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Panne auf Baustelle bleibt für Behörde ohne Folgen

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Fertig ist jetzt die Brücke über die Bundesstraße 304. Noch nicht abgeschlossen ist hingegen die Diskussion über die Panne, die auf der Baustelle aufgetreten war: Die beiden Brückenteile hatten nicht zusammengepasst, die Fertigstellung des Bauwerks verzögerte sich um rund ein Jahr. (Foto: Pültz)

Traunstein – Die Panne, die die Fertigstellung des Heilig-Geist-Steges um rund ein Jahr verzögert hat, beschert dem Staatlichen Bauamt Traunstein allem Anschein nach keine zusätzlichen Kosten. Die von ihm mit dem Bau beauftragte Firma zieht gegenwärtig nicht in Erwägung, eine Rechnung für die Leistungen zu schicken, die nötig waren, um die beiden Brückenteile miteinander verbinden zu können. »Aus derzeitiger Sicht treffen das Staatliche Bauamt keine Mehrkosten«, sagte ein Sprecher der Firma auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts.


Von langer Hand vorbereitet hatte die Behörde den Bau der neuen Brücke über die Bundesstraße 304. Über Jahre hinweg waren die Vorbereitungen gelaufen, doch auf der Baustelle ging dann der Plan nicht auf: Die beiden riesigen Teile, die die Brücke bilden sollten, passten nicht zusammen.

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Im Juni 2019 hob die Baufirma den ersten Teil des Steges ein. Und zwei Monate später im August brachte sie dann die zweite, wiederum viele Tonnen schwere Last in Stellung. Die Fachleute erlebten eine unliebsame Überraschung: Sie mussten feststellen, dass eine Lücke zwischen den beiden Bauteilen klaffte. Die Abweichungen waren groß – und das Bauamt sprach sich gegen eine schnelle Lösung aus, die womöglich nicht von Dauer gewesen wäre: Der Bauherr und Auftraggeber stimmte nicht zu, die Brückenteile »unter Zwang« zu verschweißen.

Untersuchungen folgten, die Überlegungen gingen hin und her. Die Baustelle war eine Hängepartie. Schließlich fand man eine Lösung: Man tauschte Segmente an einer Stütze und am Überbau aus. Erst in diesem Monat – ein Jahr nachdem der zweite Brückenteil nach Traunstein gekommen und die Fertigstellung des Bauwerks schon in Sicht war – gingen die Arbeiten zu Ende. Und so können die Fußgänger und Radfahrer nun die Bundesstraße problemlos queren (wir berichteten).

Die Firma hat damit begonnen, die Panne auf der Baustelle aufzuarbeiten. Mit im Brennpunkt steht die Frage nach den finanziellen Auswirkungen. »Eine abschließende Beurteilung, ob es zu Mehrkosten kommen wird, liegt noch nicht auf«, so der Sprecher des Unternehmens. Derzeitig sei die Lage so, dass auf das Staatliche Bauamt keine Mehrkosten zukommen.

Wenn es sich das Unternehmen wider Erwarten aber noch einmal anders überlegen und der Behörde doch noch eine Rechnung schicken sollte, dann wäre das Bauamt nicht bereit, sie zu bezahlen. »Sofern aus der bekannten Problematik heraus Mehrkosten entstanden sein sollten, wird es dafür dem Verursacherprinzip folgend vom Auftraggeber keine Vergütung geben«, betonte Florian Paukner, der Leiter der Abteilung Konstruktiver Ingenieurbau.

Wie hoch die tatsächlichen Kosten für die Brücke ausfallen, die das Staatliche Bauamt begleichen muss, steht noch nicht fest. Paukner sagte, dass die Schlussrechnung noch nicht erfolgt sei. »Wünschenswert wäre ein Abschluss der Maßnahme noch in diesem Haushaltsjahr.«

Der Abteilungsleiter berichtete, dass die Vergabesumme circa 1,9 Millionen Euro betragen habe. Hinzuzurechnen seien etwa 60 000 Euro für zusätzliche oder geänderte Leistungen, die im Zuge der Bauabwicklung angefallen sind. »Diese Kosten stehen nicht in Zusammenhang mit den Problemen bei der Baudurchführung, sie werden daher, wie der Rest der Baukosten, von der Bundesrepublik Deutschland getragen.« Ausbezahlt worden seien bisher 1,8 Millionen Euro.

Der Bund bezahlt deshalb die Heilig-Geist-Brücke, weil sie über eine Bundesstraße führt, also über eine Straße, die ihm gehört. Wie alle anderen Bundesfernstraßen in Bayern betreut der Freistaat auch die B 304. Und in seinem Auftrag wiederum handelt vor Ort sein Bauamt Traunstein.

Die Firma, die im Auftrag des Staatlichen Bauamts den Heilig-Geist-Steg gebaut hat, ist in Traunstein nicht unbekannt. Im Gegenteil: Ihrer Dienste bedient sich auch die Stadt. So hat das Unternehmen den Auftrag aus dem Rathaus erhalten, Sanierungen an der Südspangenbrücke vorzunehmen. Die Arbeiten laufen. pü

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