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PV-Anlage auf Scheibenstraße-Parkhaus: Betreiber drohen hohe Verluste

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Traunstein: PV-Anlage auf Scheibenstraße-Parkhaus: Betreiber drohen hohe Verluste
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Noch läuft die Photovoltaikanlage auf dem Parkhaus an der Scheibenstraße. Doch ihre Tage sind gezählt. Die Anlage muss abgeschaltet und abgebaut werden, weil die Stadt das Gebäude abbricht.

Traunstein – Hohe Einnahmeverluste drohen der Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) Schrag-Schenk, die die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Parkhauses an der Scheibenstraße betreibt. Weil die Standsicherheit nicht mehr im vollen Umfang gewährleistet ist, lässt die Stadt das Gebäude im nächsten Jahr abreißen.


Die GbR Schrag-Schenk hatte das Dach seinerzeit bis 2021 angemietet. Wenn sie jetzt den Betrieb der Anlage vorzeitig einstellen muss, geht ihre ursprünglich angelegte Kalkulation nicht mehr auf. »Uns fehlen 50.000 Euro«, sagte Dr. Rainer Schenk von der GbR im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt.

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Der Bau der Photovoltaikanlage auf dem Dach des Parkhauses an der Scheibenstraße war seinerzeit ein Vorzeigeprojekt gewesen. Erstmals schlossen sich damals Bürger zusammen, um in Traunstein eine Solarstromanlage zu errichten. »Sonne in der Stadt« lautete das Motto, das die Initiatoren Wolfgang Schrag und Dr. Rainer Schenk ausgaben.

Und sie konnten eine große Begeisterung entfachen: 56 Bürger stiegen ins gemeinsame Boot und stellten Geld für den Bau zur Verfügung. Die Investitionskosten betrugen rund 330.000 Euro. Die Stromgewinnung durch die größte Solarstromanlage im Landkreis Traunstein begann im September 2001.

Die Anlage besteht aus 340 Modulen und 17 Wechselrichtern, die sich über eine Fläche von rund 500 Quadratmetern verteilen. Bei einer Spitzenleistung von 56,1 Kilowatt erzeugt sie im Jahr circa 50.000 Kilowattstunden Solarstrom, die die GbR Schrag-Schenk in das Netz der Stadtwerke einspeist. Zugesichert ist eine Vergütung in Höhe von 50 Cent pro Kilowattstunde.

Mit ihrem Geld sind die Bürger 2001 eingestiegen. Und sie haben damals die Zusicherung erhalten, dass sie ihre Beiträge wieder zurückbekommen – und dass sie auch Zinsen bekommen. Die GbR hatte seinerzeit einen Finanzierungsplan bis 2021 aufgestellt, den sie nun jedoch – da die Photovoltaikanlage nicht so lange wie geplant laufen wird – nicht bis zum Schluss umsetzen kann. 2020 und 2021 rechnet Schenk mit einem Ausfall von Einnahmen in Höhe von jeweils 25.000 Euro, die in der Kalkulation vorgesehen waren, um die Ansprüche der Bürger zu begleichen.

Verhandlungen mit der Stadt laufen

Auch Schenk wusste, dass das Parkhaus schon längst nicht mehr in einem guten Zustand war. Doch an einen Abbruch – und damit an ein Ende der Stromgewinnung auf dem Dach – wollte er nicht denken. »Wir haben bis zum Schluss gehofft, dass das Parkhaus saniert wird«, sagt er. Dann aber habe der Stadtrat die Weichen aber genau in diese Richtung gestellt. Und nun müsse er zur Kenntnis nehmen, dass das Projekt, das vor vielen Jahren mit so großer Begeisterung gestartet worden sei, ein »abruptes, trauriges Ende« erfährt.

Um die Kuh vom Eis zu holen, haben die GbR und die Stadt Gespräche aufgenommen. Im Zentrum steht die Frage, was die Betreibergesellschaft als Entschädigung erhält: Die Stadt kann den bis 2021 laufenden Vertrag nicht erfüllen und steht in der Bringschuld. Schenk hat nicht vergessen, dass die Stadt einst kräftig mitgeholfen hatte, die erste Bürgersolarstromanlage in Traunstein aus der Taufe zu heben, und hofft jetzt, wie er sagt, auf eine gütliche Einigung. Er könnte sich zum Beispiel auch vorstellen, dass die GbR die Anlage abbaut und dann so viel Geld von der Stadt bekommt, wie sie hätte ausgeben müssen, wenn sie eine Firma mit dieser Aufgabe betraut hätte.

Wie's mit der Anlage weitergeht, wenn sie denn vor dem Abbruch des Parkhauses – von wem auch immer – abgebaut wird, steht in den Sternen. Schenk sagt, dass die Module gut in Schuss seien und durchaus noch zehn bis 15 Jahre betrieben werden könnten. Doch zum einen habe die Stadt kein anderes Dach in Aussicht gestellt. Und zum anderen seien Ab- und Aufbau sehr teuer. So schätzt Schenk, dass eine Weiterverwendung der Module an anderer Stelle unterm Strich Kosten in Höhe von 40.000 Euro beschere.