Prozess um tödlichen Unfall in Rosenheim: Krankenschwester meldet sich – Keine Aussage möglich

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Foto: Peter Steffen/dpa/Symbolbild

Viereinhalb Jahre nach einem schrecklichen Verkehrsunfall mit zwei getöteten Frauen (21 und 15 Jahre) aus Samerberg und drei Schwerverletzten an der Miesbacher Straße in Rosenheim hat sich – nach einem 27-jährigen Mann (wir berichteten) – letzte Woche noch eine 33-jährige Frau als bislang unbekannte Zeugin bei der Polizei gemeldet. Die Erste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Heike Will konnte die Krankenschwester am Dienstag nicht anhören. Der Grund: Sie hatte keine Aussagegenehmigung ihres Ex-Patienten, eines schon vernommenen VW Golf-Fahrers.


Der VW Golf-Lenker, ein 28-jähriger Ulmer, war am Abend des 20. November 2016 stadtauswärts auf der Überholspur frontal in den aus Kolbermoor entgegenkommenden Pkw Nissan Micra mit drei Frauen aus Samerberg geprallt. Einzig eine inzwischen 23-Jährige, Nebenklägerin in dem Prozess, überlebte in dem Fahrzeug. Staatsanwalt Jan Salomon geht davon aus, dass zwei BMW-Fahrer, ein mittlerweile 27-jähriger Mann aus Kolbermoor sowie der jetzige Angeklagte, die vorherige Lücke zwischen ihren Fahrzeugen geschlossen hatten. Deshalb habe der sie überholende VW Golf nicht zwischen ihre Autos einscheren und dadurch den Frontalzusammenstoß vermeiden können. Der schwer verletzte Ulmer hatte zu verschiedenen Personen nach dem Unfall gesagt: »Die Schweine haben mich nicht einscheren lassen.« Er als Hauptunfallverursacher und der andere BMW-Fahrer (27) aus Kolbermoor wurden bereits rechtskräftig zu Freiheitsstrafen von 20 Monaten mit Bewährung beziehungsweise zu zwei Jahren fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Der aktuelle Angeklagte hatte sein Strafmaß von zwei Jahren drei Monaten Haft erfolgreich angefochten.

Der unfallanalytische Sachverständige, Andreas Thalhammer aus Rott am Inn, erläuterte die relativ wenigen, gesicherten Fakten und Hypothesen zu Unfallhergang und -ursache. Er schilderte, bei seinem Eintreffen am Unfallort seien die Rettungsarbeiten noch im Gange gewesen. Es sei dunkel, die Fahrbahn trocken gewesen. Aus den Positionen der havarierten Fahrzeuge sei ersichtlich: Der VW Golf und der Nissan Micra hätten vor dem Zusammenprall noch Ausweichmanöver versucht. Die »Begegnungsgeschwindigkeit« beider Wagen sei mit 142 bis 155 Stundenkilometern »sehr hoch« gewesen. Andreas Thalhammer betonte: »Der Massenunterschied der Fahrzeuge machte den Unterschied der Verletzungen aus.« Die Überlebenschancen für die Insassen in dem Pkw Nissan Micra hätten im Bereich weniger Prozent gelegen.

Die Scheinwerferlichter des sich nähernden Nissan Micra seien für den VW Golf-Fahrer erstmals zehn Sekunden vor dem Unfall erkennbar gewesen. Der 28-Jährige hätte den Unfall vermeiden können – »wenn er anders reagiert hätte oder wenn er sich zwischen den BMWs hätte einreihen können«. Die Fahrerin des Nissan Micra habe die Lichter erst sehr spät dem VW Golf zuordnen können. Hätten beide Fahrzeuge anders reagiert, wäre der Unfall nicht geschehen. Die eine Fahrbahn sei breit genug, um aneinander vorbei zu kommen, betonte der Sachverständige auf Frage von Vorsitzender Richterin Heike Will. kd

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