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Petition gegen Wohngebiet in der Daxerau

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Nach dem Abriss der Tennishalle soll in der Daxerau ein Wohngebiet mit 13 Gebäuden entstehen. Dagegen wehren sich die Anwohner. Sie haben eine Petition an den Landtag eingereicht. (Foto: Reiter)

Traunstein – Das umstrittene Wohngebiet in der Daxerau mit 13 Gebäuden und rund 120 Wohneinheiten wird in Kürze den Umweltausschuss des Landtags beschäftigen. Evi Kern ist eine der Anwohner, die wie die Unterlieger-Kommunen der Traun wie Nußdorf, Traunreut und Altenmarkt Sturm gegen das Projekt laufen.


Kern hat nun Ende 2018 eine Petition eingereicht: Das bisherige Genehmigungsverfahren müsse überprüft und die Anwohner müssten vor der steigenden Überflutungsgefahr durch die Bebauung in einem »faktischen Hochwassergebiet« geschützt werden, schreibt sie.

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Ob auf dem Gelände des früheren Tennisparks von Martha Vogl tatsächlich zeitnah oder überhaupt gebaut werden kann, darüber werden wohl Gerichte entscheiden: Die Anwohner bereiten neben der Petition auch Klagen gegen das gesamte Planungsverfahren und auch gegen daraus resultierende, einzelne Baugenehmigungen vor.

Zuständig ist nun nicht mehr die Chiemgau Concept GmbH und Co. KG aus Traunstein, sondern die Chiemgau Residenzen Verwaltungs GmbH aus Rosenheim. Denn das Grundstück wurde verkauft, wie das Traunsteiner Tagblatt erfahren hat. Nach den Gründen für den Verkauf gefragt, wollte sich Martin Strasser nicht äußern. Nur so viel war von ihm zu erfahren: »An den Plänen ändert sich nichts.«

Nichts sagen wollte zum jetzigen Zeitpunkt auch Heinrich Wittmann. Er ist der Geschäftsführer der Chiemgau Residenzen Verwaltungs GmbH.

In der Stadtratssitzung war die Daxerau nur ein Randaspekt: Bürgermeister Christian Kegel (SPD) gab die Genehmigung des geänderten Flächennutzungsplans durch die Regierung von Oberbayern bekannt. Einzige Auflage: Im Plan muss noch ein Lärmschutz-Planzeichen eingezeichnet werden, nachdem die Häuser vor den Immissionen des Straßenverkehrs, des Freibads sowie der Asphalt- und Eisstockbahn geschützt werden müssen. Der Stadtrat nahm dies mehrheitlich zur Kenntnis. Von Dr. Christian Hümmer (CSU) auf die Petition angesprochen, sagte Kegel, diese beeinflusse die rechtlich vorgegebenen, weiteren Planungsschritte nicht.

Alexander Callegari, einer der Anwohner, hält die geplante Bebauung inklusive fünf bis sechs Einzel-Tiefgaragen in diesem Bereich »nach wie vor für Irrsinn«. Nach den großen Überschwemmungen 2002 durch die Traun und 2006 durch den Röthelbach sei zwar kräftig in den Hochwasserschutz investiert worden, sodass die Gefahr durch die beiden fließenden Gewässer verringert wurde. »Kritisch sehen wir aber nach wie vor die Grundwasserproblematik und das Oberflächenwasser, insbesondere vom nahen Hochberg, wo Wasser wegen der Bodenbeschaffenheit nur schlecht versickert«, so Callegari.

Frühzeitig auf Gefahren hingewiesen

Das Wasserwirtschaftsamt habe die Stadt frühzeitig auf die von Starkniederschlägen ausgehende Gefahr hingewiesen, betonte Walter Raith, der Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamts, auf unsere Nachfrage. »Es ist Aufgabe der Stadt Traunstein, diese Hinweise und Bedenken im Rahmen des Bauleitplanverfahrens ausreichend zu berücksichtigen.« Laut einer »geotechnischen Stellungnahme« des Ingenieurbüros Bernd Gebauer sei aber vorgesehen, die im Rahmen der Bebauung geplanten Eingriffe in das Grundwasser durch technische Maßnahmen auszugleichen. »Entsprechende Planunterlagen liegen uns derzeit aber nicht vor«, betonte Walter Raith.

