSU) in einem Rückblick. »Man sollte jetzt nicht so tun, als ob wir uns noch in der Steinzeit befinden vor der Erfindung des Rads.« In der Vergangenheit sei »schon viel passiert«. Mit dem Blick auf die Zukunft meint Schulz, dass man sich nicht der Illusion hingeben sollte, überall in Traunstein eine »perfekte Lösung« für die Radfahrer finden zu können. Stattdessen seien Kompromisse zu schließen.

Konrad Baur (ebenfalls CSU) meinte auch, dass bereits »sehr viel geschehen« sei. Er fügte aber hinzu, dass »wir noch sehr viel vor uns haben«. Zu berücksichtigen sei, dass sich das Mobilitätsverhalten geändert habe. Er plädierte dafür, in der Diskussion über die Neuverteilung des Verkehrsraums – auch und gerade mit den Autofahrern – »die Ideologie heraus zu lassen«.

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