2010 und 2013 hatte Alexander Callegari nach eigenen Angaben das Hochwasser trotz der Hochwasserschutzmaßnahmen knapp vor seiner Haustür. Durch die zusätzliche Bebauung befürchtet er eine zunehmende Gefahr für die bestehenden Häuser – nicht nur, weil rund 5000 Kubikmeter Retentionsraum verloren gehen: Das Tennispark-Gelände soll großflächig aufgeschüttet werden. Bis zu 1,95 Meter liegen die Erdgeschoße der neuen Häuser dann über denen der bestehenden Anwesen. »Was dann passiert, wenn der Wasser-Abfluss nicht funktioniert, kann sich jeder selbst ausrechnen. Und der Abfluss von Grund-, Oberflächen- und Hochwasser wird nach unseren Erfahrungen in Summe nicht funktionieren«, so Callegari.

Dazu sagt Walter Raith vom Wasserwirtschaftsamt, »dass die geplante Bebauung in der Daxerau außerhalb des festgesetzten Überschwemmungsgebiets und außerhalb der Hochwassergefahrenfläche der Traun bei einem HQ100 liegt« – wobei mit HQ100 ein besonders starkes Hochwasser gemeint ist, das es im statistischen Mittel so nur alle 100 Jahre gibt.

Zu diesem Ergebnis kommt auch das hydrotechnische Gutachten, das im Planungsverfahren erforderlich war: Demnach liegt das Baugebiet außerhalb des Überschwemmungsgebiets von Traun und Röthelbach bei einem 100-jährlichen Hochwasser von Traun und Röthelbach. Es seien umfangreiche und detaillierte Abflussuntersuchungen durchgeführt worden. Einen negativen Einfluss auf die unmittelbaren Nachbarn, das nahe Schwimmbadgelände und die Anwesen nördlich davon habe die geplante Bebauung nicht, heißt es in der Expertise des Ingenieurbüros aquasoli.

Die Anwohner zweifeln zentrale Aussagen im Gutachten allerdings an – Stadt und Regierung hätten möglicherweise auf Basis unrichtiger Gutachten entschieden, heißt es in der Petition.

Auf die Richtigkeit von Gutachten wie diesem müsse die Stadt aber wie in jedem Planungsverfahren vertrauen, sagte Pressesprecherin Carola Westermeier auf Anfrage. Auch beim Thema Daxerau arbeite die Verwaltung Schritt für Schritt nach den rechtlichen Vorgaben. Dass die Anlieger möglicherweise den Klageweg beschreiten, sei deren gutes Recht und aus Sicht der Stadt ebenso völlig in Ordnung, wie die Petition an den Landtag. Die Stadt sei in diesem Verfahren zu einer Stellungnahme aufgefordert worden. Man habe diese an die Regierung von Oberbayern weitergeleitet. Diese habe sich der Sache angenommen, da sie von der Petition ebenfalls berührt sei. Was Stadt und Regierung letztlich an den Landtag geschrieben haben, ist nicht bekannt. Auf Nachfrage bei der Regierung hieß es: »Einer Befassung des Landtags mit der Stellungnahme kann nicht vorgegriffen werden.« Und auch die Stadt Traunstein wollte sich nicht zu dem Sachverhalt äußern.

Tennispark-Gebäude werden gerade entkernt

Auf dem fraglichen Gelände werden derzeit die maroden Tennispark-Gebäude entkernt, in Kürze dürften die Abrissbagger anrollen. Das Dach der angrenzenden Tennishalle ist teilweise eingestürzt, die morschen Balken haben der Schneelast nicht standgehalten.

Unter dem Titel »Fakten schaffen für eine spätere Bebauung« sind die Abrissarbeiten aber nicht zu sehen, so Carola Westermeier von der Stadt. »Der Abriss ist wiederum gutes Recht des Eigentümers. Es wird ja keine Baugrube ausgehoben oder eine Wand betoniert oder gemauert.« Es laufe trotz Petitionsverfahrens alles normal weiter – »höchstens es heißt: 'Stopp'.« KR/rse